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Syrischer BĂŒrgerkrieg
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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend

Der Syrische BĂŒrgerkrieg ist eine seit dem 15. MĂ€rz 2011 andauernde bewaffnete Auseinandersetzung verschiedener Gruppen in Syrien. Mit fortschreitender Dauer findet dieser zunehmend unter Beteiligung von Drittstaaten statt, welche dabei auch eigene Interessen verfolgen. Von 2011 bis 2024 standen den StreitkrĂ€ften Syriens unter dem Kommando des diktatorisch regierenden StaatsprĂ€sidenten Baschar al-Assad (Baath-Partei) bewaffnete Gruppierungen der Opposition gegenĂŒber, die teilweise auch gegeneinander Krieg fĂŒhren, weshalb der BĂŒrgerkrieg auch nach dem im Dezember 2024 erfolgten Sturz des Assad-Regimes nicht zwangslĂ€ufig beendet ist.cite-ref-2[2]

Auslöser des BĂŒrgerkriegs war die gewaltsame Niederschlagung anfangs friedlicher Proteste gegen das autoritĂ€re Regime Assads im Zuge des Arabischen FrĂŒhlings Anfang 2011. Allerdings kam es bald zu einer wachsenden Einflussnahme der MuslimbrĂŒder, anderer radikalsunnitischer Gruppierungen und auslĂ€ndischer Interessenvertreter.cite-ref-3[3] Neben dem Zustrom von Waffen kĂ€mpften zudem auch immer mehr auslĂ€ndische Freiwillige und Söldner in Syrien. Der Wunsch der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, rĂŒckte in diesem Konflikt nach und nach in den Hintergrund, stattdessen trat der Kampf verschiedener Organisationen aus religiösen und ethnischen GrĂŒnden in den Vordergrund. Das Land zerfiel in Gebiete, die entweder von der Regierung Assads, Oppositionsgruppen, den Volksverteidigungseinheiten der Kurden oder von Islamisten beherrscht wurden.

Die direkte Beteiligung der BĂŒndnispartner Assads (Islamische Republik Iran mit Revolutionsgarde, libanesische Hisbollah-Miliz und Russland mit seinem MilitĂ€reinsatz) sowie die Bildung eines internationalen BĂŒndnisses unter FĂŒhrung der Vereinigten Staaten gegen die sunnitische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) machten aus dem Kampf innerhalb Syriens einen regionalen Stellvertreterkrieg: Hierbei kĂ€mpfen unter anderem die schiitische Islamische Republik Iran gegen das sunnitische Saudi-Arabien und Katar, sowie Russland und die USA um die Vormacht in der Region. Als sich im Zuge des syrischen BĂŒrgerkriegs das kurdische Einflussgebiet vergrĂ¶ĂŸerte bzw. im Nord- und Ostsyrien mit der Rojava (auch Westkurdistan genannt) ein Autonomiegebiet der Kurden in Syrien bildete, griff vor dem Hintergrund des Jahrzehnte andauernden tĂŒrkisch-kurdischen Konflikts auch die TĂŒrkei mit ihren MilitĂ€roffensiven in Nordsyrien ab 2016 in den Krieg ein. Die Beteiligung mehrerer fremder MĂ€chte erschwert dabei die Beendigung des BĂŒrgerkriegs.

Die Zahl der Todesopfer des Konflikts wurde auf bis zu eine halbe Million eingeschĂ€tzt. Die UNO bezeichnete die durch den Krieg ausgelöste FlĂŒchtlingskrise als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda 1994.

Vom 27. November 2024 bis 8. Dezember 2024 gelang es Rebellen des islamistischen MilizbĂŒndnisses HTS, das in der Provinz Idlib eine autonome Zone errichtet hatte, innerhalb von anderthalb Wochen in Kooperation mit der von der TĂŒrkei unterstĂŒtzten Rebellenmiliz SNA, weite Teile des zuvor von Regierungstruppen beherrschten Landes zu erobern.cite-ref-4[4] Das Assad-Regime endete nach 13 Jahren blutigem BĂŒrgerkriegcite-ref-5[5] am 8. Dezember 2024 mit der Flucht Assads nach Moskau. Dennoch gab es auch 2025 immer wieder weitere Kampfhandlungencite-ref-6[6] zwischen unterschiedlichen bewaffneten Gruppen, die die Zentralregierung nicht vollstĂ€ndig unter Kontrolle bringen konnte. Regionale und internationale Interessen spielen auch 2026 eine große Rolle.cite-ref-7[7]

Contents

‱ Verlauf
‱ Regierung
‱ Iran
‱ Hisbollah
‱ Russland
‱ TĂŒrkei
‱ Frankreich
‱ Israel
‱ Deutschland
‱ China
‱ Katar
‱ Jordanien
‱ Israel
‱ Ägypten
‱ Libyen
‱ Sudan
‱ Venezuela
‱ Belarus
‱ Nordkorea
‱ Siehe auch
‱ Filme
‱ Spielfilme
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Hintergrund

→

Hauptartikel

:

Geschichte Syriens

und

Politisches System Syriens

In Syrien regiert seit einem MilitĂ€rputsch 1963 die nationalistische „Arabisch-Sozialistische Baath-Partei“ in Form einer Einparteienherrschaft. Ab dem „Korrekturbewegung“ genannten Staatsstreich von 1970 regierte General Hafiz al-Assad als MinisterprĂ€sident. Reale Oppositionsparteien sind nicht zugelassen.cite-ref-bassam-tibi-1993-8-0[8] 1970 kam es zur Machtergreifung des militĂ€rischen FlĂŒgels in der Baath-Partei und Hafiz al-Assad wurde im MĂ€rz 1971 zum neuen StaatsprĂ€sidenten, was er bis zu seinem Tod blieb.

Unter Hafiz al-Assad zog ein Regime der massenhaften politischen Repression ein. Diese umfasste einen Personenkult um al-Assad und oft willkĂŒrliche Repression gegenĂŒber Abweichlern, Dissidenten oder Regimegegnern. WĂ€hrend seiner Amtszeit wurden rund 100.000 politische Gefangene inhaftiert. Die Repressionen des Regimes umfassten Folter, Verschwindenlassen, Hinrichtungen und sexuelle Gewalt. Die Haftbedingungen waren grausam, UnterernĂ€hrung, Tuberkulose und Typhus waren in den GefĂ€ngnissen weit verbreitet. Der Aufstand der MuslimbrĂŒder in Syrien wurde von Assads SicherheitskrĂ€ften unter anderem durch Massenhinrichtungen niedergeschlagen. Hierbei fungierte das Massaker von Hama als Fanal des Regimes Massengewalt als Herrschaftsmittel gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen.cite-ref-9[9]

Nach dem Tod Hafis’ im Jahr 2000 ĂŒbernahm sein Sohn Baschar die Macht; er ließ eine kurzzeitige Öffnungspolitik ab 2000/2001, den Damaszener FrĂŒhling, einleiten.

Sozioökonomische Situation

Zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren hatte Syrien eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten unter den nahöstlichen und nordafrikanischen Staaten. Der Höhepunkt war in den 1970er-Jahren mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 7,6 Kindern pro Frau erreicht.cite-ref-10[10] In Kombination mit einer im gleichen Zeitraum kontinuierlich sinkenden Sterberatecite-ref-11[11] fĂŒhrte das zu einem Bevölkerungszuwachs von 4,5 auf 13,8 Millionen Menschen zwischen 1960 und 1994.cite-ref-12[12] Das Wachstum verlangsamte sich seitdem. 2010 lebten etwa 22,5 Millionen Menschen in Syrien.cite-ref-stategov-13-0[13]

Der syrische Staat konnte in den 1970er- und 1980er-Jahren durch Investitionen, die sich aus Wirtschaftshilfen der Sowjetunion, UnterstĂŒtzung anderer arabischer Staaten, TransfergebĂŒhren fĂŒr irakisches Öl und den Profiten aus einer geringen eigenen Ölförderung zusammensetzten, die syrische Wirtschaft so weit stĂŒtzen, dass ein hohes Wirtschaftswachstum und ausreichend ArbeitsplĂ€tze generiert wurden. Mit dem Wegbrechen der auslĂ€ndischen UnterstĂŒtzung und dem Verfall des Ölpreises in den 1980er-Jahren ĂŒbertraf das Bevölkerungswachstum das der nun stagnierenden Wirtschaft deutlich.cite-ref-14[14] Noch verschĂ€rft wurde die Krise durch das hohe MilitĂ€rbudget der syrischen Regierung; hohe Arbeitslosenzahlen und massive Inflation waren die Folgen. Ein Versuch, diese Entwicklungen zu stoppen, war eine Halbierung des MilitĂ€rhaushalts von 1985 bis 1995. 1987 wurde auch die zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung fĂŒr besonders kinderreiche Familien gestoppt.cite-ref-15[15] Die hohe Auslandsverschuldung bei der Sowjetunion bzw. deren Nachfolger Russland und verschiedenen westlichen Industrienationen in Kombination mit einem erneuten Ölpreisverfall in der Mitte der 1990er-Jahre dĂ€mpfte das Wirtschaftswachstum. Notwendig erschien so die Liberalisierung der Wirtschaft, mit dem Ziel, das staatliche Engagement zurĂŒckzufahren und den Privatsektor zu fördern, um einen möglichst großen Teil der arbeitsfĂ€higen Bevölkerung in bezahlte BeschĂ€ftigung zu bringen, die nicht von dauernder Bezuschussung durch die knappen Staatsfinanzen abhĂ€ngig sein wĂŒrde.cite-ref-16[16] Solche Reformen waren zwar schon frĂŒh von der syrischen FĂŒhrung erkannt und das Ziel eines stĂ€rkeren privaten Sektors 1985 von der alleinregierenden Baath-Partei formuliert worden, aber das schwerfĂ€llige, stark zentralisierte Verwaltungssystem der Regierung, in dem immerhin fast jeder dritte Syrer, der bezahlter Arbeit nachging, beschĂ€ftigt war,cite-ref-stategov-13-1[13] war nicht in der Lage, solche Initiativen umzusetzen.cite-ref-17[17]

Nach dem Tod des PrĂ€sidenten Hafiz al-Assad im Jahr 2000 setzte sein Sohn und Nachfolger eine wirtschaftliche Öffnungspolitik durch. Im Jahr 2000 und im Folgejahr erfolgte die Privatisierung des Bankwesens, die Einrichtung einer Wertpapierbörse und die Zulassung von privaten UniversitĂ€ten. Die Wirtschaft wurde sektorweise privatisiert, so dass 2007 rund 70 % der Wirtschaft in Privateigentum waren. Der Anteil der Privatwirtschaft an den Importen des Landes stieg von einem FĂŒnftel 1981 auf vier FĂŒnftel 2003. Das Regime begĂŒnstigte hierbei loyale Personen mit Beziehungen zur Clique um Assad um weiterhin die Kontrolle ĂŒber das Land zu behalten. Die Personifikation dieser Entwicklung wurde Rami Machluf, Chef des Mobilfunkmonopolisten SyriaTel und Cousin von Baschar al-Assad.cite-ref-baczko20174651-18-0[18] Durch gestiegene Nachfrage aus dem privaten Sektor, die in erster Linie von FlĂŒchtlingen aus dem Irak und Investitionen aus der Golfregion von 2004 bis 2007 erzeugt wurde, konnte vorĂŒbergehend ein Wirtschaftswachstum von 4 % erzielt werden, aber diese Entwicklung war nicht von Dauer.cite-ref-19[19]

WĂ€hrend der Öffnungspolitik setzte sich die Verarmung der Mittel und -unterschichten weiter fort. Selbst GehĂ€lter von Staatsbeamten, die besser bezahlt wurden als Arbeiter, deckten nur noch einen Bruchteil der tatsĂ€chlichen Lebenshaltungskosten ab. Die Mehrheit der arbeitenden MĂ€nner hatte eine Zweit- oder DritttĂ€tigkeit im informellen Sektor. WĂ€hrenddessen fuhr das Regime den Sozialstaat und die Verwaltung zurĂŒck. Große Teile der oft informell angelegten neu-urbanisierten Siedlungsgebiete blieben ohne staatliche Infrastruktur. An manchen Orten bildeten sich BĂŒrgerwehren auf Nachbarschaftsebene, da der Staat keinerlei Ressourcen der PolizeikrĂ€fte erĂŒbrigte. Das Regime verlor aufgrund der offensichtlich zu einer Bereicherung der loyalen Eliten auf Kosten der Allgemeinbevölkerung fĂŒhrenden Wirtschaftspolitik an politischer Legitimation. Die Massenorganisationen der Baath-Partei verloren ihre soziale Aufstiegsfunktion und damit an AttraktivitĂ€t.cite-ref-baczko20174651-18-1[18]

Der RĂŒckzug der syrischen Armee aus dem Libanon 2005 bedingte den Verlust der Einkommensquellen durch Schmuggel, Drogenhandel und GeldwĂ€sche, von dem der Sicherheitsapparat maßgeblich profitiert hatte. 2006 wurde Syrien nach einem Jahrzehnt sinkender Fördermengen zum Erdölimportland.cite-ref-baczko20174651-18-2[18] Missernten seit 2007 verschĂ€rften die Krisensituation. Durch das rapide Bevölkerungswachstum stieg die Nachfrage nach Wasser. Viele illegale Brunnen wurden angelegt, ĂŒberdimensionierte und wasserintensive Landwirtschaftsprojekte taten ihr Übriges dazu, Land und Wasserreservoirs zu ĂŒbernutzen. In den Jahren 2006–2010 kam eine ausgeprĂ€gte Trockenheit hinzu – ein Ereignis, das verschiedenen Forschern zufolge durch die globale ErwĂ€rmung deutlich wahrscheinlicher geworden ist.cite-ref-kelley2015-20-0[20]cite-ref-21[21] Die syrische Regierung linderte die Not der betroffenen Menschen nicht ausreichend. Die Folge waren zusĂ€tzliche Arbeitslosigkeit, Preisanstieg, ErnĂ€hrungsunsicherheit und Massenflucht von bis zu 1,5 Mio. Menschen aus lĂ€ndlichen Gegenden.cite-ref-kelley2015-20-1[20]cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] Syrien nahm zusĂ€tzlich zwischen 2003 und 2007 etwa 1,2–1,5 Millionen FlĂŒchtlinge aus dem Irak auf, so dass 2010 ca. 20 % der urbanen Bevölkerung FlĂŒchtlinge waren.cite-ref-kelley2015-20-2[20]

Bevölkerungsgruppen

Zu den GrĂŒnden, aus denen sich verschiedene Fraktionen im BĂŒrgerkrieg bildeten, zĂ€hlt unter anderem die HeterogenitĂ€t des syrischen Staates und der syrischen Gesellschaft, die an mehreren Stellen Konfliktpotential liefert:

Die Bevölkerung von Syrien setzt sich ethnisch aus syrischen Arabern, Kurden, Assyrern-AramĂ€ern, Turkmenen, Armeniern, Tscherkessen und PalĂ€stinensern zusammen. Diese verteilen sich auf verschiedene Religionsgemeinschaften, unter denen die Sunniten mit ĂŒber 70 % Anteil an der Bevölkerung die zahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rkste sind. Zu den religiösen Minderheiten des Landes gehören die Schiiten (Alawiten, Drusen), Jesiden und Christen. Der syrische Staat sah sich selbst, mit seiner an den Nationalismus und europĂ€ischen Sozialismus angelehnten Programmatik der herrschenden Baath-Partei in der Nachfolge Michel Aflaqs als laizistischen und sĂ€kularen Staat und verbot die offene politische Einflussnahme religiöser Gruppierungen.cite-ref-24[24] Religiös motivierte AufstĂ€nde wie die der Muslimbruderschaft, die mit Gewalt durchsetzen wollte, dass die sunnitische Konfession als Staatsreligion gesetzlich verankert werden sollte,cite-ref-25[25] wurden bereits in den 1980er-Jahren mit großer HĂ€rte niedergeschlagen, zum Teil gab es zehntausende von Todesopfern, so z. B. beim Massaker von Hama.

Kleinere Religionsgemeinschaften in Syrien sahen sich von der Trennung von Umma und Staat bzw. der Trennung von Kirche und Staat eher unterstĂŒtzt, weil diese die radikalen Elemente aus den Reihen der Sunniten an der politischen Einflussnahme hinderte. Die Angst vor UnterdrĂŒckung und Verfolgung durch religiöse Fanatiker fĂŒhrte daher auch zu UnterstĂŒtzungsbekundungen aus den Reihen der Minderheiten fĂŒr die Regierung im BĂŒrgerkrieg.cite-ref-26[26]

In ihrem am 20. Dezember 2012 veröffentlichten Bericht stellte die fĂŒr Syrien zustĂ€ndige UNO-Menschenrechtskommission fest, dass der Konflikt zunehmend entlang der ethno-religiösen Linien gefĂŒhrt wird. So kam es zu Angriffen seitens der Regierungstruppen auf sunnitische Zivilisten, wĂ€hrend islamistische AufstĂ€ndische Alawiten sowie andere vermeintlich regierungstreue Minderheiten wie katholische und armenisch-orthodoxe Christen sowie Drusen attackierten. Minderheiten wie die Christen, Kurden und Turkmenen bildeten mittlerweile eigene Milizen, um ihre Gebiete vor Angriffen zu schĂŒtzen.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]

Sunniten

Die meist schafiitischen Sunniten stellten den grĂ¶ĂŸten Anteil an der Bevölkerung Syriens. In vielen Bereichen des Staatsapparats waren sie seit der GrĂŒndung der regierenden Baath-Partei unterreprĂ€sentiert. Diese hatte viele religiöse Minderheiten angezogen, die sich so eine Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Position erhofft hatten. Nachdem sich die Regierung verstĂ€rkt Iran zugewandt hatte, nutzen religiöse sunnitische Gruppen mit UnterstĂŒtzung aus Saudi-Arabien ihren Einfluss und stilisierten den schiitischen Einfluss als Bedrohung fĂŒr den sunnitischen Glauben. Verarmte sunnitische LandflĂŒchtlinge zogen in Elendsviertel um die großen StĂ€dte, wo die These von der Gefahr fĂŒr den sunnitischen Glauben besonders viele UnterstĂŒtzer fand.cite-ref-29[29]

Die Regierung Assad wolle nach Kristin Helberg die Sunniten, oft LandflĂŒchtlinge in informellen Siedlungen und jene ein Hort des Widerstands, „bestrafen“. Das Dekret Nummer 10 vom April 2018, wonach aller Grundbesitz registriert werden musste und jedes nicht registrierte Eigentum an den Staat fĂ€llt, ermögliche es dem Staat, Platz zu machen – vermutlich fĂŒr regimetreue Menschen. Daniel Steinvorth schrieb dazu in der NZZ: „Wer arm und sunnitisch ist, der steht der demografischen Neuordnung des Landes potentiell im Wege“, dies in Beziehung gesetzt zu einem Zitat Assads vom Sommer 2017, worin er „gutgelaunt“ von einer „gesĂŒnderen und homogeneren“ Gesellschaft in Syrien gesprochen habe.cite-ref-30[30]

Die Terrororganisation Islamischer Staat und Al-Nusra-Front gelten als sunnitische Milizen. Die Freie Syrische Armee (FSA) gilt insofern als sunnitische Miliz, als sie von einem Teil der sunnitischen Bevölkerung Syriens getragen wird.

Alawiten

Ähnlich wie im Irak, wo Saddam Hussein Machtpositionen mit Vertretern seiner Tikrit-Klientel besetzte, gibt es in Syrien eine Qardaha-Klientel. Qardaha ist ein ĂŒberwiegend von Alawiten des Matawira-Stammes bewohntes Dorf in Nordsyrien, in dem Hafiz al-Assad, der Vater des ehemaligen PrĂ€sidenten Syriens Baschar al-Assad, geboren wurde. Der Matawira-Stamm ist einer von vier AlawitenstĂ€mmen. Bislang hat die syrische Baath-Regierung ihre StabilitĂ€t besonders mithilfe der Qardaha-Klientel gesichert.cite-ref-bassam-tibi-1993-8-1[8] Die Alawiten (auch „Nusairier“ genannt) sind geschichtlich gesehen eine religiöse Minderheit, die immer wieder wegen ihres Glaubens verfolgt wurde. Ihre Glaubensgemeinschaft wird seit dem 19. Jahrhundert im weiteren Sinne der Partei Alis (Schiat Ali) und damit allgemein den Schiiten zugeordnet. FĂŒr die orthodoxen Sunniten, die Mehrheitskonfession innerhalb Syriens, gelten die Alawiten als HĂ€retiker. In Syrien stellen Alawiten 12 bis 13 Prozent der Bevölkerung.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] Alawiten, die an den AufstĂ€nden gegen die Regierung Assads teilnehmen, sind innerhalb ihrer Gemeinschaft isoliert.cite-ref-34[34] Bis 2016 sind mindestens 70.000 der 2 Millionen syrischen Alawiten ums Leben gekommen.cite-ref-weltn24-040416-35-0[35]

Schiiten

Vertreter der schiitischen Minderheit Syriens, zu der nach den zu den Schiiten gerechneten Alawiten einige Zwölfer-Schiiten, aber vor allem Mustali- und Nizari-Ismailiten gehören, sehen in den AufstĂ€ndischen zumeist keine „FreiheitskĂ€mpfer“, sondern „Terroristen“. In Gebieten, die von der syrischen Armee nicht mehr kontrolliert werden, mĂŒssen Schiiten als „UnglĂ€ubige“ um ihr Leben fĂŒrchten. Deswegen neigen sie dazu, das brutale Vorgehen der Regierungstruppen gegen AufstĂ€ndische und Oppositionelle zu tolerieren und werden daher als UnterstĂŒtzer Assads wahrgenommen. Derselbe Gegensatz spaltet auch einige der NachbarlĂ€nder Syriens, weswegen vor einem regionalen Übergreifen bei einer zunehmenden VerschĂ€rfung des Konflikts gewarnt wird. Neben dem Irak wird hier meist der Libanon genannt.cite-ref-nyt20120229-36-0[36]

Christen

→

Hauptartikel

:

Christentum in Syrien

Das Christentum in Syrien hat eine lange, bis zur Bekehrung des Paulus vor Damaskus zurĂŒckreichende Geschichte. Rund 60 % der Christen gehören der syrisch-orthodoxen Kirche an.cite-ref-fides-37-0[37] Im November 2011 dankte Patriarch Ignatius bei einem Besuch von Patriarch Kyrill in Damaskus dem russischen Patriarchen und allen BĂŒrgern Russlands fĂŒr ihr MitgefĂŒhl und ihre UnterstĂŒtzung.cite-ref-38[38]

In einer Verlautbarung vom MĂ€rz 2012 beklagte die syrisch-orthodoxe Kirche „ethnische SĂ€uberungen gegen Christen“ in der Stadt Homs durch Mitglieder der Faruq-Brigaden der Freien Syrischen Armee. Militante bewaffnete Islamisten hatten nach dieser Darstellung schon 90 % der Christen aus Homs vertrieben.cite-ref-fides-37-1[37] Die Faruq-Brigaden gaben dem Spiegel im April 2012 ein Interview, in dem sie die Anschuldigungen entschieden zurĂŒckwiesen. Ihr Sprecher Abdel-Razaq Tlas, Neffe des ehemaligen syrischen Verteidigungsministers Mustafa Tlas, warf Berichten im Spiegel vor, „unsere Revolution in den Dreck [zu] ziehen“.cite-ref-39[39] Syrische Christen warnten mit Blick auf die KĂ€mpfe im Gouvernement al-Hasaka vor einer massiven FlĂŒchtlingswelle der christlichen Glaubensgemeinschaft, sollte die Provinz in die HĂ€nde islamistischer Rebellen fallen.cite-ref-40[40] Assyrische/AramĂ€ische Christen grĂŒndeten daraufhin auch ihre ersten eigenen Milizen wie die Sutoro und den MilitĂ€rrat der Assyrer, die der Assyrischen Einheitspartei nahestehen und mit der kurdischen YPG an der Front kĂ€mpfen.cite-ref-41[41]

Kurden

Kurden bilden die grĂ¶ĂŸte nichtarabische Bevölkerungsgruppe Syriens und stellen mit etwa 1,7 Millionen knapp 10 % seiner Einwohner.cite-ref-42[42] Meist siedeln sie im Nordosten des Landes, entlang der fast 1000 km langen syrisch-tĂŒrkischen Grenze sowie der syrisch-irakischen Grenze im Gouvernement al-Hasaka und im Gouvernement Aleppo. 1965 wurde von der syrischen Regierung die Schaffung eines Arabischen GĂŒrtels entlang der syrisch-tĂŒrkischen Grenze angekĂŒndigt und 1973 durchgefĂŒhrt, wobei beduinische Araber innerhalb des GĂŒrtels angesiedelt wurden. Zudem war 20 Prozent der syrischen Kurden in der VolkszĂ€hlung von 1962 in al-Hasaka die syrische StaatsbĂŒrgerschaft entzogen worden, da sie illegal aus der TĂŒrkei nach Syrien eingewandert seien. Kurden waren von der Teilhabe am Staatskörper weitgehend ausgeschlossen.

Im MĂ€rz 2011 gab das syrische Ministerium fĂŒr Arbeit und Soziales bekannt, dass Kurden, die keine syrische StaatsbĂŒrgerschaft besitzen, ab sofort ein Recht auf Arbeit hĂ€tten. Am zweiten Aprilwochenende 2011 wurde bekanntgegeben, dass diejenigen Kurden innerhalb Syriens, welche ĂŒber keinerlei StaatsbĂŒrgerschaft verfĂŒgen, die syrische erhalten sollen.cite-ref-wieder-tote-in-daraa-43-0[43] Dies betrifft aber nur registrierte Staatenlose (adschanib). Unregistrierte Staatenlose (maktumin) werden nicht berĂŒcksichtigt, die syrische StaatsbĂŒrgerschaft wird ihnen weiterhin vorenthalten.cite-ref-44[44]

Die wichtigsten kurdischen Organisationen sind der aus 15 Parteien bestehende Kurdische Nationalrat und die PYD. Seit Juli 2012 arbeiten sie im Hohen Kurdischen Komitee zusammen. Die PYD und andere kurdische Parteien unterhalten bewaffnete Einheiten, die in den von Kurden bewohnten Regionen aktiv sind.cite-ref-45[45]

Die drei mehrheitlich kurdisch besiedelte Kantone EfrĂźn, KobanĂȘ und CizĂźrĂȘ proklamierten Anfang 2016 die de-facto autonome Föderation Nordsyrien – Rojava.cite-ref-46[46]

Zentren des Protests

An den Protesten gegen die Regierung beteiligten sich in der Anfangsphase Gruppierungen aus unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung, mit zunehmender Dauer des BĂŒrgerkrieges wurde auslĂ€ndische UnterstĂŒtzung, Beteiligung und Einflussnahme zu immer wichtigeren Faktoren.

Im Nordosten des Landes konzentrierten sich die Proteste zunÀchst offenbar in den von Kurden bewohnten Gebieten.cite-ref-wieder-tote-in-daraa-43-1[43]

Ein weiterer Schwerpunkt der Protestbewegung lag in der Stadt DarÊżÄ einer von StĂ€mmen und Landwirtschaft dominierten armen Region, die nach einer jahrelangen DĂŒrre wirtschaftlich am Boden lag. Dabei verlangten die Teilnehmer wie beim Damaszener FrĂŒhling von 2001 ein Ende der korrupten Wirtschaftspolitik und den Sturz der Baath-Regierung von PrĂ€sident Baschar al-Assad.cite-ref-47[47] Dort waren es besonders sunnitische Araber, die sich an Protesten beteiligen. Als wichtiger Versammlungsort der dortigen Opposition wird die al-Omari-Moschee genannt. Wie auch in einigen anderen Staaten der arabischen Welt nicht ungewöhnlich, tritt eine Institution wie die al-Omari-Moschee als Ort der Opposition auf.cite-ref-48[48] Nach Ansicht des tĂŒrkischen Nahost-Experten Oytun Orhan vom Zentrum fĂŒr strategische Nahost-Studien (Orsam) verleihe gerade dies den Demonstrationen in Syrien, und insbesondere in DarÊżÄ, eine deutlich islamischere Komponente. Dabei verweist er darauf, dass Demonstranten als Parole hĂ€ufig geĂ€ußert hĂ€tten: „Wir wollen Muslime, die an Gott glauben“.cite-ref-49[49] FĂŒr die Proteste in Homs und in Banias machte das syrische Innenministerium entsprechend radikale Salafisten verantwortlich.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]

Verlauf

→

Hauptartikel

:

Chronik des BĂŒrgerkriegs in Syrien

Ganz allgemein können die Ereignisse des Arabischen FrĂŒhlings in anderen LĂ€ndern der Region als Anlass fĂŒr Demonstrationen in Syrien genannt werden. Als Ausgangspunkt des BĂŒrgerkrieges gilt die Gewaltanwendung gegen friedliche Demonstranten, die ab dem 15. MĂ€rz 2011 gegen die Verhaftung von Kindern in der sĂŒdsyrischen Stadt DarÊżÄ protestierten.cite-ref-52[52] Die SicherheitskrĂ€fte eröffneten daraufhin das Feuer und töteten vier Menschen.cite-ref-53[53] Bei Protesten in den folgenden drei Tagen kam es zu weiteren Toten, darunter auch einigen Polizisten.cite-ref-54[54] Ab April 2011 setzte die Regierung die regulĂ€re Armee gegen die Demonstranten ein. Mehrere hundert Personen wurden in den ersten Monaten der Protestwelle im Umfeld von Demonstrationen getötet. Der ĂŒberwiegende Teil dieser Toten fiel, nach EinschĂ€tzung von Menschenrechtlern, Aktionen der syrischen Geheimdienste zum Opfer.cite-ref-55[55]

Ab dem Sommer 2012 bildeten sich auf Seite der Rebellen hunderte bewaffnete Gruppen. Diese umfassten kleine Zellen von einem Dutzend KĂ€mpfer bis zu VerbĂ€nden mit tausenden Mitgliedern. Sie rekrutierten sich vor allem aus Deserteuren der Syrischen StreitkrĂ€fte, dabei waren Angehörige der Arbeiterschaft und Bewohner lĂ€ndlicher Regionen ĂŒberreprĂ€sentiert. Laut Angaben der syrischen Rebellen verfolgte das Regime 2013 rund 189.000 BĂŒrger wegen Desertion aus der Armee. Die KĂ€mpfer waren dabei jeweils lose an ihre Einheiten gebunden und wechselten zwischen den Rebellengruppen. Die Rebellengruppen versuchten ihre Organisationsformen der regulĂ€ren Armee nachzubilden und vertraten als Freie Syrische Armee ihr SelbstverstĂ€ndnis als StreitkrĂ€fte eines neuen syrischen Staates. Sie konnten aber im Verlauf die eher informelle Organisation in konkurrierende Gruppen nicht ĂŒberwinden.cite-ref-56[56]

Mitte 2012 hatte die regulĂ€re syrische Armee mit etwa 60.000 desertierten Soldaten rund 20 % ihrer geschĂ€tzten StĂ€rke von 2011 eingebĂŒĂŸt,cite-ref-57[57] wĂ€hrend sie gleichzeitig gezwungen war, mit den verbliebenen KrĂ€ften in weiten Teilen des Landes stĂ€ndig PrĂ€senz zu zeigen, um eine Ausbreitung des Aufstandes zu verhindern. Beobachter prophezeiten nach bedeutenden RĂŒckschlĂ€gen fĂŒr die Regierungstruppen, wie dem Verlust großer Teile der Wirtschaftsmetropole Aleppo, um das Jahresende 2012 den baldigen Fall der Regierung von PrĂ€sident Assad.cite-ref-58[58] Die regulĂ€re Regierungsarmee verlor im ersten Jahr der Kampfhandlungen fast die HĂ€lfte ihrer PersonalstĂ€rke durch Gefallene und Desertion.cite-ref-59[59] Die FSA scheiterte jedoch damit, in den Gebieten, aus denen sie die Regierungstruppen vertrieben hatte, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Bevölkerung zu versorgen. Dieses Vakuum wurde zunehmend von sunnitisch geprĂ€gten Hilfsorganisationen gefĂŒllt, die aus der Golfregion finanziert wurden. Mit Fortschreiten des Konfliktes bewaffneten sich Vertreter dieser Organisationen, nahmen am Kampfgeschehen teil und trugen, gestĂŒtzt durch die ZufĂŒhrung von religiös motivierten Freiwilligen und kampferprobten Veteranen aus verschiedenen Konfliktregionen der Welt sowie Waffen aus dem Ausland, bald die Hauptlast der KĂ€mpfe.cite-ref-zeit1-14-60-0[60] So waren es islamistische KĂ€mpfer, die im FrĂŒhjahr 2013 den Handstreich auf die Provinzhauptstadt ar-Raqqa durchfĂŒhrten.

Von 2011 bis 2013 wurde der Islamismus die vorherrschende politische Richtung der Rebellenbewegung. Die Protestbewegung hatte sich bereits kurz nach ihrem Auftreten religiöser Symbolik bedient.cite-ref-61[61] Der bewaffnete Widerstand gegen das Assadregime bediente sich ebenso der Ästhetik islamistischer Gruppen. Die AbhĂ€ngigkeit von finanzieller UnterstĂŒtzung der Golfstaaten förderte zunehmend die islamistische Orientierung der Rebellengruppen. Hier kamen schließlich diejenigen Dschihadisten, welche die Regierung im FrĂŒhjahr 2011 aus den GefĂ€ngnissen entlassen hatte, zum Zuge. 2013 waren mit Ahrar al-Scham und der al-Nusra-Front zwei islamistische Organisationen stark genug die sĂ€kularen Institutionen der Rebellion gegen Assad anzugreifen und ihre eigenen zu etablieren.cite-ref-62[62]

Anfang bis Mitte 2013 begann sich die syrische Regierung, entgegen den Voraussagen, wieder zu stabilisieren. Mit einem kleineren zu verteidigendem Gebiet, einem Ende der Massendesertationen und gestĂŒtzt auf die Luftwaffe und den zunehmenden Einsatz undifferenziert tötender Waffen – wie Artillerie- und Bombenangriffen – konnten Regierungstruppen ihre Stellungen halten und lokal begrenzte Erfolge erzielen. Versuche, dieses Vorgehen mit zahlreichen zivilen Opfern durch den Sicherheitsrat verurteilen zu lassen, scheiterten mehrfach am Veto Russlands und Chinas.

Eine weitere LageĂ€nderung trat dann im Mai 2013 ein, als Milizen der schiitischen Hisbollah in großer Zahl, vom Libanon kommend, die syrische Grenze ĂŒberquerten und sich mit den Regierungstruppen Assads zusammenschlossen. Beobachter schĂ€tzten, dass dieses militĂ€rische Engagement auf direkte Weisung Irans erfolgte, der so seinen Einfluss in Syrien gegen die AktivitĂ€ten aus den Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar verteidigen wollte. Mit der Kombination aus im Guerillakampf erprobten Hisbollah-VerbĂ€nden und den schweren Waffen der Regierungstruppen, gelang es den VerbĂ€nden von PrĂ€sident Assad an mehreren Stellen die Rebellen zu schlagen und medienwirksam Gebiete, wie die als SchlĂŒsselstellung fĂŒr den Rebellennachschub wichtige Stadt Kusseir im Sommer 2013 zu erobern. Kusseir wurde in der Folge zu einem Sperrgebiet erklĂ€rt und diente seitdem als Standort fĂŒr die Drogenproduktion, um so aus dem ĂŒber Latakia abgewickelten Export und anschließenden Verkauf Devisen zu erhalten, die durch die internationalen Sanktionen fĂŒr den syrischen Staat schwer erhĂ€ltlich wurden.cite-ref-spiegel-21-2020-63-0[63]

Ein weiteres wichtiges Ereignis waren die Giftgasangriffe von Ghuta im August 2013, die zahlreiche zivile Opfer forderten und eine internationale Welle der Empörung auslösten. Eine NATO-Intervention wurde jedoch von der Bevölkerung der Mitgliedsstaaten abgelehnt. Ein amerikanischer MilitĂ€rschlag gegen Ziele in Syrien wurde schließlich durch das Eingreifen Russlands abgewendet, indem es die Regierung in Damaskus ĂŒberzeugte, ihr Chemiewaffenprogramm einzustellen und ihr C-Waffen-Arsenal unter internationaler Aufsicht zerstören zu lassen.

Mitte bis Ende 2013 kam es vermehrt zu KĂ€mpfen zwischen islamistischen Rebellen und Angehörigen der ethnischen Minderheit der Kurden, die sich im Konflikt zwar in begrenztem Umfang gegen die Regierung gestellt hatten, sich aber weitgehend neutral verhielten, soweit ihre Siedlungsgebiete im Nord-Osten Syriens nicht betroffen waren. Der Versuch von al-Qaida-nahen Rebellengruppen, die besetzten Gebiete in Syrien mit Gebieten im Irak rĂ€umlich zu verbinden, in denen sich gleichgesinnte KĂ€mpfer gegen die schiitisch geprĂ€gte Regierung des Irak erhoben hatten, verschĂ€rfte den Konflikt weiter. KĂ€mpfe zwischen den, der al-Qaida zugerechneten, ISIL-KĂ€mpfern auf der einen und einem BĂŒndnis aus anderen, stark religiös geprĂ€gten, sunnitischen Gruppen, als deren HauptunterstĂŒtzer Saudi-Arabien gilt, und Resten der FSA auf der anderen Seite, dominierten den Jahreswechsel 2013–2014. Regierungstruppen traten zu dieser Zeit durch Bombenangriffe auf Rebellengebiete in Aleppo und begrenzte GelĂ€ndegewinne, als Folge der rebelleninternen KĂ€mpfe, in Erscheinung. Im Mai 2014 kam es zu mehreren Vereinbarungen zwischen AufstĂ€ndischen und Regierungstruppen, die unter anderem zur kampflosen RĂ€umung der Stadt Homs durch Rebellentruppen fĂŒhrten.cite-ref-64[64]

Mit dem Auftreten des Islamischen Staates (zuvor „ISIS“) Mitte 2014 kam es zu KĂ€mpfen zwischen den Kurden und der Islamistischen Miliz. Durch das brutale Vorgehen der Islamisten kam es zur Massenflucht.cite-ref-65[65] Durch Offensiven des Islamischen Staats auf die strategische Stadt Kobane kam es zum erbitterten Kampf um KobanĂȘ. Daraufhin sah sich der Westen, vor allem die USA, gezwungen, zu intervenieren und die Islamisten aus der Luft zu bekĂ€mpfen.cite-ref-66[66] Eine Koalition flog seitdem Luftangriffe auf den IS. Ende Januar 2015 wurden die Milizen des IS aus Kobane vertrieben.cite-ref-67[67] Regierungstruppen zogen sich Anfang 2015, vor allem aus dem SĂŒden an der Grenze Jordaniens und im Nordwesten aus der Region um Idlib, zurĂŒck.cite-ref-68[68] Ende Mai 2015 startete der IS eine Offensive auf die strategisch wichtige Stadt Palmyra und nahm sie ein. Zu diesem Zeitpunkt kontrolliert die Terrormiliz erstmals 50 % des syrischen Territoriums.cite-ref-69[69]

Mitte August 2015 begann Russland mit dem Aufbau einer Basis in Latakia, welche es den LuftstreitkrĂ€ften ermöglichen sollte, die Regierungstruppen zu unterstĂŒtzen.cite-ref-70[70] Kurze Zeit spĂ€ter, im September 2015, begannen russische Kampfflugzeuge, neben dem IS, auch andere Oppositionsgruppen aus der Luft anzugreifen. Kurz darauf riefen 41 Gruppen der bewaffneten Opposition in einer Veröffentlichung zum Kampf gegen Russland und Iran auf. Die Al-Nusra-Front gehörte nicht zu den Unterzeichnern.cite-ref-71[71]

Der Jahreswechsel 2015/2016 war geprĂ€gt vom VorrĂŒcken regierungstreuer KrĂ€fte aus Iran, aus dem Libanon und aus Afghanistan, die unter dem Schutz russischer Luftangriffe im nördlichen Syrien KĂ€mpfer verschiedener Rebellengruppen aus Gegenden nördlich von Aleppo vertrieben. Wege, die man fĂŒr Nachschub der RebellenkĂ€mpfer in der Stadt als auch fĂŒr Hilfslieferungen fĂŒr die Zivilisten dort verwendet hatte, wurden im Sommer abgeschnitten.cite-ref-72[72] Nachdem der IS lange versucht hatte, Gebiete zu verteidigen, die an die TĂŒrkei grenzen, Ă€nderte die Terrororganisation nach der Niederlage gegen die kurdisch dominierten SDF Anfang August 2016 nach der Manbidschoffensive, ihre Taktik und gab die Gebiete an der tĂŒrkischen Grenze weitgehend kampflos auf.cite-ref-inde050916-73-0[73] In der Folge verlor der IS mit ar-Raqqa im November 2017 die grĂ¶ĂŸte Stadt unter seiner Kontrolle und wurde bis zum Jahresende 2017 von Bodentruppen des SDF und von syrischen Regierungstruppen und mit ihnen verbĂŒndeten Milizen bis auf wenige unbedeutende Gebiete entlang der syrisch-irakischen Grenze vom syrischen Staatsgebiet verdrĂ€ngt. Irakische Truppen erreichten zur gleichen Zeit die Befreiung des gesamten irakischen Staatsgebietes vom IS.cite-ref-inde050916-73-1[73]cite-ref-inde091217-74-0[74] Regierungstruppen und regierungstreuen KrĂ€ften gelang es von Mitte November bis Ende Dezember 2016, die eingeschlossenen Ortsteile von Aleppo zu ĂŒberrennen und die verbliebenen Rebellen zum Abzug in die Idlib-Region zu zwingen. Dort kam es dann im Januar und Februar 2017 zu verlustreichen fraktionsinternen KĂ€mpfen zwischen verschiedenen islamistischen Rebellengruppen.cite-ref-75[75]

Im Sommer 2017 entwickelte sich ein Wettrennen zwischen KrĂ€ften, die loyal zu Assad standen, und solchen KĂ€mpfern, die von der US-Koalition gesteuert wurden. Beide Seiten versuchten dabei als Erste SchlĂŒsselbesitzungen des Islamischen Staates an der Grenze zum Irak zu erobern, bevor die jeweils andere Seite ihnen zuvorkommen konnte. Die USA stĂŒtzen sich dabei auf SDF-KĂ€mpfer, die aus Nordsyrien nach SĂŒden im Raum um ar-Raqqa vorrĂŒckten und KĂ€mpfern, die aus der Grenzregion zu Jordanien nach Norden vorrĂŒckten. Die regierungstreuen Truppen erhielten ihrerseits VerstĂ€rkungen durch schiitische Milizen, die nach ihrer Beteiligung an den KĂ€mpfen um das irakische Mossul ĂŒber die Grenze kamen.cite-ref-76[76] In der Idlib-Region setzten sich zur gleichen Zeit die Islamisten des HTS gegen andere AufstĂ€ndische durch und wurden zur dominierenden Kraft.cite-ref-77[77] Im SpĂ€tsommer und Herbst 2017 wurde die Terrororganisation Islamischer Staat aus den von ihr eroberten Kerngebieten am Euphrat vertrieben und am 17. Oktober 2017 wurde die IS-Organisation aus ihrer Hochburg Raqqa vollstĂ€ndig nach der Schlacht um Raqqa vertrieben. Letzte RĂŒckzugsgebiete der Terrororganisation IS befanden sich im Oktober 2017 noch am Euphrat sĂŒdöstlich von Deir ez-Zor im Grenzraum zum Irak.cite-ref-78[78] Sie wurden bis zum Jahresende 2017 bis auf wenige Ausnahmen eingenommen.cite-ref-inde091217-74-1[74]

Die syrische Armee eröffnete zum Jahreswechsel 2017/2018 eine Offensive, von der Journalisten annehmen, sie habe zum Ziel, eine direktere Straße von Damaskus nach Aleppo freizukĂ€mpfen, was den sĂŒdwestlichen, noch immer von der Terrororganisation HaiÊŸat Tahrir asch-Scham (HTS) besetzten, Teil der Provinz Aleppo abspalten und einschließen wĂŒrde. Rund 100.000 Zivilisten wurden nach Angaben der UNO von Mitte Januar 2018 durch die neue Offensive in die Flucht geschlagen.cite-ref-79[79] Die GrĂŒnde der Offensive blieben umstritten: WĂ€hrend die syrische Regierung sie mit der Anwesenheit von verschiedenen terroristischen Gruppierungen in dem Gebiet rechtfertigte, kritisierte die tĂŒrkische Regierung, dass das ein Vorwand sei, um gegen moderate Rebellen und Zivilisten vorzugehen.cite-ref-80[80] Die TĂŒrkei eröffnete ab Mitte Januar ihrerseits eine MilitĂ€roffensive gegen das Kurdengebiet um Afrin, wĂ€hrend syrische Regierungstruppen und VerbĂŒndete, mit der BegrĂŒndung, dschihadistische Terrorgruppen zu bekĂ€mpfen, weiter die zuvor als „Deeskalationszonen“ ausgewiesenen Gebiete angriffen.cite-ref-81[81]

Erst mit der AnkĂŒndigung von Ende Dezember 2018, seine Truppen aus Syrien abziehen zu wollen, belebte US-PrĂ€sident Donald Trump die islamistischen Bewegungen in Syrien erneut – der IS sah sich in seinen verbliebenen Restgebieten bei Deir ez-Zor moralisch gestĂ€rkt und startete eine Reihe von Offensivaktionen,cite-ref-82[82] wĂ€hrend die TĂŒrkei sich darauf vorbereitete, den Hauptgegner des IS, die kurdische YPG/SDF nach Abzug der USA zu bekĂ€mpfen. Um das zu erreichen, zogen die TĂŒrken allerdings Hilfstruppen tĂŒrkeifreundlicher Milizen aus dem Rebellengebiet Idlib ab, was die ehemaligen al-Qaida AnhĂ€nger, nun unter dem Banner der HaiÊŸat Tahrir asch-Scham (HTS), ihrerseits fĂŒr eine Offensive gegen die Gebiete der gemĂ€ĂŸigteren Rebellen in Idlib nutzten und ihren Einfluss dort ausweiteten.cite-ref-83[83]

Der IS verlor schließlich am 23. MĂ€rz 2019 mit al-Baghuz Fawqani sein letztes offiziell kontrolliertes Territorium.cite-ref-indi230319-84-0[84] Die verbliebenen Angehörigen von IS-KĂ€mpfern flohen vor allem nach al-Haul. So wuchs diese FlĂŒchtlingsstadt in jener Zeit wĂ€hrend der Schlacht von Baghuz von weniger als 10.000 auf etwa 72.000 Personen an. Die verbliebenen IS-KĂ€mpfer aus der Schlacht von Baghuz haben sich in die syrische WĂŒste und die syrisch-irakische Grenzregion zurĂŒckgezogen. In Syrien operieren IS-KĂ€mpfer vor allem in der WĂŒste westlich des Euphrat in den Provinzen Deir ez-Zor und Homs, wo das Assad-Regime die Kontrolle hat. Anfang April 2020 attackierten IS-KĂ€mpfer die Kleinstadt as-Suchna an der Straße von Deir ez-Zor nach Homs und Damaskus und töteten mehrere Soldaten der StreitkrĂ€fte Syriens.cite-ref-85[85]

Im Gouvernement Idlib begannen regierungstreue Truppen und die LuftstreitkrĂ€fte Russlands Ende April 2019 mit einer Offensive auf das mehrheitlich von Rebellen besetzte Gebiet,cite-ref-nzz070519-86-0[86] bei denen Aktivisten zufolge besonders zivile Infrastruktur, wie KrankenhĂ€user, systematisch zerstört wurden.cite-ref-87[87]cite-ref-88[88] Die KĂ€mpfe hĂ€tten laut FlĂŒchtlingshilfswerk 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen.cite-ref-89[89] Drei Millionen Menschen, zwei Drittel davon abhĂ€ngig von humanitĂ€ren Hilfen, hielten sich zum Beginn der KĂ€mpfe in der vereinbarten Deeskalationszone Idlibs auf.cite-ref-guardian080519-90-0[90]

Am 9. Oktober 2019 kam es nach dem ĂŒberraschenden Abzug der USA aus dem Kurdengebiet nahe der tĂŒrkischen Grenze zur TĂŒrkischen Offensive in Nordsyrien. Die syrische Regierung entsandte dann auf Bitten der Kurden ihrerseits Truppen um den tĂŒrkischen Vormarsch aufzuhalten. Die KĂ€mpfe flauten ab und am 22. Oktober einigten sich der Russische und der TĂŒrkische PrĂ€sident auf eine kĂŒnftige Machtverteilung in Nordsyrien.cite-ref-91[91] Amerikanische Truppen verblieben lediglich im Umfeld der syrischen Ölfelder in der Deir el-Zour-Region.cite-ref-92[92]

Kurz vor Jahreswechsel 2019/2020 begannen syrische Regierungstruppen und verbĂŒndete schiitische Milizen mit russischer LuftunterstĂŒtzung eine Offensive in das letzte Gebiet der AufstĂ€ndischen in Idlib. Bis Mitte Februar 2020 hatten sich von den geschĂ€tzt 3 Millionen Bewohnern des Gebietes eine Million auf die Flucht in Richtung Grenze zur TĂŒrkei begeben. Die tĂŒrkische Regierung, nicht mehr Willens oder in der Lage weitere FlĂŒchtlinge aufzunehmen, ließ auf syrischem Gebiet UnterkĂŒnfte bauen und versuchte durch Diplomatie und zunehmend auch durch militĂ€risches Eingreifen die syrischen Regierungstruppen aufzuhalten. Mehrere Tausend tĂŒrkische Soldaten wurden im Februar 2020 ĂŒber die Grenze in die Provinz entsandt.cite-ref-93[93] Im selben Jahr trat in Idlib ein Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime von Baschar al-Assad und HTS in Kraft.cite-ref-94[94]

Die COVID-19-Pandemie in Syrien trug dazu bei, dass die Lebensmittelpreise im Jahr 2020 gegenĂŒber dem Vorjahr um 250 Prozent stiegen.cite-ref-spiegel-geld-95-0[95]

Obwohl Geldtransfers nach Syrien fĂŒr humanitĂ€re Hilfe nicht von den Sanktionen betroffen sind, zögern viele Hilfsorganisationen und Banken, Geld nach Syrien zu ĂŒberweisen, da der syrische Staat um Baschar al-Assad nur wenig HilfsgĂŒter in besonders verwĂŒstete Gebiete bringt und auch die Hilfsgelder missbraucht. Daraus wĂŒrde die Sanktionierung der Hilfsorganisationen und Banken selbst folgen, da die Überweisung der Hilfsgelder eine UnterstĂŒtzung des syrischen Regimes darstellt, was durch das von der US-Regierung erlassene Caesar Act (Gesetz) bestraft wird. Die europĂ€ischen Staaten und die USA geben zudem keine eigenen Hilfsgelder fĂŒr den Wiederaufbau der Infrastruktur in Syrien frei, solange das Regime um Baschar al-Assad zu keinen Reformen bereit ist, die zu freien und fairen Wahlen fĂŒhren.cite-ref-spiegel-geld-95-1[95] Die Hilfsgelder die bis einschließlich September 2020 nach Syrien gelangten und grĂ¶ĂŸtenteils an Hilfsorganisationen der UNO in Syrien ausgezahlt wurden, kommen zu 90 % von den USA und aus Europa. Russland, das durch seinen MilitĂ€reinsatz in Syrien erheblich zur Zerstörung des Landes beigetragen hat, gehört nicht zu den europĂ€ischen Staaten, die die humanitĂ€re Hilfe fĂŒr Syrien zu 90 % finanzieren.cite-ref-spiegel-geld-95-2[95]

Im Jahr 2020 wurden mehrmals Lieferungen (insgesamt etwa 27 Tonnen bzw. 162 Millionen Captagon-Pillen, vier Tonnen Haschisch und weitere Ladungen Amphetamin) von ĂŒber den Seehafen von Latakia exportierten Drogen abgefangen, deren Produktion (bspw. bei der Stadt Kusseir) von Angehörigen der al-Assad-Familie organisiert wurde. Durch den anschließenden Verkauf können Devisen erhalten werden, die durch die internationalen Sanktionen fĂŒr den syrischen Staat bzw. dessen Regierung schwer erhĂ€ltlich wurden.cite-ref-spiegel-21-2020-63-1[63]cite-ref-96[96]

Laut der BBC griff die TĂŒrkei zwischen Oktober 2019 und Januar 2024 mehr als 100 mal Ölfelder, Gasanlagen und Kraftwerke in der Rojava an. Durch die Zerstörung von Kraftwerken musste ein Wasserwerk, das eine Million Menschen versorgte, abgeschaltet werden. Die TĂŒrkei erklĂ€rte, sie habe die „Einnahmequellen und KapazitĂ€ten“ kurdischer Separatistengruppen ins Visier genommen, die sie als Terroristen betrachtet.cite-ref-97[97]cite-ref-98[98]

Am 27. November 2024 starteten Rebellen, angefĂŒhrt von der HaiÊŸat Tahrir asch-Scham (HTS) und der von der TĂŒrkei unterstĂŒtzten Freien Syrischen Armee, aus der Provinz Idlib heraus, eine Großoffensive. Innerhalb von 12 Tagen nahmen die Rebellen große Teile des Landes ein, darunter die GroßstĂ€dte Aleppo, Hama, Homs und letztlich Damaskus, was in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 2024 zum Ende des Assad-Regimes fĂŒhrte.

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Hauptartikel

:

Chronik des BĂŒrgerkriegs in Syrien 2024

und

Rebellenoffensive in Syrien 2024

Mitte Dezember 2024 gab HTS-AnfĂŒhrer al-Dschaulani, der seit der MachtĂŒbernahme seinen zivilen Namen verwendet, bekannt, die Kampfgruppen der Rebellenorganisationen aufzulösen und deren Mitglieder in die StreitkrĂ€fte Syriens einzugliedern.cite-ref-99[99]

MilitÀrisch unmittelbar Beteiligte

Regierung

Reformen in der Krise
Als Reaktion auf den Aufstand in Syrien wurden von Assad ab April 2011 Reformen angekĂŒndigt und einige davon auch durchgefĂŒhrt. Begleitend dazu wurden drei Amnestien fĂŒr Oppositionelle angekĂŒndigt, dies im Mai und im Juni 2011 und im Januar 2012.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101]cite-ref-102[102]cite-ref-de-rian-ru-103-0[103]

Bei den Amnestien wurden zwischen dem November 2011 und dem Januar 2012 rund 4000 Menschen freigelassen.cite-ref-de-rian-ru-103-1[103] Unter den Amnestierten war auch der spĂ€tere RebellenfĂŒhrer Zahran Allusch.cite-ref-104[104] Am 26. Februar 2012 fand ein Referendum ĂŒber eine neue Verfassung statt. Bis zum Mai 2012 wurde die fĂŒhrende Rolle der Baath-Partei aus der Verfassung entfernt, allerdings der PrĂ€sident mit mehr Machtbefugnissen ausgestattet.cite-ref-105[105] Bei der Wahl zum syrischen Parlament am 7. Mai 2012 bewarben sich Kandidaten neun verschiedener Parteien um Abgeordnetenmandate.cite-ref-106[106]

Haltung von PrÀsident Baschar al-Assad
Assad sprach in einem am 11. Mai 2012 von Rossija 24 ausgestrahlten Interview ĂŒber die weitere Umsetzung der Reformen. Alle wĂ€hrend der Krise verabschiedeten Gesetzesartikel sollten unter der Schirmherrschaft der Regierung im Rahmen des in Gang zu setzenden nationalen Dialogs zwischen den verschiedenen politischen Strömungen besprochen werden. Es sei auch möglich, dass es zu einer Diskussion ĂŒber die syrische Verfassung komme. Als Beteiligte an dem Dialog gab er die verschiedenen Parteien und die politischen FĂŒhrer in Syrien an. Auf die Kritik angesprochen, wonach die Reformen zu langsam vorankĂ€men, entgegnete er, dass die neue syrische Verfassung in nur vier Monaten verabschiedet worden sei. Die Erwartung, dass in einer so kurzen Zeit alle Gesetze durchgegangen wĂŒrden, sei nicht realistisch. Normalerweise brauche man fĂŒr einen derartigen Eingriff zwischen sechs Monaten und einem Jahr.cite-ref-107[107]

Da viele auslĂ€ndische Journalisten kurz nach Beginn des Aufstandes ausgewiesen wurden,cite-ref-108[108] stĂŒtzte sich die Berichterstattung ĂŒber den Aufstand ĂŒberwiegend auf Aktivisten vor Ort und auf internationale Organisationen. Die syrische Regierung sprach seit Beginn der Proteste davon, dass die AufstĂ€nde von islamistischen Extremisten, auslĂ€ndischen Verschwörern und Terroristen angezettelt worden seien.cite-ref-109[109]

Baschar al-Assad drĂŒckte gegenĂŒber der Opposition mehrfach, zuletzt Ende Juli 2013,cite-ref-nytimes-com-110-0[110] seine Bereitschaft zu Friedensverhandlungen aus, was nach Ausbruch des BĂŒrgerkrieges stets abgelehnt wurde. Oppositionelle forderten, dass Assad vor Beginn von Verhandlungen seinen RĂŒcktritt ankĂŒndigen mĂŒsse,cite-ref-111[111] oder brachten zum Ausdruck, dass sie erst verhandeln wĂŒrden, wenn sie die militĂ€rische Oberhand gewonnen hĂ€tten.cite-ref-112[112] Anfang August 2013 rĂŒckte Assad schließlich von seinem Angebot ab und schloss in einer Fernsehansprache aus, dass mit der zerstrittenen Opposition noch verlĂ€ssliche Vereinbarungen getroffen werden könnten, stattdessen mĂŒsse der Aufstand mit militĂ€rischer Gewalt niedergeschlagen werden.cite-ref-113[113]

Das Milizsystem
Die Regierungsseite ist in dem Konflikt nicht nur ĂŒber die regulĂ€ren syrischen StreitkrĂ€fte aktiv, sondern auch ĂŒber eine Reihe von regierungsfreundlichen Milizen. Auf Milizen griff die syrische Regierung bereits weit vor dem BĂŒrgerkrieg zurĂŒck. Erste Milizen wurden aus kriminellen Banden geformt, die auf die 1970er Jahre zurĂŒckgehen. Als Reaktion auf zunehmende AufstĂ€nde im besetzten Irak von 2006 an bewaffnete die syrische Regierung von 2006 an zunehmend StammesverbĂ€nde im Grenzgebiet zum Nachbarland, um den Waffenschmuggel zu unterbinden. Daraus entstanden weitere Milizen.cite-ref-114[114] Dieses Milizsystem weitete sich im Verlauf der Kampfhandlungen deutlich aus. Oft gingen die Milizen aus Selbstverteidigungsgruppen ethnischer und religiöser Minderheiten hervor, die sich insbesondere durch islamistische KrĂ€fte innerhalb der bewaffneten Opposition bedroht sahen. Insbesondere unter Alawiten und Sunniten wuchsen sich traditionelle UnterstĂŒtzungsnetzerke der Assad-Regierung zu Milizen aus. Aus Regierungssicht bedeuteten diese Gruppen eine Möglichkeit, die Kampfkraft der bis 2012 stark dezimierten regulĂ€ren Armee teilweise zu ersetzen. Mit diesem Ziel wurden FĂŒhrungsfiguren der bereits entstandenen Milizen gezielt durch Regierungsagenten angesprochen und eingebunden. Mit gesetzlichen Regelungen im November 2012 organisierte die Regierung das Milizsystem als Nationale VerteidigungskrĂ€fte. Rekrutierung, Besoldung und Ausbildung der Milizen wurde in diesem Rahmen einheitlich geregelt.cite-ref-115[115] In den folgenden Jahren griffen die Milizen zum Teil entscheidend in KĂ€mpfe ein. Zugleich begann die Integration von MilizenfĂŒhrern in politische und wirtschaftliche Machtstrukturen. So waren nach der Parlamentswahl vom 19. Juli 2020cite-ref-116[116] unter den neuen Abgeordneten 31 mit regierungsfreundlichen Milizen verbunden. In einigen Teilen des Landes ersetzte der Dienst in einer Miliz zeitweise die Einberufung zur regulĂ€ren Armee.cite-ref-117[117]

Politische Opposition

Es gibt verschiedene staatlich geduldete Parteien und BĂŒndnisse, die sich an den Wahlen beteiligen dĂŒrfen. Einige gab es schon vor dem Aufstand, andere sind im Zuge der Proteste entstanden und wurden dann als legale Parteien neu gegrĂŒndet.cite-ref-118[118] Im Vorlauf der Parlamentswahlen hatten sich bis Anfang April 2012 neun Parteien gegrĂŒndet, die jedoch von weitgehend unbekannten Personen gefĂŒhrt wurden.cite-ref-119[119] Das danach im syrischen Parlament vertretene OppositionsbĂŒndnis war die Volksfront fĂŒr Wandel und Freiheit. In ihr fanden sich viele, die seit Jahren in der Opposition standen und oft auch im GefĂ€ngnis waren. Die Volksfront verstand sich als eine BrĂŒcke zwischen Regierung und Straße und galt daher vielen als regierungsnah. Die Beteiligung an gewaltsamen Demonstrationen lehnte sie ab.cite-ref-120[120]

Der Syrische Nationalrat war im Oktober 2011 in Istanbul als Dachorganisation gebildet worden. Als Ziel gab er an, die damalige syrische Opposition vereinen zu wollen. In seiner GrĂŒndungserklĂ€rung hatte er sich noch gegen ein militĂ€risches Eingreifen vom Ausland in Syrien ausgesprochen. SpĂ€ter forderte er dann aber eine „Flugverbotszone“ und im November 2011 dann sogar eine an die TĂŒrkei angrenzende sogenannte „Schutzzone“ auf syrischem Territorium, fĂŒr deren Einrichtung jedoch ein internationales Mandat notwendig wĂ€re.cite-ref-121[121] Der Nationalrat besteht mehrheitlich aus Mitgliedern, die außerhalb Syriens leben, darunter dem in Frankreich lebenden Burhan Ghaliun sowie Haitham Maleh. Auch die syrischen MuslimbrĂŒder sind im Nationalrat vertreten.cite-ref-122[122]

Die Nationalkoalition fĂŒr Oppositions- und RevolutionskrĂ€fte löste den Syrischen Nationalrat mit ihrer GrĂŒndung im November 2012 als Dachorganisation ab, der Nationalrat bildet seither einen Teil der Nationalkoalition, welche jedoch nur von einem kleinen Teil der militĂ€rischen Opposition in Syrien anerkannt wird, da der grĂ¶ĂŸte Teil einen islamischen Staat erzwingen will.

Im Zuge der Vorbereitungen zur von Russland und den USA organisierten Friedenskonferenz, die fĂŒr den Juni 2013 angesetzt war, bildeten sich im Wesentlichen zwei Blöcke in der Opposition. Am 5. Juli wurde Ahmed Dscharba zum PrĂ€sidenten der Oppositionsregierung gewĂ€hlt.cite-ref-123[123] Im Juli 2014 wurde Hadi al-Bahra PrĂ€sident, ihm folgte im Januar 2015 Chaled Chodscha.

Im Land selbst verankert ist das Nationale Koordinationskomitee fĂŒr Demokratischen Wandel (NCC), das im September 2011 gegrĂŒndet wurde. Das Koordinationskomitee verfolgte mit dem Syrischen Nationalrat einige gemeinsame Positionen, warf diesem jedoch vor, von westlichen Staaten beeinflusst zu sein. Es verfolgt einen sĂ€kularen Kurs und besteht unter anderem aus linken und kurdischen Gruppen. Vorsitzender ist Hussein Abdel Azim, ein weiteres prominentes Mitglied ist Haytham Manna.

In den Lokalen Koordinationskomitees (LCC) oder in der Generalkommission der Syrischen Revolution sind Aktivisten vertreten, die vor Ort Proteste organisieren. Diese Gruppen sind oft mit dem Nationalrat oder dem Nationalen Koordinationskomitee verbunden.cite-ref-124[124]cite-ref-125[125]

Entwicklung der bewaffneten Opposition

In der zweiten HĂ€lfte des Jahres 2011 begannen sich die Regierungsgegner verstĂ€rkt zu bewaffnen und gegen die regulĂ€ren StreitkrĂ€fte zu kĂ€mpfen.cite-ref-126[126] Ehemalige Soldaten der syrischen Armee grĂŒndeten die besonders von der sunnitischen Mehrheit Syriens getragenecite-ref-nyt20120229-36-1[36] Freie Syrische Armee (FSA), die sich als bewaffneter Arm der syrischen Opposition sieht. Die in ihr vereinten FreischĂ€rler sind heterogen zusammengesetzt.cite-ref-127[127]

WĂ€hrend im ersten Jahr des BĂŒrgerkrieges Menschenrechtsverletzungen von westlichen Medien meist nur den Truppen von PrĂ€sident Baschar al-Assad vorgeworfen wurden, erhob die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im MĂ€rz 2012 auch VorwĂŒrfe gegen die bewaffnete syrische Opposition, insbesondere gegen FSA-KĂ€mpfer. In einem HRW-Bericht wurde den AufstĂ€ndischen vorgeworfen, sie hĂ€tten gefangen genommene SicherheitskrĂ€fte der Regierung gefoltert und hingerichtet und in anderen FĂ€llen RegierungsanhĂ€nger oder deren Angehörige entfĂŒhrt, um Lösegeld zu erpressen. In den Provinzen hatten sich Dutzende kleiner, unabhĂ€ngiger Milizen gegrĂŒndet, deren Handeln sich jeder Kontrolle entzog.cite-ref-128[128]

SNC und FSA werden nach Angaben der New York Times und anderer Quellencite-ref-129[129] zum grĂ¶ĂŸten Teil von Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziell unterstĂŒtzt, darĂŒber hinaus auch militĂ€risch ĂŒber die TĂŒrkei mit Hilfe des tĂŒrkischen Geheimdienstes MIT.cite-ref-130[130] Sowohl SNC und FSA haben ihren Sitz in der TĂŒrkei. AnfĂŒhrer war zunĂ€chst der Sunnit Riad al-Asaad,cite-ref-131[131] der 2012 durch Selim Idriss ersetzt wurde, den man wiederum 2014 durch al-Baschir austauschte.

Die GrĂŒndung von MilitĂ€rrĂ€ten, die die Ordnung in Gebieten aufrechterhalten sollten, aus denen die Truppen der Regierung zuvor vertrieben worden waren, wurde von den USA zunĂ€chst unterstĂŒtzt, jedoch zerfielen diese Konstrukte bald und hatten sich Anfang 2013 in zahlreiche KleinstverbĂ€nde zersplittert, unter denen sich nach US-Angaben auch zahlreiche Kriminelle befanden, die die Zivilbevölkerung drangsalierten. Diese Auflösungserscheinungen der FSA verhalfen wiederum religiös motivierten Gruppierungen zu mehr Ansehen auf Seiten der Rebellen, weil sie sich nicht an PlĂŒnderungen beteiligten.cite-ref-132[132]

Im November 2013 vereinigten sich sieben islamistische Rebellengruppen und bildeten zusammen die Islamische Front, die mit geschĂ€tzten 45.000 KĂ€mpfern das grĂ¶ĂŸte bewaffnete OppositionsbĂŒndnis bildet und, wie islamistische Extremisten allgemein und schon vor dem Syrien-Konflikt,cite-ref-133[133] von Saudi-Arabien und auch Katarcite-ref-134[134] finanziert wird.cite-ref-nzz-7-1-2014-135-0[135]cite-ref-136[136]cite-ref-137[137] Analysten sehen in der GrĂŒndung, die eine islamische „Theokratie“ in Syrien fordert, eine weitere Abnahme des westlichen Einflusses auf den Konfliktverlauf und gehen von einer VerhĂ€rtung der BĂŒrgerkriegsfronten aus.cite-ref-138[138] Anfang Dezember nahm eine ihrer Untergruppen, die Ahrar al-Scham, das Hauptquartier der von den USA unterstĂŒtzten FSA nahe der tĂŒrkischen Grenze ein und erbeutete umfangreiche WaffenbestĂ€nde; die sĂ€kulare Opposition gilt seitdem als stark geschwĂ€cht und uneins.cite-ref-nzz-7-1-2014-135-1[135]

Die Zersplitterung der bewaffneten Opposition wird nach einem Bericht der Washington Post von Mitte Juni 2013 weiter vorangetrieben, da private Sponsoren aus der Golfregion begonnen hĂ€tten, gezielt Milizen im BĂŒrgerkrieg zu unterstĂŒtzen, die ihren persönlichen, meist radikalen religiösen Ansichten am ehesten entsprechen. Diese Entwicklung entziehe sich jeder Kontrolle.cite-ref-139[139] So zĂ€hlte die US-amerikanische Defense Intelligence Agency im Juli 2013 etwa 1200 Oppositionsgruppen – von kleinen, lokalen Gemeinschaften, die sich beispielsweise zur Sicherstellung der Wasserversorgung eines Ortes gebildet hĂ€tten, bis zur grenzĂŒberschreitend agierenden, extremistischen Terrororganisation.cite-ref-140[140] Auch ein Vertreter des World-Food-Programms (WFP) gab Ende April 2013 bekannt, dass sich die Befehlskette auf Seiten der Rebellen im letzten Jahr offenbar deutlich gelockert habe und mit vielen ihrer VerbĂ€nde nun einzeln verhandelt werden mĂŒsse, um Hilfslieferungen durch ihr Gebiet zu transportieren.cite-ref-141[141]

Oktober 2015 vereinigte sich die kurdische YPG mit syrisch-arabischen Milizen der FSA und mit dem christlich-aramĂ€ischen MilitĂ€rrat der Assyrer zu den Demokratischen KrĂ€ften Syriens (Syrian Democratic Forces, SDF), die sich zu Syrien als Vielvölkerstaat bekennen und im Norden Syriens Offensiven gegen den IS durchfĂŒhren.cite-ref-spon-1057314-142-0[142]

Al-Qaida und Islamischer Staat

Die al-Qaida zugehörige al-Nusra-Front, die sich zeitweilig als zweitgrĂ¶ĂŸte Oppositionsgruppe neben der Freien Syrischen Armee etabliert hatte, wurde Anfang 2012 deutlicher wahrgenommen. SpĂ€testens im Februar 2012 wurde klar, dass sich al-Qaida massiv in den Konflikt einmischte, nachdem schon im Dezember 2011 einzelne AnschlĂ€ge die Handschrift al-Qaidas getragen hatten. Es bestand der Verdacht auf Unterwanderung und des Vertrauensverlustes der Opposition.cite-ref-143[143] Im Sommer 2012 mehrten sich die Stimmen westlicher Medien, die die Auffassung vertraten, dass sunnitische Islamisten den Großteil der bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Regierungstruppen austragen. Es sei daher auch nicht unwahrscheinlich, dass diesen Gruppen nach einem möglich erzwungenen Abgang Assads der beherrschende politische Einfluss zufalle.cite-ref-144[144] Am 12. August 2012 vermerkte ein teilweise noch immer zensierter Geheimdienstbericht der DIA, die Salafisten, die Muslimbruderschaft und al-Qaida im Irak seien die treibenden KrĂ€fte des Aufstands in Syrien. „Der Westen, die Golfstaaten und die TĂŒrkei unterstĂŒtzen die Opposition, wĂ€hrend Russland, China und Iran die Regierung unterstĂŒtzen.“cite-ref-145[145]

Zugeschrieben wurden al-Qaida die schweren BombenanschlĂ€ge in Aleppo und Damaskus sowie die Einnahme einiger StĂŒtzpunkte der syrischen Armee mit Dutzenden Toten. Al-Qaida-AnfĂŒhrer Aiman az-Zawahiri hatte bereits seit Beginn der Proteste gegen Assad im Sommer 2011 versucht, seine Organisation als Teil der Bewegung gegen die syrische Regierung zu stilisieren, indem er den Konflikt zur Auseinandersetzung mit den Staaten Israel und den USA verklĂ€rte, denen er die UnterstĂŒtzung der Regierung Assad nachsagte.cite-ref-146[146] Oppositionsgruppen wurden – möglicherweise ohne deren Wissen – von al-Qaida unterwandert.cite-ref-147[147]cite-ref-148[148] Die EinschĂ€tzung bestĂ€tigte sich, als die al-Nusra-Front sich mit az-Zawahiri solidarisch erklĂ€rte und im April 2013 dessen Ziel bekanntgab, den Aufbau eines islamischen Regimes in Syrien zu unterstĂŒtzen.cite-ref-149[149]

Der Zulauf von dschihadistischen KĂ€mpfern zu verschiedenen Rebellengruppen hat sich mit Dauer des Konfliktes erheblich verstĂ€rkt. Ende Mai 2013 rĂ€umte der britische Außenminister William Hague ein, dass Syrien zur „ersten Adresse“ fĂŒr Dschihadisten aus der ganzen Welt aufgestiegen sei.cite-ref-150[150] Im Oktober 2013 schĂ€tzte der Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz die Zahl der Menschen aus Deutschland, die sich im syrischen Kriegsgebiet aufhalten oder auf dem Weg dorthin befinden, auf 200 Personen – mit steigender Tendenz.cite-ref-151[151]cite-ref-152[152] Im Januar 2014 bezifferten Hague und der französische PrĂ€sident François Hollande die Zahl der dschihadistischen KĂ€mpfer aus ihren LĂ€ndern auf „hunderte“ bzw. 700. Gleichzeitig verlautbarte der stellvertretende syrische Außenminister Faisal al-Miqdad, dass westliche Geheimdienste bei syrischen Stellen Interesse an einer Sicherheitskooperation bekundet hĂ€tten.cite-ref-153[153]

Eine zu Jahresbeginn 2014 veröffentlichte israelische Studie schĂ€tzt die Zahl auslĂ€ndischer Dschihadisten auf 6000–7000, davon 4500 aus der arabischen Welt und 1000 aus Europa, zumeist junge muslimische Einwanderer der zweiten oder dritten Generation. Die meisten haben sich Rebellengruppen der al-Qaida angeschlossen und fĂŒhlen sich dem globalen Dschihad verpflichtet. SchĂ€tzungsweise 8–10 % sind in dem Konflikt inzwischen umgekommen. Die Geschwindigkeit, mit der KĂ€mpfer aus der ganzen Welt fĂŒr den Dschihad in Syrien mobilisiert werden, ĂŒbertrifft noch die Rekrutierungsraten im Afghanistan- und Irakkrieg. Die Freiwilligen sickern hauptsĂ€chlich ĂŒber die 900 km lange tĂŒrkisch-syrische Grenze in das Land, begĂŒnstigt durch die PassivitĂ€t der tĂŒrkischen Behörden und die Kontrolle der GrenzĂŒbergĂ€nge durch die Rebellen. Die RĂŒckkehr von radikalisierten und kampferprobten Mudschaheddin in ihre HerkunftslĂ€nder wird nach den Erfahrungen von Afghanistan als eine potenzielle Bedrohung der internationalen Sicherheit angesehen; insbesondere fĂŒr Westeuropa wird eine erhöhte GefĂ€hrdungslage angenommen. Anders als in frĂŒheren BĂŒrgerkriegen greifen nicht nur Sunniten, sondern erstmals auch schiitische Freiwillige in großer Zahl in die KĂ€mpfe ein. Auf Regierungsseite kĂ€mpfen geschĂ€tzte 7000–8000 auslĂ€ndische Schiiten, vor allem Soldaten der libanesischen Hisbollah, aber auch irakische MilizionĂ€re, die beide UnterstĂŒtzung von Iran erfahren. Das ungefĂ€hre quantitative Gleichgewicht zeigt die religiöse Dimension des Konfliktes und seine VerschĂ€rfung durch den sunnitisch-schiitischen Gegensatz.cite-ref-154[154]

Bis zum Herbst 2013 war die militĂ€rische Hauptlast weitgehend auf islamistische AufstĂ€ndische ĂŒbergegangen, die sich auch organisatorisch neu aufstellten. Im September schĂ€tzte Jane’s, dass die 100.000 oppositionellen KĂ€mpfer sich aus 10.000 teils internationalen Dschihadisten der al-Qaida, 30.000 bis 35.000 radikalen syrischen Islamisten und 30.000 „moderaten“ Islamisten rekrutieren. SĂ€kulare und nationalistische Kampfgruppen bilden dagegen nur noch eine Minderheit.cite-ref-155[155] Die Gruppierung Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIS), als Teil von az-Zawahiris Organisation, etablierte sich 2013 nach EinschĂ€tzung von Beobachtern als dominante militĂ€rische PrĂ€senz im Norden Syriens.cite-ref-156[156]

Nach monatelangen Spannungen im Oppositionslager eröffnete im Januar 2014 eine islamistische Rebellenkoalition unter FĂŒhrung der Islamischen Front die Offensive gegen den al-Qaida-Ableger ISIS, dem eine rĂŒcksichtslose Implementierung der Scharia in den von ihm besetzten Gebieten vorgeworfen wird.cite-ref-157[157] Bei schweren KĂ€mpfen in Nord- und Ostsyrien kamen fast tausend Bewaffnete auf beiden Seiten ums Leben.cite-ref-158[158] Die al-Nusra-Front, die ebenfalls der al-Qaida zugerechnet wird, aber ĂŒber eine grĂ¶ĂŸere Verankerung in der syrischen Bevölkerung verfĂŒgt, verhĂ€lt sich in dem internen Machtkampf bislang weitgehend neutral.cite-ref-nzz-7-1-2014-135-2[135]

Internationale Einflussnahme

Hinter der Einflussnahme von außen liegen nach Darstellung von Politikwissenschaftlern geostrategische und ökonomische Interessen. So stellt Werner Ruf dar, wie sich im Krieg in Syrien „wie in einem Brennglas das wirre KnĂ€uel politischer und geostrategischer Interessen der großen wie der regionalen MĂ€chte“ zeige. DafĂŒr wĂŒrden religiöse Fragen von den Akteuren lediglich instrumentalisiert. Er kommentiert die Konsequenzen: „Der Regimewechsel im Irak und der jetzt mittels gewalttĂ€tiger Subunternehmer versuchte Umsturz in Syrien erweisen sich als ein Sprengsatz, der seine Erfinder unmittelbar zu bedrohen scheint.“cite-ref-159[159] Die Konzentration der politischen Beobachtungen auf die Person Assads und die religiös motivierten Konflikte wird als naive Verkennung der geopolitischen Grundprobleme kritisiert.cite-ref-160[160]

FĂŒr die französischen Politikwissenschaftler Adam Baczko, Gilles Dorronsoro und Arthur Quesnay verlaufen im BĂŒrgerkrieg mehrere Konfliktlinien. Einerseits stehen sich die Vereinigten Staaten (verbĂŒndet mit Europa) und Russland (mit Iran und China verbĂŒndet) gegenĂŒber. Beide Seiten trennen unterschiedliche Vorstellungen ĂŒber die internationale Ordnung, insbesondere ĂŒber den Umsturz autoritĂ€rer Regime. Andererseits wetteifern Iran und Saudi-Arabien um regionale Vorherrschaft. Die beiden Staaten hegen seit langem feindselige Beziehungen.cite-ref-161[161]

GĂŒnter Meyer wies in einem Interview der FAZ darauf hin, dass die Vereinigten Staaten Jahre vor dem Konflikt eine Allianz mit Israel und Saudi-Arabien gebildet hĂ€tten, um Assad zu stĂŒrzen. Meyer bezog sich auf geleakte Depeschen aus der US-Botschaft in Damaskuscite-ref-162[162] aus dem Jahr 2006, die von Wikileaks veröffentlicht worden waren, „wonach die Vereinigten Staaten aufgrund einer Schwachstellenanalyse des Assad-Regimes Strategien zum Umsturz in Syrien entwickelte [sic].“ Meyer stĂŒtzte seine Aussagen auch auf die Untersuchungen des Investigativjournalisten Seymour Hersh, der 2007 die Allianz zwischen den drei Staaten zum Sturz der syrischen Machthaber aufgedeckt und nachgewiesen habe, dass hier TerrorkĂ€mpfer fĂŒr einen Machtwechsel in Syrien ausgebildet worden seien,cite-ref-163[163] auf die Aussagen des Generals Wesley Clark ĂŒber die von den USA geplanten Kriege,cite-ref-164[164] Aussagen des französischen Außenministers Dumascite-ref-165[165] und des ehemaligen Leiters der DIA, Michael Flynncite-ref-166[166] sowie geheime Unterlagen der DIA.cite-ref-spon-36707-167-0[167]

HaÊŸaretz und Washington Post interpretierten ebenfalls Wikileaks-Dokumente als Beweise fĂŒr eine geheime Finanzierung der Opposition in Syrien seit 2005 zum Zweck eines Regierungswechsels.cite-ref-168[168]cite-ref-169[169]

FĂŒr die Zeit nach Ausbruch des Konflikts wurde zwischenzeitlich ĂŒber UnterstĂŒtzungsmaßnahmen berichtet, die einzelne Geheimdienste, wie der deutsche und der englische, fĂŒr Teile der Opposition geleistet haben sollen.cite-ref-170[170]

Auf einem in den Jahren 2013 bis 2014 beim britischen Guardian eingerichteten Blogcite-ref-171[171] veröffentlichte Nafeez Ahmed seine EinschĂ€tzung, wonach ein Faktor gewesen sein könnte, dass sich Assad im Interesse Russlands geweigert hatte, einen Gas-Pipelinevertrag mit Katar zu unterschreiben.cite-ref-172[172] Den wirtschaftlichen Hintergrund hĂ€lt auch Michael LĂŒders fĂŒr bedeutsam.cite-ref-173[173]cite-ref-174[174]

FĂŒr den Journalisten Daniel Steinvorth ist diese Theorie jedoch unplausibel. Berichte ĂŒber eine Ablehnung des Pipelineprojekts von syrischer Seite tauchten erst Jahre nach Kriegsausbruch auf. Syrische Staatsmedien berichteten hingegen noch im Jahr 2009 wohlwollend ĂŒber das Projekt.cite-ref-175[175]

Iran

Die Islamische Republik Iran stellt neben der syrischen Armee und der Hisbollah die drittgrĂ¶ĂŸte Streitmacht auf Seiten der Assad-Regierung, wĂ€hrend Russland weniger eigene Bodentruppen einsetzt. Zum Einsatz kommen dabei vor allem die iranischen Revolutionsbrigaden und eine Vielzahl schiitischer Söldner aus dem Irak. Zudem werden auch Söldner aus Afghanistan eingesetzt, die vor allem aus der Volksgruppe der Hazara stammen.cite-ref-176[176]

Bereits kurz nach Beginn des BĂŒrgerkriegs wurden am 24. Juni 2011 mit Qasem Soleimani, Mohammad Ali Dschafari sowie Hossein Taeb drei hochrangige Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde von der EuropĂ€ischen Union sanktioniert aufgrund ihrer Beteiligung bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Syrien.cite-ref-177[177]

Als langjĂ€hriger regionaler VerbĂŒndeter der syrischen FĂŒhrung reagierte die iranische Regierung offiziell zurĂŒckhaltend auf die Ereignisse und argumentierte gegen jede „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ Syriens.cite-ref-178[178] WĂ€hrend ĂŒber die AufstĂ€nde gegen die FĂŒhrer Tunesiens, Ägyptens, Libyens und Bahrains ausfĂŒhrlich und wohlwollend berichtet wurde, kamen die Proteste in Syrien zunĂ€chst in den staatlich gelenkten Medien nicht vor,cite-ref-179[179] bevor spĂ€ter die Darstellungen der Regierung Assad ĂŒbernommen und insbesondere eine Anstiftung des Konflikts durch die Erzfeinde USA und Israel unterstellt wurde.cite-ref-180[180]

Im September 2012 wurde von iranischer Seite erstmals offiziell bestĂ€tigt, dass sich Angehörige der Revolutionsgarde zur UnterstĂŒtzung der Regierungstruppen in Syrien befĂ€nden. Dies stelle jedoch noch keine MilitĂ€rprĂ€senz und kein aktives Eingreifen Irans dar, das man sich fĂŒr den Fall eines Angriffs auf Syrien von außen vorbehalte.cite-ref-181[181] Regierungstreue ParamilitĂ€rs sollen nach einem Bericht vom April 2013 in Iran ausgebildet werden.cite-ref-182[182] Unter der Aufsicht von Hossein Hamadani, einem iranischen Kommandeur der Revolutionsgarden, baute Iran ab 2012 nach dem Vorbild der Basidsch Miliz die syrischen Nationalen VerteidigungskrĂ€fte auf. Laut iranischen Staatsmedien nĂ€herten sich die Rebellen dem PrĂ€sidentenpalast und konnten nur noch durch bewaffnete ParamilitĂ€rs aufgehalten werden, die den Kern der NDF bildeten.cite-ref-183[183] Iran wurde in Syrien ab 2014 mit den schiitischen Milizen Liwa Abu 'l-Fadl al-Abbas, Liwa al-Fatimiyyun, Asaib Ahl al-Haqq und denen der Hisbollah assoziiert. Erste Berichte vermerkten das Auftauchen schiitischer Milizen aus Afghanistan im Jahr 2012.cite-ref-184[184]

Mit dem Niedergang des IS im Irak begann Iran im Sommer 2017 schiitische Milizen ĂŒber die Grenze entlang des Euphrat nach Syrien zu schicken. Das blockierte wiederum den Versuch der USA, mit verbĂŒndeten KĂ€mpfern von Stellungen bei at-Tanaf im SĂŒden Syriens, entlang der irakischen Grenze nach Norden zu marschieren.cite-ref-185[185]

Die von Iran angeworbenen Hilfstruppen aus Afghanen, in Syrien zusammengefasst in der Brigade der Fatimiden, sollen nach EinschÀtzung von Human Rights Watch von 2017/2018 etwa 15.000 KÀmpfer stark sein. Eine ebenfalls eingesetzte Einheit aus Pakistanis soll dagegen nicht mehr als 1.000 KÀmpfer haben. Die genauen Zahlen werden von Iran geheim gehalten.cite-ref-186[186] Der russische MilitÀranalyst Pawel Felgenhauer schÀtzte die Streitmacht unter Irans Kontrolle im Mai 2018 auf 80.000 Mann unter Einbezug der Hisbollah.cite-ref-kreisderfreunde-187-0[187]

Der Einsatz einer iranischen Drohne in israelischem Luftraum, gestartet und gesteuert von Syrien aus, fĂŒhrte im Februar 2018 zu einem schweren israelischen Luftangriff auf Ziele in Syrien. Weiter bekundete ein fĂŒhrender iranischer Politikberater im gleichen Monat, dass man die US-Truppen in den Kurdengebieten Syriens zum Abzug zwingen werde. Ein erster Angriffsversuch auf SDF-Stellungen unter Beteiligung iranischer Milizen wurde einen Tag spĂ€ter von der US-Luftwaffe am Euphrat bei Deir ez-Zor zerschlagen.cite-ref-washpo120218-188-0[188]

Nach einer Drohung des israelischen Premierministers mit einem möglichen Angriff auf Iran, drohte Mohsen Rezai Mitte Februar 2018, man werde Tel Aviv zerstören, sollte Israel auch nur den kleinsten unklugen Zug gegen Iran machen.cite-ref-tele200218-189-0[189]

Am Tag nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump den Ausstieg aus dem Nuklearabkommen mit Iran bekanntgegeben hatte, eskalierte der Konflikt zwischen iranischen Truppen auf syrischem Gebiet und Israel. Israelische Truppen gaben an, von iranischen Quds-Brigaden aus Syrien mit 20 Raketen auf den Golanhöhen beschossen worden zu sein, worauf das israelische MilitĂ€r in der Nacht zum 10. Mai 2018 dutzende Ziele in Syrien angriff, die die Israelis nach eigenen Angaben den Iranern zurechnen.cite-ref-welt100518-190-0[190] 2020 wurden in Presseberichten Geheimdienstquellen zitiert, die die steigende Zahl israelischer Luftangriffe auf iranische Truppen und Einrichtungen in Syrien als Resultat einer US-amerikanischen UnterstĂŒtzung fĂŒr diese Angriffe werteten. Auf diese Weise könne die USA gegen Iran in einem „Schattenkrieg“ vorgehen, ohne eine nachhaltige Eskalation auszulösen.cite-ref-az060520-191-0[191]

Hisbollah

Die islamistische Organisation Hisbollah trat erst spĂ€t in den offenen bewaffneten Kampf an der Seite der Regierung ein. Die schiitisch dominierte Organisation, die im Libanon ihre Basis hat, war in den vergangenen Jahren immer wieder in KĂ€mpfe mit israelischen Truppen verstrickt und wird in erster Linie von Iran unterstĂŒtzt. Sie ist logistisch auf die Hilfe der syrischen Regierung angewiesen. AnfĂŒhrer Hassan Nasrallah meldete sich am 25. Mai 2013 zu Wort und gab bekannt, dass seine Organisation ungeachtet der Opfer bis zum Ende an der Seite der syrischen Regierung kĂ€mpfen werde. Er versprach tausenden KĂ€mpfern seiner Organisation den Sieg ĂŒber das, was er als „Radikal-Sunnitisch-Islamistische-Rebellen“ in Syrien bezeichnete.cite-ref-192[192] Diese Extremisten, so Nasrallah, unterstĂŒtzt von den USA und Israel, wĂŒrden sich auch gegen den Libanon wenden, sollten sie nicht aufgehalten werden.cite-ref-193[193] Die USA verurteilen die Einmischung der libanesischen Hisbollah stark.cite-ref-194[194]

Russland

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Hauptartikel

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Russischer MilitÀreinsatz in Syrien

Die Russische Föderation ist mit der syrischen Regierung durch eine Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit verbunden, die schon zu Zeiten der Sowjetunion begonnen hatte. FĂŒr militĂ€rische und wirtschaftliche Hilfen hatte die damalige syrische Regierung der Sowjetunion die Nutzung der syrischen Hafenstadt Tartus als FlottenstĂŒtzpunkt genehmigt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den VerĂ€nderungen in anderen Staaten der Region ist Tartus der einzig verbliebene StĂŒtzpunkt, der Russland im Mittelmeer geblieben ist. Um ZwischenfĂ€lle mit russischem Armeepersonal im BĂŒrgerkrieg zu vermeiden, zog Russland Ende Juni 2013 sein verbliebenes Wartungspersonal aus Tartus ab.cite-ref-195[195] Ein weiterer Faktor in den Überlegungen der russischen Regierung sind die islamistischen KĂ€mpfer, die sich in Syrien zum Teil aus Extremisten rekrutieren, die aus Russlands sĂŒdlichen Teilrepubliken stammen. So wurde Russland von den Extremisten im BĂŒrgerkrieg als mögliches Angriffsziel bezeichnet und insbesondere die geplanten Olympischen Spiele in Sotschi 2014 wurden von islamistischen AnfĂŒhrern als Ziel von AnschlĂ€gen genannt.cite-ref-196[196]

Gemeinsam mit Vertretern der Volksrepublik China stimmte Russland zweimal im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen Resolutionen, die die syrische Regierung wegen ihres Vorgehens gegen die Opposition mit Sanktionen bestrafen und Beobachtermissionen in das Land entsenden sollten. Russland hielt die Forderungen der Resolutionen, wie den Abzug von Regierungstruppen aus StĂ€dten und Dörfern, fĂŒr eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens und betonte die Gefahr einer militĂ€rischen Einmischung von Dritten.cite-ref-reu-190712-197-0[197]

Die von US-Geheimdiensten der US-Regierung, aber nicht der Öffentlichkeit prĂ€sentierten Beweise, durch die sich die US-Regierung am 13. Juni 2013 zu Aussagen bezĂŒglich mehrerer begrenzter ChemiewaffeneinsĂ€tze durch die Regierung genötigt sah, bezeichnete der Chef des russischen Unterhauses am nĂ€chsten Tag als „genauso fabriziert wie die LĂŒgen ĂŒber Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen“.cite-ref-198[198] Am 9. Juli gab Russland seinerseits an, von einem Chemiewaffeneinsatz durch Rebellen in Syrien bei Chan al-Assal ĂŒberzeugt zu sein.cite-ref-199[199]

Die russischen Ziele fĂŒr eine Friedenslösung wurden im Mai 2013 von PrĂ€sident Putin mit einer Beendigung der Gewalt und der Beibehaltung von Syrien als souverĂ€nem Staat mit territorialer IntegritĂ€t umrissen.cite-ref-200[200] Eine Friedenskonferenz fĂŒr Syrien fand trotz von Russland vermittelter Teilnahmebereitschaft der syrischen Regierung nicht statt,cite-ref-201[201] fĂŒr die Blockade der geplanten Friedensverhandlungen, die als Geneva II bezeichnet worden waren, machte der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses der Staatsduma, Puschkow Ende Oktober 2013 nicht die 19 Rebellenorganisationen verantwortlich, die ihre Teilnahme ablehnten, sondern die auslĂ€ndischen Finanziers dieser finanziell abhĂ€ngigen Gruppen.cite-ref-202[202]

Bis zu 3000 russische Söldner der Gruppe Wagner halfen, die Regierung Assad nach EinschĂ€tzung von Aktivisten ab 2015 militĂ€risch zu stabilisieren.cite-ref-203[203] Seit dem SpĂ€tsommer 2015 war Russland auch mit einem offiziellen Expeditionskorps im syrischen Latakia prĂ€sent. GemĂ€ĂŸ russischer Quellen handelte es sich zunĂ€chst um Ausbilder.cite-ref-sz090915-204-0[204] PrĂ€sident Putin erhielt vom Föderationsrat jedoch erst am 30. September 2015 die Erlaubnis zu einem Kampfeinsatz.cite-ref-205[205] Russland hatte da bereits Su-30-Jagdflugzeuge, Su-24-Bomber, Su-34-Bomber, Su-25-Erdkampfflugzeuge sowie unbemannte AufklĂ€rungsdrohnen nach Syrien verlegt. Die USA, Saudi-Arabien, Katar, Deutschland, Frankreich, die TĂŒrkei sowie Großbritannien Ă€ußerten nach ersten Angriffen Anfang Oktober 2015 umgehend ihre tiefe Besorgnis darĂŒber, dass die russischen Luftangriffe in Syrien zu Opfern unter der Zivilbevölkerung gefĂŒhrt hatten, anstatt Ziele des IS zu treffen.cite-ref-206[206]

Nachdem die AufstÀndischen in Aleppo aufgegeben hatten, schickte Russland MilitÀrpolizeicite-ref-207[207] und Pioniere in die Stadt, die beim Entfernen von Minen und Sprengfallen helfen sollten.cite-ref-208[208] Anfang MÀrz 2017 berichteten amerikanische Medien, dass russische Bodentruppen einen Hilfskonvoi der syrischen Regierung eskortiert hÀtten, der sich östlich von Aleppo in die Region um Manbidsch bewegte.cite-ref-209[209]

Am 18. Juni 2017 schoss ein amerikanisches Kampfflugzeug eine syrische Maschine bei ath-Thaura ab. Russland ließ daraufhin verlauten, dass es von nun ab alle US-Luftfahrzeuge westlich des Euphrat mit Radar als Ziele verfolgen wĂŒrde.cite-ref-210[210]cite-ref-211[211] Am 11. Dezember 2017 gab Wladimir Putin bekannt, dass man den IS besiegt habe und er Teile der russischen Truppen aus Syrien abziehen wolle.cite-ref-212[212] Im Februar 2018 beschrieben amerikanische Journalisten Russland als die Macht, die das Gleichgewicht in Syrien kontrolliere, wĂ€hrend es sowohl als Kombattant, als auch als Friedensvermittler auftrete. Nach einem Zwischenfall zwischen iranischen KrĂ€ften in Syrien und Israel in der ersten Februarwoche, war es fĂŒr Beobachter jedoch fraglich, ob Russland die Iraner so weit unter Kontrolle hat, dass eine weitere Eskalation mit Israel verhindert werden kann.cite-ref-washpo120218-188-1[188]

Russland verlor nach Presseberichten im Februar 2018 eine grĂ¶ĂŸere Zahl russische Söldner, die offenbar an dem Versuch beteiligt gewesen sein sollen, die Demokratischen KrĂ€fte Syriens bei Deir ez-Zor anzugreifen, bevor ihr Verband von der US-Luftwaffe zerschlagen wurde.cite-ref-213[213] Dass russische BĂŒrger beteiligt waren, dementierte Moskau. Ein russischer Analyst schĂ€tzte in einem Artikel der Washington Post, dass die ZurĂŒckhaltung der offiziellen Stellen, dem Umstand geschuldet sei, dass man die anti-amerikanischen Emotionen, die im russischen Staatsfernsehen tĂ€glich bedient wĂŒrden, vor den russischen PrĂ€sidentschaftswahlen nicht außer Kontrolle geraten lassen wolle. Die Geschichte solle schnellstmöglich verschwinden.cite-ref-214[214]

Ende September 2019 schĂ€tzte die syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte, dass in Syrien seit September 2015 etwa 19000 Menschen, davon 8300 Zivilisten, durch russische Luftangriffe ums Leben gekommen waren.cite-ref-215[215] PrĂ€sident Wladimir Putin trat 2019 vermehrt auch in der Rolle des Schutzpatrons fĂŒr religiöse Minderheiten in Syrien auf und verwendete sich fĂŒr christliche und jĂŒdische Gemeinden. Diese Politik erinnere, so wertete ein Analyst der HaÊŸaretz, an die Zeit des Osmanischen Reiches, als GroßmĂ€chte genau so handelten, um sich so einen Vorwand zu verschaffen, um bei Bedarf zum Schutz ihrer jeweiligen ProtegĂ©s militĂ€risch intervenieren zu können.cite-ref-216[216]

Vereinigte Staaten

Siehe auch

:

Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve

Auf eine Anfrage hin erklĂ€rte US-Außenministerin Hillary Clinton im April 2011, dass ein MilitĂ€reinsatz in Syrien zunĂ€chst ausgeschlossen sei.cite-ref-217[217] Am 29. April 2011 erließ US-PrĂ€sident Obama auf Basis der Executive Order 13338 (Mai 2004), 13399 (April 2006) und 13460 (Februar 2008) und nach dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 in Bezug auf Syrien weitere Sanktionen gegen leitende syrische Beamte und sonstige syrische und iranische Regierungsstellen, die verantwortlich fĂŒr Menschenrechtsverletzungen sind, einschließlich der Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten und die Begehung von weiteren Misshandlungen. Am 18. Mai 2011 folgte die Executive Order 13573 auch gegen Regierungsmitglieder Syriens und fĂŒr die Sperrung von syrischen Immobilien in den USA.cite-ref-218[218]

Am 4. August 2011 weiteten die USA die Sanktionen auch auf den syrischen GeschĂ€ftsmann Muhammad Hamsho und dessen Unternehmen Hamsho International Group aus, die die EU bereits im Juni 2011 beschlossen hatten.cite-ref-219[219] Am 5. August 2011 rief das US-Außenministerium alle US-BĂŒrger auf, Syrien zu verlassen.cite-ref-220[220]

Im Juli 2012 meldeten der US-Fernsehsender CNN und die Nachrichtenagentur Reuters die Finanzierung der Rebellen mit rund 25 Millionen US-Dollar durch die USA. Außerdem erlaube die Regierung die heimliche UnterstĂŒtzung der AufstĂ€ndischen durch den Geheimdienst CIA (Operation Timber Sycamore) und durch andere Behörden.cite-ref-221[221] Die UnterstĂŒtzung der syrischen Rebellen erfolgte jedoch nur sporadisch und punktuell. So verzichtete die CIA aus Sorge, militĂ€rische GĂŒter könnten bei Al-Nusra landen, auf die Lieferung letaler GĂŒter und kooperierte nur mit bestimmten Brigaden. Dies hatte zur Folge, dass sich einzelne Fraktionen der Freien Syrischen Armee fĂŒr grĂ¶ĂŸere MilitĂ€roperationen mit der besser ausgerĂŒsteten und vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 2013 als Terrororganisation eingestuften Al-Nusra Front zu ZweckbĂŒndnissen zusammenschlossen.cite-ref-222[222]

Am 28. September 2012 stockten die USA die finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr die unbewaffnete syrische Oppositionsbewegung von 30 auf 45 Millionen US-Dollar auf. Zudem kĂŒndigte Außenministerin Hillary Clinton eine Erhöhung der humanitĂ€ren Hilfe fĂŒr die Menschen um 30 Millionen US-Dollar auf insgesamt 130 Millionen US-Dollar an.cite-ref-223[223]

Ende MĂ€rz 2013 wurde bekannt, dass der amerikanische Geheimdienst CIA die Beschaffung von Waffen, ihren Transport und die Verteilung an die Rebellen durch Saudi-Arabien, Katar und Jordanien seit November 2012 massiv unterstĂŒtzt hatte. Das Stockholm International Peace Research Institute schĂ€tzte aufgrund der KapazitĂ€ten der verwendeten Transportflugzeuge und der Anzahl der beobachteten FlĂŒge die Menge an gelieferten Waffen und AusrĂŒstungsgegenstĂ€nden auf mindestens 3500 Tonnen.cite-ref-224[224]

Ende April 2013 gab das Weiße Haus bekannt, dass Beweise fĂŒr begrenzte ChemiewaffeneinsĂ€tze in Syrien vorlĂ€gen, die man weiter prĂŒfen wolle. Eine, wie auch immer geartete, militĂ€rische Intervention durch die USA hielten Beobachter aber fĂŒr unwahrscheinlich. Bei einer Bombardierung der Lager fĂŒr C-Waffen könnte die Zivilbevölkerung von den freigesetzten Kampfstoffen betroffen werden, die BestĂ€nde seien aber auch zu groß, um sie einfach abtransportieren zu können. Die Lagereinrichtungen durch amerikanische Spezialeinheiten erobern und lĂ€ngerfristig sichern zu lassen, könnte gleichermaßen Gegenangriffe der Regierung und islamischer Fanatiker auf sich ziehen.cite-ref-225[225]

Im Juni 2013 schloss sich die US-Regierung nach Frankreich und Großbritannien der Ansicht an, dass die syrische Regierung Nervengas eingesetzt habe. Die „rote Linie“ des PrĂ€sidenten sei damit ĂŒberschritten worden, erklĂ€rten die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.cite-ref-226[226] Der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Ben Rhodes, versprach militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die AufstĂ€ndischen.cite-ref-227[227]

Mitte Juli 2013 hatten Senat und ReprĂ€sentantenhaus der Regierung, trotz starker Bedenken mehrerer Abgeordneter, grĂŒnes Licht fĂŒr die Waffenlieferungen an Rebellen erteilt. Generalstabschef Dempsey legte Politikern die verschiedenen militĂ€rischen Optionen der USA in Syrien dar und erlĂ€uterte sowohl den Bedarf an Truppen, als auch die Kosten der einzelnen Aktionen. Rebellen rechneten mit den ersten Waffenlieferungen aus den USA, die von der CIA als verdeckte Operationen durchgefĂŒhrt werden sollen, im August 2013.cite-ref-228[228]

Mitte Dezember 2013 setzten die USA und Großbritannien die UnterstĂŒtzung der Rebellen mit nicht-tödlicher AusrĂŒstung aus, nachdem Lagereinrichtungen der FSA im Norden Syriens von islamistischen KrĂ€ften besetzt worden waren und der Oberkommandierende der FSA, General Idriss vor den Angreifern in die TĂŒrkei geflĂŒchtet war.cite-ref-229[229] Bereits im Januar 2014 wurde jedoch bekannt, dass die USA „moderate Rebellen“ mit leichten Waffen belieferten. Die Finanzierung des Programms sei vom US-Kongress in geheimer Abstimmung beschlossen worden. Zum Lieferumfang gehörten auch tragbare Flugabwehrraketen.cite-ref-230[230]

Am 26. Juni 2014 wurde bekannt, dass PrĂ€sident Obama beim US-Kongress um Zustimmung zu einem Budget fĂŒr Ausstattung und Ausbildung von „gemĂ€ĂŸigten“ Rebellen im Wert von 500 Millionen Dollarcite-ref-231[231] jĂ€hrlich fĂŒr die nĂ€chsten drei Jahre gebeten hatte, am 18. September 2014 wurden diese Gelder gebilligt.cite-ref-232[232] 5400 syrische Rebellen sollten in Saudi-Arabien ausgebildet und mit modernen Waffen ausgestattet werden fĂŒr den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS.cite-ref-233[233] Das Projekt wurde zur Totalpleite: General Lloyd Austin, Leiter des US-Zentralkommandos, musste vor der MilitĂ€rkommission des Senats einrĂ€umen, dass lediglich 60 Rebellen ausgebildet worden waren. Zwei Monate spĂ€ter kĂ€mpften nur noch eine kleine Zahl von diesen 60: «Wir reden von 4 bis 5.»cite-ref-nzz-118615646-234-0[234]cite-ref-spon-1053355-235-0[235]cite-ref-welt-146554307-236-0[236] Eine weitere Gruppe von 75 KĂ€mpfern wurde im September 2015 aus der TĂŒrkei nach Syrien geschickt, vermutlich um den IS im Raum Raqqa zu bekĂ€mpfen.cite-ref-237[237] Hohen Pentagon-Beamten wurde zudem vorgeworfen, sie hĂ€tten Geheimdienstberichte ĂŒber die Lage in Syrien und die Erfolge der USA im Kampf gegen IS und andere Milizen manipuliert und geschönt. Entsprechende Hinweise lieferten mehr als 50 Geheimdienstanalytiker. Der Generalinspektor im Pentagon leitete daraufhin eine Untersuchung ein.cite-ref-238[238]cite-ref-239[239]cite-ref-240[240]cite-ref-241[241]

Seit der Nacht vom 22. zum 23. September flogen Kampfflugzeuge der USA zusammen mit Flugzeugen aus Golfstaaten Angriffe gegen Stellungen der Miliz IS in Syrien.cite-ref-whitehouse-gov-242-0[242] Ein UNO-Mandat dafĂŒr gab es nicht. Der Konfliktforscher Musa al-Gharbi kritisierte in Al Jazeera America, die Ziele des MilitĂ€reinsatzes seien schlecht definiert. Die LegitimitĂ€t des IS werde durch die Konfrontation erhöht. Sowohl eine Reduzierung der Offensive, eine Ausweitung unter Inkaufnahme erhöhter ziviler Opfer als auch der Einsatz von US-Bodentruppen wĂŒrden hohe Risiken bergen und den IS stĂ€rken. Das grundlegend soziologische Problem des Fundamentalismus und Terrorismus werde durch militĂ€rische Mittel nur verschĂ€rft. Stattdessen solle nicht-staatlichen Akteuren die UnterstĂŒtzung entzogen werden, fremde Waffen- und GeldflĂŒsse sowie der Zustrom von KĂ€mpfern unterbunden, außerdem die Zusammenarbeit mit Israel sowie Diktatoren und Monarchen im Mittleren Osten reduziert werden. Dann könnten die Staaten der Region und die lokalen Bevölkerungen die schwere, aber ĂŒbertrieben dargestellte Herausforderung durch den IS bewĂ€ltigen.cite-ref-243[243]

Auf die Luftangriffe Russlands vom Herbst 2015 reagierten die USA weitgehend mit Ablehnung. Der Vorwurf war, dass die russischen Angriffe sich hauptsĂ€chlich auf OppositionskrĂ€fte im Norden und im Westen von Syrien konzentrierten und nicht auf die Terrororganisation IS. Von den USA in der Vergangenheit mit TOW-Raketen ausgestattete Rebellen, die Ziel russischer Angriffe geworden waren, forderten die USA zur Lieferung von Flugabwehrraketen auf.cite-ref-244[244] TOW-Raketen wurden an das radikalislamische BĂŒndnis Dschaisch al-Fatah weitergegeben und wurden von diesem bei Auseinandersetzungen in der NĂ€he von Khan Touman gegen Regierungstruppen eingesetzt.cite-ref-245[245]

Im Februar und MĂ€rz 2016 verstĂ€rkten sich die KĂ€mpfe zwischen von der CIA unterstĂŒtzten Rebellen und vom Pentagon bewaffneten Rebellen. Diese Konflikte wurden Anfang April öffentlich, als bekannt wurde, dass das vom Pentagon unterstĂŒtzte kurdisch dominierte MilitĂ€rbĂŒndnis namens Demokratische KrĂ€fte Syriens (SDF) in Schießereien mit einer arabischen Dschihadistenmiliz namens „Armee der Rechtschaffenheit“ (Fursan al-Haq) verwickelt war, die von der CIA und der TĂŒrkei finanziert wird. Die Los Angeles Times schrieb, US-amerikanische und tĂŒrkische MilitĂ€rs seien deshalb aneinandergeraten. Die TĂŒrkei befĂŒrchtete, dass die Siege der SDF in Syrien zur Bildung eines unabhĂ€ngigen kurdischen Staates an der SĂŒdgrenze der TĂŒrkei fĂŒhren und separatistische Stimmungen unter Kurden in der TĂŒrkei auslösen könnten. Laut dem US-Abgeordneten im ReprĂ€sentantenhaus Adam Schiff (Demokraten, Kalifornien) wurde die Situation als „enorme Herausforderung“ angesehen, sie sei „Teil des dreidimensionalen Schachspiels, das das syrische Schlachtfeld bildet.“cite-ref-246[246]

Am 17. September 2016 griffen mehrere US-Kampfflugzeuge Truppen der syrischen Armee an, die seit langem bei Deir ez-Zor von KÀmpfern des IS eingeschlossen waren. US-Stellen gaben an, die Attacke, die mehr als 60 Soldaten getötet haben soll, sei ein Unfall gewesen, man habe den IS treffen wollen.cite-ref-247[247]

Im Dezember 2016 erlaubte der scheidende US-PrĂ€sident Obama den Export von Waffen an Konfliktparteien in Syrien. Obwohl Beobachter die Genehmigung eher als Plan zur besseren Bewaffnung der KĂ€mpfer der SDF werteten, beklagten Vertreter Russlands, die befĂŒrchteten, dass feindlichen KĂ€mpfern Flugabwehrraketen zugespielt werden könnten, die Anordnung sei ein „feindseliger Akt“.cite-ref-248[248]

Das Fehlen einer klaren Strategie der USA beim Vorgehen in Syrien wurde wiederum vom Politikwissenschaftler und ehemaligen US-Sicherheitsberater Zbigniew BrzeziƄski bereits 2013 kritisiert.cite-ref-249[249] Am 25. Januar 2017 teilte der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in einem Fernsehinterview mit, er wolle in Syrien Sicherheitszonen (safe zones) errichten. Dmitri Sergejewitsch Peskow, Pressesprecher des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin, teilte der russischen Nachrichtenagentur TASS mit, dass die amerikanischen Partner Russland nicht konsultiert hĂ€tten, bevor diese Entscheidung veröffentlicht wurde. Es sei außerdem wichtig, betonte Peskow, dass diese angestrebten Sicherheitszonen die Lage der FlĂŒchtlinge in dem Land nicht verschlechtere; deshalb sollten alle möglichen Folgen berĂŒcksichtigt werden.cite-ref-250[250]cite-ref-251[251]

Im MĂ€rz 2017 verstĂ€rkten die USA ihr Engagement in Syrien und schickten regulĂ€re Bodentruppen ĂŒber die tĂŒrkisch-syrische Grenze in die Region um Manbidsch.cite-ref-guardian090317-252-0[252] In Syrien befanden sich schließlich 500 Mitglieder von amerikanischen Spezialeinheiten, 250 Rangers und 200 US Marines.cite-ref-wp150317-253-0[253] Beobachter schĂ€tzten, dass die USA die KĂ€mpfe zwischen Fraktionen unterbinden und die bevorstehende Schlacht um Raqqa koordinieren wollen.cite-ref-guardian090317-252-1[252] Als mögliche VerstĂ€rkungen wurde Mitte MĂ€rz die 24. Marine Expeditionary Unit mit 2.200 Soldaten von den USA aus per Schiff in Marsch gesetzt, hinzu kommen etwa 2.500 Soldaten der 82. Luftlandedivision, die zunĂ€chst nach Kuwait befohlen wurden.cite-ref-wp150317-253-1[253]

Unter der neuen US-Regierung gab es VerĂ€nderungen in der US-Politik in Syrien und die Gesandte bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, gab am 31. MĂ€rz 2017 bekannt, dass es keine PrioritĂ€t der US-Regierung mehr sei, PrĂ€sident Bashar al-Assad aus seinem Amt zu entfernen.cite-ref-254[254] Nach dem Giftgasangriff auf Chan Schaichun am 4. April, den US-PrĂ€sident Trump Assad zuschrieb, eskalierte die Lage und Trump befahl (ohne vorher den US-Kongress um Zustimmung zu bitten), ein syrisches Flugfeld von US-Zerstörern aus mit Cruise Missiles zu beschießen.cite-ref-255[255]

Trump genehmigte Anfang Mai 2017 die Bewaffnung syrischer Kurden der YPG, um sie im Kampf gegen den IS einsetzen zu können. Zu den Waffen sollen schwere Maschinengewehre, Mörser, Panzerabwehrwaffen und PionierausrĂŒstung gehören.cite-ref-256[256] Wenige Tage spĂ€ter versuchte Verteidigungsminister Mattis die BefĂŒrchtungen tĂŒrkischer Politiker, die Waffen könnten ĂŒber die Grenze der PKK in der TĂŒrkei zugespielt werden, zu zerstreuen.cite-ref-257[257]

Die US-Strategie im Krieg gegen den IS Ă€nderte sich nach Aussagen von Verteidigungsminister Mattis vom 19. Mai 2017 auf Anweisung Trumps dahingehend, dass man nicht mehr versuchte, IS-KĂ€mpfer zur Flucht aus bislang sicheren Gebieten zu bewegen, sondern dass das Ziel nun das Einschließen und „Auslöschen“ des IS wĂ€re. Die Absicht dahinter sei es, zu verhindern, dass sich auslĂ€ndische KĂ€mpfer des IS aus Syrien in ihre Heimat absetzen können.cite-ref-258[258]

Am 19. Juli 2017 wurde bekannt, dass die Bewaffnung und Ausbildung von moderaten Rebellen durch den US-Geheimdienst CIA eingestellt wird. Die VerbÀnde, die gegen den IS kÀmpfen, waren davon ausgenommen.cite-ref-259[259]

Nachdem Ende Dezember 2017 der IS weitgehend besiegt war, warnte US-Verteidigungsminister Mattis PrĂ€sident Assad vor einem Angriff auf die mit den USA verbĂŒndeten Kurden.cite-ref-260[260]

Im Januar 2018 bestĂ€tigten die USA ihren Willen, sich in Syrien weiterhin mit Bodentruppen engagieren, um den Einfluss Irans auf Syrien zu begrenzen und eine kĂŒnftige Bedrohung der NachbarlĂ€nder Syriens zu verhindern.cite-ref-washpo120218-188-2[188]

Im Februar 2018 kam es dann zu einem Angriff auf SDF-Stellungen durch iranische Milizen bei Deir ez-Zor, der durch US-Luftangriffe abgewiesen wurde.cite-ref-washpo120218-188-3[188]

PrĂ€sident Trump kĂŒndigte Ende MĂ€rz 2018 den möglichen Abzug der US-Truppen aus Syrien in KĂŒrze an und ordnete die Sperrung von Geldern in Höhe von etwa 200 Millionen US-Dollar an, die ursprĂŒnglich zum Wiederaufbau in Syrien vorgesehen waren.cite-ref-261[261]

Am 14. April 2018 fĂŒhrten US-StreitkrĂ€fte mit britischer und französischer UnterstĂŒtzung einen Luftangriff auf Damaskus und Homs durch, dessen Ziel die Zerstörung von Produktionsanlagen zur Fertigung chemischer Waffen war. Zuvor war es zu Anschuldigungen gegen die Regierung gekommen, solche Waffen wiederholt eingesetzt zu haben.cite-ref-262[262]

Ende Dezember 2018 erklĂ€rte PrĂ€sident Donald Trump den Sieg ĂŒber die Terrorgruppe IS und ordnete den RĂŒckzug aller US-Truppen aus Syrien an.cite-ref-263[263]

Im Oktober 2019 kĂŒndigten die USA an, zur Sicherung von Ölfeldern wieder Soldaten in die nordsyrische Region zu entsenden.cite-ref-264[264] Am 31. Oktober 2019 bestĂ€tigten Berichte Patrouillen amerikanischer StreitkrĂ€fte entlang der tĂŒrkisch-syrischen Grenze nahe dem Dorf Kahtanijah, östlich von Kamischli.cite-ref-265[265] Die Auseinandersetzung der USA mit Iran in Syrien verlegte sich auf einen „Schattenkrieg“, in dem israelische Luftangriffe auf iranische Ziele in Syrien mit US-UnterstĂŒtzung 2019 und 2020 an Bedeutung gewannen.cite-ref-az060520-191-1[191]cite-ref-266[266]

Als Reaktion auf Raketenbeschuss auf UnterkĂŒnfte von US-Personal im Irak Mitte Februar 2021 griffen Kampfflugzeuge der USA auf Weisung des neuen US-PrĂ€sidenten Joe Biden am 25. Februar von iranischen Milizen in Syrien benutzte GebĂ€ude an der irakischen Grenze mit sieben Fliegerbomben an.cite-ref-267[267]

Im Jahr 2024 befanden sich nach Angaben des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums etwa 2000 US-Soldaten in Syriencite-ref-02-268-0[268]; der StĂŒtzpunkt des US-MilitĂ€rs in Syrien liegt bei Al-Tanf nahe der jordanischen Grenze.cite-ref-269[269]

TĂŒrkei

Ab spĂ€testens Mai 2012 wurden KĂ€mpfer der syrischen Opposition vom tĂŒrkischen Geheimdienst trainiert und bewaffnet.cite-ref-270[270] Im MĂ€rz 2012 hatte die tĂŒrkische Regierung sich fĂŒr eine Puffer-Zone auf syrischem Territorium ausgesprochen.cite-ref-271[271] Die tĂŒrkische Regierung forderte Assad mehrmals zum RĂŒcktritt auf und schloss im Juli 2012 die gemeinsame Grenze. Ab dem 3. Oktober 2012 nahmen die Spannungen zu. Nach vereinzelten, aber wiederholten GranateinschlĂ€gen auf tĂŒrkischem Gebiet kam es zu Vergeltungsangriffen tĂŒrkischer StreitkrĂ€fte auf Ziele in Syrien.cite-ref-272[272]

Nachdem er im Mai 2013 zunĂ€chst die israelischen Luftangriffe auf Regierungstruppen in Syrien verurteilt hatte,cite-ref-273[273] warf der tĂŒrkische MinisterprĂ€sident wenige Tage spĂ€ter der syrischen Regierung den Einsatz von Chemiewaffen vor und trat fĂŒr die Durchsetzung einer Flugverbotszone durch die StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten ĂŒber Syrien ein, um so die Rebellen zu unterstĂŒtzen, und forderte PrĂ€sident Assad gleichzeitig zur Flucht auf.cite-ref-274[274] Anfang 2014 wurde bekannt, dass der tĂŒrkische Geheimdienst MIT, entgegen offizieller Verlautbarungen, offenbar Waffen nach Syrien geschmuggelt hatte.cite-ref-275[275]

WĂ€hrend des Wahlkampfes zu den Kommunalwahlen 2014 in der TĂŒrkei wurden TelefongesprĂ€che veröffentlicht. In der Aufnahme beraten mehrere MĂ€nner – darunter der MinisterprĂ€sident (damals Außenminister) Ahmet Davutoglu, Hakan Fidan, Chef des Inlandsgeheimdienstes, General Yaßar GĂŒler und StaatssekretĂ€r Feridun Hadi Sinirlioğlu – ĂŒber einen MilitĂ€reinsatz in Syrien und darĂŒber, ob ein rechtfertigender Grund, z. B. unter falscher Flagge dafĂŒr notfalls geschaffen werden könnte.cite-ref-spon-961163-276-0[276]

Die Anzahl der syrischen FlĂŒchtlinge in der TĂŒrkei stieg von etwa 100.000 im Oktober 2012cite-ref-277[277] auf etwa 1,4 Millionen im August 2014.cite-ref-278[278]

Am 21. Februar 2015 griff die TĂŒrkei mit 572 Personen und rund 100 gepanzerten Fahrzeugen in einer „ƞah Fırat“ genannten Operation in Syrien ein. Das Ziel der Operation war es, die sterblichen Überreste von Suleiman Schah, dem Großvater des GrĂŒnders des Osmanischen Reiches, zu sichern. Dabei verlor ein Soldat aufgrund eines Unfalls sein Leben. Ob die TĂŒrkei bei der Operation auf Gegenwehr stieß, ist nicht bekannt.cite-ref-279[279]

Ende Juli 2015 begann die tĂŒrkische Luftwaffe nach einem Selbstmordattentat eines mutmaßlichen IS-KĂ€mpfers im tĂŒrkischen Suruç mit 32 Opfern und der Ermordung zweier Polizisten durch mutmaßliche PKK-KĂ€mpfer, hunderte Angriffe auf kurdische PKK- und YPG-Stellungen und Dörfer sowie eine Hand voll Angriffe auf IS-StreitkrĂ€fte in Syrien und im Irak zu fliegen.cite-ref-280[280] WĂ€hrend die US-Regierung die tĂŒrkischen Angriffe gegen die PKK als legitime Verteidigungsmaßnahmen gegen terroristische Angriffe bewertete, sahen insbesondere Kritiker der tĂŒrkischen Regierung hinter der Eskalation wahltaktische Motive der tĂŒrkischen Regierung, die die politische prokurdische Opposition schwĂ€chen wolle.cite-ref-281[281]cite-ref-282[282]

Die Verstrickung der TĂŒrkei in den BĂŒrgerkrieg durch offene UnterstĂŒtzung von Turkmenen auf syrischem Gebiet mit Waffenlieferungen und die verdeckte UnterstĂŒtzung von islamistischen KĂ€mpfern durch Waffenlieferungencite-ref-taz241115-283-0[283] fĂŒhrte zu Spannungen zwischen der TĂŒrkei und den Regierungen Syriens und Russlands, die diese KrĂ€fte in Nordsyrien Ende 2015 mit Angriffen aus der Luft und am Boden zunehmend unter Druck setzten. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch die TĂŒrkei am 24. November 2015, unter umstrittenen UmstĂ€nden, kam es zu erheblichen diplomatischen Spannungen.cite-ref-taz241115-283-1[283]cite-ref-284[284] Die TĂŒrkei stellte ihre Luftangriffe auf Ziele des IS nach dem Angriff auf das russische Flugzeug am 24. November ein.cite-ref-285[285] Anfang Dezember 2015 marschierten tĂŒrkische Truppen in den Nordirak und richteten sich in der NĂ€he von Mossul ein. Die irakische Regierung in Bagdad sprach von einem „feindlichen Akt“ und wendete sich am 11. Dezember an den UNO-Sicherheitsrat, wĂ€hrend tĂŒrkische Stellen von einer Ausbildungsmission sprachen, bei der man Kurden und Iraker zum Kampf gegen den IS in Mosul ausbilden wolle und die man nicht beenden könne.cite-ref-286[286]

Die TĂŒrkei gilt nach EinschĂ€tzung von Analysten des Atlantic Council als GrĂŒnder und UnterstĂŒtzer der 2015 gebildeten sunnitisch-islamistischen Rebellenorganisation Dschaisch al-Fatah.cite-ref-nyt090816-287-0[287]

Am 24. August 2016 drangen im Rahmen einer tĂŒrkischen MilitĂ€roffensive in Nordsyrien tĂŒrkische Truppen, gemeinsam mit von der TĂŒrkei unterstĂŒtzten Rebellen auf syrisches Staatsgebiet vor und besetzten das zuvor vom IS verlassene Dscharābulus. Zuvor war offenbar eine Vereinbarung mit den USA getroffen worden, um einen Zusammenstoß mit kurdischen Einheiten der SDF in der Region zu verhindern. Deren Vormarsch gegen den IS in Syrien entlang der tĂŒrkischen Grenze zuvorzukommen und einen Zusammenschluss mit kurdischen Truppen weiter im Westen zu verhindern, galt als Hauptziel der tĂŒrkischen Offensive.cite-ref-288[288] Es gilt als sicher, dass die TĂŒrkei dieses Vorgehen zuvor mit Russland abgestimmt hatte. Nach Presseberichten ist die russische Zustimmung fĂŒr den tĂŒrkischen Einmarsch mit dem Schweigen der TĂŒrkei bei der Zerschlagung der eingeschlossenen Rebellen in Aleppo durch russische und syrische Luftwaffe zum Jahreswechsel 2016/17 erkauft worden.cite-ref-guardian090317-252-2[252]

Weiterhin forderten tĂŒrkische Regierungsvertreter gegenĂŒber den USA, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten von einer zukĂŒnftigen Schlacht um die IS-Hochburg ar-Raqqa auszuschließen. Verteidigungsminister Ißık verkĂŒndete, die TĂŒrkei werde nicht erlauben, dass die Volksverteidigungseinheiten ihr Gebiet unter dem Vorwand, gegen den IS zu kĂ€mpfen, erweitern wĂŒrden.cite-ref-289[289] Der tĂŒrkische Versuch, Einfluss auf eine kĂŒnftige Schlacht um ar-Raqqa zu nehmen, wurde zunĂ€chst von syrischen Regierungstruppen unterbunden, indem sie gegen den IS im Hinterland vorrĂŒckten, wĂ€hrend die TĂŒrkei und ihre VerbĂŒndeten in al-Bab kĂ€mpften. Anfang MĂ€rz 2017 stellten vorrĂŒckende Truppen der syrischen Armee eine Ost-West-LandbrĂŒcke mit SDF-KrĂ€ften im Raum Manbidsch her, die Teile des zuvor vom IS eroberten Gebietes an die Assad-Regierung ĂŒbergaben. Somit wurde der tĂŒrkische BrĂŒckenkopf auf syrischem Staatsgebiet nach SĂŒden hin faktisch abgeriegelt.cite-ref-290[290]

Am 29. MĂ€rz wurde die tĂŒrkische MilitĂ€roffensive in Nordsyrien von der tĂŒrkischen Seite fĂŒr beendet erklĂ€rt. Etwa 2000 kmÂČ syrischen Staatsgebietes waren im Zuge der Offensive besetzt worden.cite-ref-291[291]

Mitte Juli 2017 wurde bekannt, dass die tĂŒrkische Regierung Truppen an der Grenze zu Syrien zusammenzieht, um sie gegen die von den Kurden kontrollierten Gebiete (Rojava) in Nordsyrien einzusetzen. Ziel soll die Provinz Afrin sein, die die Gebiete islamistischer KĂ€mpfer im Nord-Westen Syriens von dem Territorium trennt, das von Milizen und tĂŒrkischen Truppen in einer MilitĂ€roffensive in Nordsyrien bis MĂ€rz 2017 besetzt wurde. Hintergrund soll eine Vereinbarung mit Russland sein, nach der die Russen das Gebiet Afrin nicht mehr gegen einen tĂŒrkischen Angriff verteidigen wĂŒrden.cite-ref-292[292]

Im November 2017 verhöhnte der Erdogan-Vertraute Metin KĂŒlĂŒnk die USA wegen ihrer Zusammenarbeit mit der YPG: Man werde „die PKK“ (YPG) bald aus ar-Raqqa, Afrin und Manbidsch vertreiben – was die USA dann tun wollten? Der tĂŒrkische PrĂ€sident trat seinerseits im Dezember 2017 vor AnhĂ€ngern auf und kĂŒndigte an, man werde die syrischen StĂ€dte Afrin, Manbidsch, Tall Abyad, RaÊŸs al-ÊżAin und Qamischli von „Terroristen“ „reinigen“.cite-ref-293[293] Am 20. Januar 2018 eröffneten tĂŒrkische Bodentruppen und verbĂŒndete Milizen unter dem Schutz von Luftangriffen die TĂŒrkische MilitĂ€roffensive auf Afrin. Der Einsatz gegen die kurdische Region in Syrien wurde von tĂŒrkischen Offiziellen als „Operation Olivenzweig“ bezeichnet.cite-ref-294[294]

Siehe auch:


Frankreich

Die Syrische Republik erhielt ihre UnabhĂ€ngigkeit von Frankreich. Der französische PrĂ€sident François Hollande rief am 27. August 2012 die syrische Opposition dazu auf, eine Übergangsregierung zu bilden, die zum legitimen ReprĂ€sentanten eines neuen Syrien werden sollte. Frankreich wĂŒrde eine solche Regierung anerkennen. Zugleich warnte Hollande die syrische FĂŒhrung davor, Chemiewaffen einzusetzen. Dies wĂ€re ein Grund fĂŒr eine militĂ€rische Invasion in Syrien.cite-ref-295[295]

Im Juni gab Frankreich bekannt, man hĂ€tte Beweise fĂŒr insgesamt vier örtlich begrenzte Nervengasangriffe mit Sarin in den StĂ€dten Chan al-Assal nahe Aleppo und Otaibeh nahe Damaskus. Proben, die dazu in einem französischen Labor untersucht wurden, hĂ€tten dies nachgewiesen.cite-ref-national-562013-296-0[296] Kurze Zeit spĂ€ter gab der französische Außenminister bekannt, dass die Regierung Assad und deren VerbĂŒndete fĂŒr den Einsatz des chemischen Kampfstoffes verantwortlich seien.cite-ref-297[297] Das Weiße Haus in den USA forderte mehr Beweise.cite-ref-national-562013-296-1[296] Im Herbst 2014 begann Frankreich, den IS als eine der am BĂŒrgerkrieg beteiligten Fraktionen im Irak aus der Luft anzugreifen,cite-ref-298[298] und kĂŒndigte ein Jahr spĂ€ter, unter dem Eindruck der FlĂŒchtlingskrise, an, den IS auch in Syrien bekĂ€mpfen zu wollen.cite-ref-299[299] Nach den TerroranschlĂ€gen am 13. November 2015 in Paris begannen französische Kampfflugzeuge, Ziele in der IS-Hochburg Ar-Raqqa anzugreifen.cite-ref-300[300] Als weitere Reaktion auf die AnschlĂ€ge wurde der FlugzeugtrĂ€ger Charles de Gaulle vor die syrische KĂŒste entsandt.cite-ref-301[301]

Ende Mai 2017 berichteten Medien, dass Frankreich aktiv Jagd auf eigene StaatsbĂŒrger in Syrien und im Irak machen soll, die sich zuvor dem IS angeschlossen hatten.cite-ref-302[302]

Großbritannien

Das House of Commons stimmte 2013 gegen eine MilitĂ€rbeteiligung Großbritanniens in Syrien. Das Parlament autorisierte die DurchfĂŒhrung britischer Luftwaffenangriffe gegen IS im Irak.cite-ref-telegraph-2015-07-27-303-0[303]

Im Juli 2015 wurde bekannt, dass die Luftwaffe dennoch, mit Wissen von David Cameron, jedoch ohne Konsultierung und Zustimmung des Parlaments, Angriffe in Syrien durchfĂŒhrte.cite-ref-telegraph-2015-07-27-303-1[303] Am 21. August 2015 fĂŒhrte die Royal Air Force in Syrien mittels einer Reaper-Drohne erstmals eine Tötung durch Drohnen aus.cite-ref-304[304] Der Angriff tötete zwei britische IS-KĂ€mpfer; ein weiterer wurde durch einen US-Drohnenangriff getötet. Cameron rechtfertigte die Tötungen als Selbstverteidigung.cite-ref-305[305] Nach einem entsprechenden Parlamentsbeschluss begannen britische LuftstreitkrĂ€fte Anfang Dezember 2015 auch mit Angriffen auf Stellungen des IS in Syrien.cite-ref-306[306] Im Juli 2016 wurde bekannt, dass das Vereinigte Königreich auch Bodentruppen in Form des SAS bei Al-Tanf im Gouvernement Deir ez-Zor eingesetzt hatte.cite-ref-307[307]

Im Dezember 2016 stellte Peter Ford, ehemaliger Botschafter des Vereinigten Königreichs in Syrien fest, dass das Foreign Office zu Beginn des BĂŒrgerkrieges den Fall Assads „bis Weihnachten“ und die Dominanz der „moderaten KrĂ€ften“ auf Seiten der AufstĂ€ndischen vorhergesagt habe und mit beiden Aussagen falsch lag. Da das Königreich selbst keine Truppen gegen Assad eingesetzt habe, hĂ€tte man so die Opposition zu einer von vornherein hoffnungslosen Offensive motiviert, die hunderttausende Zivilisten den Tod gebracht hĂ€tte.cite-ref-308[308]

Israel

Israel unterstĂŒtzte im Syrienkrieg von 2013 bis zum Sommer 2018 bis zu zwölf Rebellengruppen, die an der Grenze zu den von Israel okkupierten Golanhöhen operierten. Anfangs seien vor allem amerikanische M16-Gewehre geliefert worden, spĂ€ter, offenbar um die Herkunft der Waffen zu verschleiern, dann nicht-amerikanische Waffen, darunter Gewehre und Munition einer ursprĂŒnglich fĂŒr die Hisbollah bestimmten iranischen Lieferung, die 2009 von Israel konfisziert wurde. Die KĂ€mpfer der von Israel unterstĂŒtzten Milizen wurden von Israel fĂŒr ihren Einsatz mit durchschnittlich 75 Dollar pro Monat entlohnt. Die grĂ¶ĂŸte UnterstĂŒtzung soll die Gruppe Forsan al-Jolan erhalten haben. Mit dem Beginn der Offensive der syrischen Armee in SĂŒdsyrien, bei der unter anderem das gesamte Gebiet an der Grenze zu den von Israel besetzen Golanhöhen unter die Kontrolle der syrischen Regierung gebracht wurde, stellte Israel seine UnterstĂŒtzung ein.cite-ref-309[309]

Israel nutzte die militĂ€rische SchwĂ€che Syriens in den Tagen nach dem Sieg ĂŒber das Assad-Regime, militĂ€rische Einrichtungen der syrischen Armee durch Luftangriffe zu zerstören.cite-ref-310[310] Dieses Vorgehen sollte dem Schutz Israels vor zukĂŒnftigen Angriffen dienen. Bodentruppen drangen mindestens in einen Streifen kurz hinter der israelisch-syrischen Grenze vor. Berichte ĂŒber ein weiteres Eindringen israelischer Bodentruppen auf syrisches Gebiet sind unbestĂ€tigt. Der UN-Sondergesandte fĂŒr Syrien Geir Pedersen verurteilte das Vorgehen Israels auf syrischem Gebiet. Kritik wurde auch von anderen Staaten der Region geĂ€ußert.

Siehe auch

:

Iran-Israel-Konflikt wĂ€hrend des syrischen BĂŒrgerkriegs

Opferzahlen

| Datum | SchÀtzung | Verluste | Verluste |
|---|---|---|---|
| Datum | SchÀtzung | Todesopfer | Verletzte |
| April 2014 | UNHCHR | 191.396 | - |
| April 2015 | Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte | 220.000 + [ 311 ] | - |
| Sommer 2015 | UNHCHR | 250.000 + | - |
| Februar 2016 | Syrisches Zentrum fĂŒr Politikforschung | 470.000 [ 312 ] | 1.900.000 |
| MĂ€rz 2016 | Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte | 273.520 + [ 313 ] | 2.000.000 + |
| MĂ€rz 2018 | Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte | 353.900 + [ 314 ] | - |
| MĂ€rz 2023 | Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte | 613.400 + [ 315 ] | 2.100.000 + |

| TÀtergruppe/Kriegspartei | Anzahl der von der jeweiligen Kriegspartei getöteten Zivilisten, Stand Juli 2024 [ 316 ] | davon | davon |
|---|---|---|---|
| TÀtergruppe/Kriegspartei | Anzahl der von der jeweiligen Kriegspartei getöteten Zivilisten, Stand Juli 2024 [ 316 ] | Frauen | Kinder |
| | Insgesamt: 231,495 (100 %) | | |
| KrĂ€fte der Assad -Diktatur ( StreitkrĂ€fte Syriens , Geheimdienste etc.) sowie verbĂŒndete iranische KrĂ€fte (bspw. Quds-Brigaden ) | 201,290 (86,95 %) | 12,004 | 23,045 |
| Andere | 8820 (3,81 %) | 1,094 | 1,889 |
| Russische StreitkrÀfte in Syrien | 6969 (3,01 %) | 983 | 2,055 |
| Islamischer Staat (IS) | 5058 (2,19 %) | 587 | 959 |
| Oppositionelle KrÀfte/alle Rebellen (darunter SNA , FSA , NSA ) | 4234 (1,83 %) | 886 | 1,009 |
| Von USA angefĂŒhrte Koalition in Syrien | 3055 (1,32 %) | 658 | 926 |
| Demokratische KrÀfte Syriens (SDF) | 1516 (0,65 %) | 177 | 269 |
| HaiÊŸat Tahrir asch-Scham (HTS) | 549 (0,24 %) | 82 | 76 |

| Anzahl Vermisste | Stand |
|---|---|
| 80.000 Vermisste Personen [ 317 ] | Ende 2024 |

Die syrische Regierung gab die Zahl der Toten Mitte September 2011 mit 1400 an, darunter seien 700 Mitglieder der Regierungstruppen gewesen. Die Vereinten Nationen sprachen zu dem Zeitpunkt bereits von ĂŒber 2600 Opfern.cite-ref-318[318] Nach ihren Erkenntnissen kamen vom 15. MĂ€rz 2011 bis zum Ende Februar 2013 fast 70.000 Menschen ums Leben.cite-ref-319[319] Im Mai 2013 hatte sich die Zahl der Todesopfer nach UNO-Angaben auf 80.000 erhöht, wĂ€hrend eine Million Syrer aus dem Land geflohen und vier Millionen weitere innerhalb Syriens auf der Flucht seien.cite-ref-320[320] Im Juni 2013 erhöhte die UN ihre SchĂ€tzung auf mindestens 93.000 Tote, bei denen IdentitĂ€t, Todeszeit und Ort durch verschiedene Quellen ermittelt werden konnten. Weitere Berichte ĂŒber rund 35.000 mögliche Opfer, bei denen diese Daten fehlten, wurden bei der ZĂ€hlung nicht berĂŒcksichtigt.cite-ref-321[321]

Das BĂŒro des Hochkommissars fĂŒr Menschenrechte teilte mit, dass man seit der Veröffentlichung der letzten Zahlen im Juli 2013 die Todesopfer im BĂŒrgerkrieg nicht mehr zĂ€hlen wĂŒrde, da eine unabhĂ€ngige ÜberprĂŒfung von Angaben ĂŒber TodesfĂ€lle nicht möglich sei.cite-ref-zeit-de-322-0[322] Dennoch fĂŒhrte man die ZĂ€hlung weiter und gab Ende August 2014 an, dass vom MĂ€rz 2011 bis April 2014 191.396 Menschen getötet wurden.cite-ref-323[323] Im Sommer 2015 schĂ€tzte UNO-GeneralsekretĂ€r Ban Ki Moon die Zahl der Todesopfer auf mindestens 250.000 Menschen.cite-ref-324[324]

Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International werfen vor allem den KrĂ€ften der Regierung, jedoch auch Teilen der bewaffneten Opposition im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen Folter und schwere Menschenrechtsverletzungen vor.cite-ref-325[325]cite-ref-326[326] Amnesty International sprach in einem Bericht aus dem Jahr 2015 davon, dass „[s]ince 2011 the Syrian government has carried out an orchestrated campaign of enforced disappearances.“ Das Syrian Network for Human Rights dokumentierte die Namen von insgesamt 65.116 Personen, zum grĂ¶ĂŸten Teil Zivilisten, die zwischen MĂ€rz 2011 und August 2015 „verschwanden“ und ĂŒber deren Verbleib teilweise immer noch nichts bekannt ist.cite-ref-327[327] Im MĂ€rz 2015 erhielt Human Rights Watch insgesamt 53.275 Fotos eines geflĂŒchteten forensischen Fotografen mit dem Decknamen Caesar, der im Auftrag der syrischen MilitĂ€rpolizei Fotos von im Gewahrsam der Regierung umgekommenen Personen, aber auch von zahlreichen getöteten Angehörigen der syrischen StreitkrĂ€fte angefertigt hatte. 28.707 Fotografien ließen sich insgesamt 6.786 Personen zuordnen, die von syrischen Sicherheitsbehörden verhaftet worden und wĂ€hrend ihrer Haft aufgrund der menschenunwĂŒrdigen Haftbedingungen oder von erlittenen Misshandlungen verstorben waren.cite-ref-328[328] Dem Syrian Network for Human Rights (SMHR) zufolge steigerte sich im Jahr 2018 die Zahl der durch Inhaftierung Verschwundenen auf etwa 82.000 und die der durch Folter bestĂ€tigten Toten auf 14.000.cite-ref-329[329]cite-ref-330[330] Physicians for Human Rights sprach in seinem Jahresbericht 2014 davon, dass Ärzte, Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal ebenso wie medizinische Einrichtungen bevorzugtes Angriffsziel der syrischen RegierungsstreitkrĂ€fte wĂ€ren.cite-ref-331[331] Der Einsatz von Kindersoldaten wird dagegen ausschließlich Rebellengruppen zur Last gelegt.cite-ref-332[332] Beobachter dokumentierten den Einsatz chemischer Waffen, darunter einzelne FĂ€lle, bei denen die Stoffe Sarin und Senfgas, sowie mehrere FĂ€lle, bei denen Chlorgas benutzt wurde.cite-ref-333[333]

Der Sondergesandte der Vereinten Nationen fĂŒr Syrien, Staffan de Mistura, schĂ€tzte im April 2016, dass seit Beginn des Krieges 400.000 Menschen getötet wurden,cite-ref-334[334] im April 2018 wurde die Zahl von Experten auf 500.000 geschĂ€tzt. Die Zahlen der Vereinten Nationen von 2016 beruhten teilweise auf Daten von 2014. Andere Organisationen hatten die ZĂ€hlung aufgegeben.cite-ref-335[335] Rund 12,9 Millionen Syrer waren im Jahr 2018 auf der Flucht, davon 6,2 Millionen BinnenflĂŒchtlinge. 6,7 Millionen Syrer flĂŒchteten ins Ausland.cite-ref-336[336] Im Februar 2016 schĂ€tzte eine Nichtregierungsorganisation 470.000 Tote im Konflikt, rechnete dabei aber auch die Menschen ein, die als Folge des Zusammenbruchs der Versorgungssysteme durch Krankheiten und fehlende Pflege ums Leben gekommen sind.cite-ref-zeit110216-312-1[312] Forscher der Public Library of Science erkannten eine deutliche Zunahme an FĂ€llen mit klassischen Tropenkrankheiten in der gesamten Region, wie Leishmaniose, deren Ausbreitung in Syrien sie auf den Zusammenbruch des syrischen Gesundheitssystems zurĂŒckfĂŒhren.cite-ref-337[337]

Im Februar 2017 erhob Amnesty International in einem Bericht erneut schwere VorwĂŒrfe gegen die syrische Regierung. Demnach seien zwischen 2011 und 2015 bei Massenhinrichtungen ca. 5000 bis 13.000 Gefangene im MilitĂ€rgefĂ€ngnis Saidnaja bei Damaskus ohne ein rechtmĂ€ĂŸiges Verfahren zum Tode verurteilt und umgebracht worden. Die Opfer, grĂ¶ĂŸtenteils Zivilisten, seien von einem MilitĂ€rgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und gehenkt worden, andere starben an den Folgen von mangelnder Versorgung. Die Aktivisten schlossen, dass die Regierung die Tötungen angeordnet haben mĂŒsse und es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln wĂŒrde.cite-ref-338[338]cite-ref-339[339] Die syrische Regierung ließ den Bericht dementieren und bestand darauf, dass Hinrichtungen nur nach rechtmĂ€ĂŸigen Verfahren stattfĂ€nden.cite-ref-340[340] Ebenso folgerte Amnesty International in einem Bericht vom November 2017, dass das systematische Abschneiden der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in eingeschlossenen Gebieten, in Kombination mit Luftangriffen, ebenfalls als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werten sei. Auch nach diesem Bericht hĂ€tten wieder alle Kriegsparteien internationales Recht gebrochen.cite-ref-341[341]

2015 schĂ€tzen SOHR-Aktivisten 55.000 Todesopfer in Syrien, 2016 waren es nach EinschĂ€tzung der Gruppe noch 49.000 und Ende Dezember 2017 schĂ€tzten die Aktivisten, dass das Jahr 2017 ĂŒber etwa 39.000 Menschen in Syrien getötet wurden. Mehr als ein Viertel der Opfer seien 2017 Zivilisten gewesen, die Regierungstruppen hĂ€tten 3.000 Soldaten verloren und etwa 7.500 KĂ€mpfer, davon die Mehrheit IS-Angehörige, seien ebenfalls gefallen.cite-ref-342[342] Laut der britischen Nichtregierungsorganisation Action on Armed Violence sind etwa 45 Prozent der zivilen Toten und Verletzten im syrischen BĂŒrgerkrieg, die durch Explosivwaffen getötet wurden, auf Luftangriffe der syrischen LuftstreitkrĂ€fte, russischen LuftstreitkrĂ€fte und auf die U.S. Air Force (sowie deren VerbĂŒndete) zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-343[343] Das UNHCR berichtete im Jahr 2022, es habe zwischen MĂ€rz 2011 und MĂ€rz 2021 den durch den Krieg verursachten Tod von 306.887 Zivilisten in Syrien dokumentiert.cite-ref-344[344] 2021 schĂ€tzte UNICEF die Zahl aller Todesopfer auf etwa eine halbe Million.cite-ref-345[345] Stand 2023 ist der Verbleib von ĂŒber 130.000 Syrern ungeklĂ€rt.cite-ref-346[346] Im Juli 2024 nannte das Syrian Network for Human Rights 231.495 infolge des BĂŒrgerkriegs getötete Zivilisten. Davon sei der Tod von 201.290 Zivilisten auf die StreitkrĂ€fte des syrischen Regimes von Baschar al-Assad und die mit ihm verbĂŒndeten iranischen Milizen zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-0-316-1[316]

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte wurden in den 12 Tagen des Regimezerfalls, von Beginn der Rebellenoffensive am 27. November 2024 bis zum Tag des Endes des Assad-Regimes am 8. Dezember, insgesamt 910 Menschen getötet; davon seien 392 Rebellen, 380 regimetreue KĂ€mpfer und 138 Zivilisten gewesen.cite-ref-12-347-0[347]

Kriegsverbrechen

Siehe auch

:

Fall Carl Campeau

Siehe auch

:

Folter wĂ€hrend des Syrischen BĂŒrgerkrieges

Siehe auch

:

Massaker von Bayda und Baniyas

Siehe auch

:

Massaker von Hula (Syrien)

Siehe auch

:

Giftgasangriff von Chan Schaichun

Siehe auch

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Giftgasangriffe von Ghuta

Laut einem Bericht der UN-Menschenrechtskommission 2021 haben alle Parteien im Syrien-Konflikt Kriegsverbrechen begangen. Dazu gehören Verschwindenlassen in GefĂ€ngnissen von zehntausenden Personen, willkĂŒrliche Festnahmen, Folter, sexueller Gewalt. Sowohl die syrische Regierung, Rebellen und die von Kurden angefĂŒhrten Syrischen Demokratischen KrĂ€fte (SDF) hĂ€tten Kriegsverbrechen begangen. Der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) wirft der Bericht Völkermord vor.cite-ref-348[348]

Die UNO untersuchte sieben von den 61 dokumentierten Bombardierungen von Gesundheitseinrichtungen ab April 2019, wobei der Berichterstatter sagte, die schiere Anzahl wĂŒrde nahelegen, dass die Luftwaffen Syriens und Russlands mindestens einen Teil dieser Angriffe absichtlich flog („strongly suggests that government-affiliated forces conducting these strikes are, at least partly, if not wholly, deliberately striking health facilities“). Sofern die Absicht zu beweisen sei, handle es sich um Kriegsverbrechen.cite-ref-349[349] Nach Angaben der New York Times wurden am 5. Mai 2019 durch russische Bombenangriffe vier KrankenhĂ€user innerhalb von 12 Stunden zerstört.cite-ref-350[350]cite-ref-351[351]

Im BĂŒrgerkrieg in Syrien wurde Giftgas eingesetzt. Zu unterscheiden sind das der Chemiewaffenkonvention nicht unterstehende Chlorgas,cite-ref-352[352] das auch noch im Jahre 2018 eingesetzt wurdecite-ref-353[353] und das der Konvention unterstehende Senfgas, welches einmal vom IS eingesetzt wurde,cite-ref-354[354] und der geĂ€chtete Nervenkampfstoff Sarin, welcher erstmals als Todesursache einer am 29. April 2013 bei Sarakeb verstorbenen Frau materiell nachgewiesen werden konnte, dessen Urheberschaft sich jedoch nicht belegen ließ.cite-ref-355[355]

Nach der laut offizieller Darstellung vollstĂ€ndigen Vernichtung der chemischen Kampfstoffe der syrischen StreitkrĂ€fte im Jahr 2014 wurden bis im FrĂŒhjahr 2018 rund 50 Angriffe mit chemischen Waffen in Syrien bekannt.cite-ref-356[356]cite-ref-357[357]

FlĂŒchtlinge

→

Hauptartikel

:

FlĂŒchtlinge des syrischen BĂŒrgerkriegs

Die UNO bezeichnete die durch den Krieg ausgelöste FlĂŒchtlingskrise als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda 1994.cite-ref-359[359] Durch den Krieg in Syrien wurden ĂŒber 13 Millionen Syrer zu FlĂŒchtlingen.cite-ref-360[360] Die NachbarlĂ€nder Libanon, Jordanien, Irak und die TĂŒrkei nahmen zunĂ€chst eine erhebliche Zahl von FlĂŒchtlingen auf.cite-ref-sz1-361-0[361] In Jordanien bildete das Lager Zaatari mit 80.000 bis 100.000 Bewohnern (Stand 2013?) die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Stadt. In der TĂŒrkei lebten nach Angaben der tĂŒrkischen Regierung (Stand Februar 2016)cite-ref-362[362] rund 2.500.000 syrische FlĂŒchtlinge.cite-ref-363[363] Satellitenaufnahmen zeigten, dass die ersten syrischen FlĂŒchtlingslager in der TĂŒrkei im Juli 2011 – kurz nach der Belagerung der StĂ€dte Deraa, Homs und Hama – entstanden waren.cite-ref-364[364] Bis Oktober 2012 wurden dem UNO-FlĂŒchtlingshilfswerk UNHCR hier etwa 100.000 FlĂŒchtlinge gemeldet.cite-ref-365[365]

Zahlen der Jahre 2012 bis 2013
Insgesamt hatten im Oktober 2012 etwa 360.000 Menschen Zuflucht in den vier angrenzenden Staaten gefunden. Diese richteten zahlreiche FlĂŒchtlingslager ein.cite-ref-366[366] Hinzu kommt die Anzahl von FlĂŒchtlingen, die nicht bei der UNHCR gemeldet sind. So schĂ€tzten Ă€gyptische Regierungsvertreter die Zahl der dort lebenden syrischen FlĂŒchtlinge auf ĂŒber 150.000.cite-ref-367[367] Im Dezember 2012 waren bereits 500.000 FlĂŒchtlinge bei der UNHCR in den vier NachbarlĂ€ndern Syriens sowie in Nordafrika registriert.cite-ref-368[368] Bis Anfang MĂ€rz 2013 stieg die Zahl der FlĂŒchtlinge auf mehr als eine Million, davon bis zu 75 % Frauen und Kinder.cite-ref-369[369] Deutschland erklĂ€rte sich im MĂ€rz 2013 bereit, bis zu 5000 von ihnen aufzunehmen.cite-ref-370[370]

Im Libanon wurden vom UNHCR im MĂ€rz 2013 bereits 688.000 FlĂŒchtlinge gezĂ€hlt.cite-ref-371[371] Weil die libanesische Regierung den Bau neuer FlĂŒchtlingslager nicht zulĂ€sst, mĂŒssen die FlĂŒchtlinge in selbstgebauten UnterkĂŒnften, gĂŒnstigen Pensionen oder auf der Straße leben.cite-ref-372[372] FĂŒr die angemessene Versorgung der FlĂŒchtlinge benötigen die libanesische Regierung und der UNHCR nach eigenen Angaben 1,7 Milliarden $.cite-ref-373[373]

Zahlen fĂŒr August 2013
Im August 2013 stiegen die Zahlen laut UNICEF auf 4,2 Millionen Vertriebene innerhalb Syriens und 2,6 Millionen FlĂŒchtlinge, die das Land verlassen hatten.cite-ref-fluechtl082013-374-0[374] Davon waren durch die UNHCR erst knapp 2 Millionen tatsĂ€chlich als FlĂŒchtlinge registriert.cite-ref-375[375] Beobachter folgerten spĂ€ter, dass 2013 auch die Flucht in weiter entfernte LĂ€nder, vor allem nach Europa begann, weil viele vertriebene Syrer glaubten, der BĂŒrgerkrieg wĂŒrde nicht in absehbarer Zeit enden.cite-ref-eurasmag-376-0[376]

2015
Im Juli 2015 erklĂ€rte das UNHCR, dass sich mittlerweile mehr als 4 Millionen aus Syrien geflĂŒchtete Menschen in den Nachbarstaaten Syriens aufhielten und dass es 7,6 Millionen BinnenflĂŒchtlinge gab. Zudem hatten bis dahin bereits mehr als 270.000 Syrer AsylantrĂ€ge in Europa gestellt.cite-ref-unhcr-july2015-377-0[377]

2017
Im MĂ€rz 2017 erklĂ€rte das UNHCR, dass mittlerweile 5 Millionen Syrer als FlĂŒchtlinge registriert seien. Die Zahl der BinnenflĂŒchtlinge betrage rund 6,3 Millionen.cite-ref-378[378]

2018
Im MĂ€rz 2018 berichtete die BBC, dass das UNHCR mittlerweile von 5,6 Millionen Syrern ausgeht, die ins Ausland geflohen sind und man weiter annimmt, das 6,1 Millionen Menschen BinnenflĂŒchtlinge sind.cite-ref-bbc280318-314-1[314]

Auf Kritik stieß 2015 die angebliche Weigerung reicher arabischer Ölstaaten am Persischen Golf, syrische BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlinge bei sich aufzunehmen.cite-ref-amnesty-358-1[358]cite-ref-379[379] Saudi-Arabien wehrte sich gegen den Vorwurf der UntĂ€tigkeit. Man habe rund 2,5 Millionen Syrer aufgenommen.cite-ref-380[380] Diese komplett unterschiedlichen Zahlen erklĂ€ren sich teils aus dem Umstand, dass keine ZĂ€hlung von FlĂŒchtlingen nach UNO-FlĂŒchtlingskonvention möglich sind, weil die Golfstaaten die betreffenden Protokolle nicht unterzeichnet haben.cite-ref-381[381] Im Sudan, in welchen Syrer visafrei reisen können, sind nur 1400 von 45.000 FlĂŒchtlingen bei der UNO registriert.cite-ref-382[382] Syrische FlĂŒchtlinge spielten schließlich eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der FlĂŒchtlingskrise in Europa 2015 und den diesbezĂŒglichen Bestrebungen zur Reform der Asylpolitik der EuropĂ€ischen Union. Als Akuthilfe ermöglichten angesichts des FlĂŒchtlingsansturms in Ungarn Ende August / Anfang September 2015 die Regierungen Deutschlands, Österreichs und Ungarns in gemeinsamer Absprache tausenden FlĂŒchtlingen die Einreise nach Deutschland.

Zerstörungen von Weltkulturerbe

Unter dem BĂŒrgerkrieg leiden auch zahlreiche historische Monumente und archĂ€ologische Fundstellen, darunter alle in Syrien gelegenen WelterbestĂ€tten.cite-ref-383[383] Probleme sind Kriegszerstörungen, PlĂŒnderungen und gezielte Zerstörungen durch religiöse Fanatiker. Artilleriebeschuss und andere Zerstörungen an historischen DenkmĂ€lern und archĂ€ologischen Fundstellen wurden schon zu Beginn des BĂŒrgerkriegs gemeldet.cite-ref-384[384] Beispielsweise wurde die SĂ€ulenstraße in Apameia am Orontes/Qalat el-Mudiq am 15. MĂ€rz 2012 beschossen,cite-ref-globalheritagenetwork-385-0[385] die Altstadt von Aleppo mit dem Markt und der Festung schwer beschĂ€digtcite-ref-386[386]cite-ref-387[387] und die mehrfach von Truppen beider Seiten besetzte Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers durch Beschuss und PlĂŒnderung in Mitleidenschaft gezogen.cite-ref-388[388]cite-ref-389[389]

Neben den Zerstörungen durch Kampfhandlungen nehmen die PlĂŒnderungen archĂ€ologischer StĂ€tten zu. Der Erlös durch Antikenhehlerei fließt in die Finanzierung von Waffenlieferungen. Insbesondere die Terrororganisation Islamischer Staat finanziert sich unter anderem auch durch systematische Raubgrabungen.cite-ref-390[390] Die Fundstelle von Apameia am Orontes ist mittlerweile zu erheblichen Teilen zerstört.cite-ref-391[391] ebenso Dura Europos, wo allerdings auch Bewaffnete des IS ganz gezielt etwa die jĂŒdische Synagoge zerstört haben.cite-ref-392[392] Problematisch ist nicht nur, dass archĂ€ologische Funde ins Ausland geschmuggelt werden, sondern auch, dass Fundstellen komplett zerstört werden. Die Raubgrabungslöcher vernichten jede historische Aussagen ĂŒber das Leben und die Umweltbedingungen in der Vergangenheit unwiederbringlich.

Anfang 2013 hat die syrische Altertumsbehörde einen ersten Bericht vorgelegt, der die SchĂ€den bilanziert; inzwischen sind international verschiedene Organisationen mit einem Monitoring befasst. Mit UnterstĂŒtzung durch das International Council of Museums und UNESCO wird AufklĂ€rungsarbeit geleistet, um vor allem die örtliche Bevölkerung zu sensibilisieren, die sich bislang als der beste Schutz von Raubgrabungen erwiesen hat.cite-ref-393[393]

Die sechs StÀtten des Weltkulturerbes in Syrien wurden am 20. Juni 2013 von der UNESCO auf die Rote Liste des gefÀhrdeten Welterbes gesetzt.cite-ref-394[394]

Gefahr eines Übergreifens auf andere LĂ€nder

Politiker verschiedener LĂ€nder, darunter auch der damalige deutsche Bundesaußenminister Guido Westerwelle, warnten vor einer militĂ€rischen Intervention in Syrien. Es bestehe die Gefahr eines Übergreifens der KĂ€mpfe auf LĂ€nder in der Region. Es mĂŒsse alles vermieden werden, was Syrien einem Stellvertreterkrieg nĂ€her bringen könnte. Gelinge das nicht, könne dies „eine Konfrontation heraufbeschwören, die bis nach Moskau oder Peking reicht“.cite-ref-westerwelle-flaechenbrand-395-0[395] Der russische MinisterprĂ€sident Dmitri Medwedew warnte davor, dass Handlungen, die die staatliche SouverĂ€nitĂ€t untergraben, „mal in einem regelrechten regionalen Krieg und sogar mit einem Einsatz von Atomwaffen“ enden könnten.cite-ref-medwedew-flaechenbrand-396-0[396] In einem Interview, das PrĂ€sident Assad im Mai 2012 dem russischen Fernsehsender Rossija 24 gab, warnte er angrenzende LĂ€nder vor Einmischungen: Wer in Syrien Chaos schĂŒre, könne sich selbst damit infizieren.cite-ref-assad-flaechenbrand-397-0[397] Wenige Tage davor war es im libanesischen Tripoli zu KĂ€mpfen zwischen alawitischen Gegnern und sunnitischen UnterstĂŒtzern der syrischen AufstĂ€ndischen gekommen. Die KĂ€mpfe waren am 12. Mai ausgebrochen, nachdem libanesische Truppen einen sunnitischen Islamisten verhaftet hatten, der beschuldigt worden war, einer Terrororganisation anzugehören. Die UnterstĂŒtzer des Inhaftierten blockierten darauf eine Straße; Salafisten forderten seine Freilassung und zeigten sich zum Kampf gegen die libanesischen Truppen bereit, sollte die Blockade gerĂ€umt werden. Bei den dann folgenden KĂ€mpfen wurden sieben Menschen getötet und fĂŒnfzig verletzt.cite-ref-398[398]

Seit es im April 2012 zum Beschuss eines FlĂŒchtlingslagers auf tĂŒrkischem Staatsgebiet von syrischem Staatsgebiet kam, erwog die TĂŒrkei, die NATO um UnterstĂŒtzung gemĂ€ĂŸ Artikel 5 zu ersuchen,cite-ref-399[399] was schließlich im Januar 2013 zur Operation Active Fence fĂŒhrte. Damaskus beschuldigt die TĂŒrkei, seit Beginn der bewaffneten Revolte, Waffen und Geld nach Syrien einsickern zu lassen.cite-ref-irishtimes-400-0[400]

Die ohnehin schon vorhandenen Spannungen zwischen der TĂŒrkei und Syrien wurden verschĂ€rft, als am 22. Juni 2012 ein tĂŒrkisches Kampfflugzeug von syrischen StreitkrĂ€ften abgeschossen wurde, nachdem es in den syrischen Luftraum eingedrungen war.cite-ref-401[401]

Am 3. November 2012 drangen dreicite-ref-402[402] syrische Panzer begleitet von zwei gepanzerten Transportfahrzeugen in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen ein. Dabei lieferten sie sich ein Feuergefecht mit syrischen Rebellen in der Ortschaft Bir Adscham. Schon zuvor waren syrische Mörsergranaten in der demilitarisierten Zone eingeschlagen. Als Reaktion auf diese Aktionen der syrischen Armee, legte Israel bei der in der demilitarisierten Zone stationierten UNO-Friedenstruppe Beschwerde ein.cite-ref-403[403] Zwei Tage spĂ€ter wurde nach Angaben der israelischen StreitkrĂ€fte ein Armeefahrzeug auf den Golanhöhen nahe der Demarkationslinie von mehreren aus syrischem Gebiet abgefeuerten Geschossen getroffen. Zwar wurde dabei das Fahrzeug beschĂ€digt, doch niemand verletzt. Ob diese SchĂŒsse von der syrischen Armee oder von den Rebellen abgegeben wurden, konnte nicht ermittelt werden.cite-ref-404[404] Am 11. November wurde ein israelischer Grenzposten auf den Golanhöhen von einer syrischen Mörsergranate getroffen. Schon zuvor waren einige Geschosse der syrischen Armee auf den Golanhöhen eingeschlagen. Zwar wertete die israelische Regierung den Beschuss als Versehen, doch feuerten die israelischen StreitkrĂ€fte als Warnung noch am selben Tag mindestens eine Panzerabwehrrakete auf syrisches Territorium ab. Erneut legte die israelische Regierung bei der auf den Golanhöhen stationierten UNO-Truppe Beschwerde ein.cite-ref-405[405] Einen Tag spĂ€ter reagierte die israelische Armee auf eine syrische Granate, welche in der NĂ€he eines israelischen MilitĂ€rpostens eingeschlagen war, indem sie die fĂŒr den Beschuss verantwortliche Artillerieeinheit mit Panzern unter gezieltes Feuer nahm.cite-ref-406[406]

Im Libanon riefen Anfang 2013 sowohl sunnitischecite-ref-407[407] als auch schiitischecite-ref-408[408] Geistliche dazu auf, die Angehörigen ihrer Konfession in Syrien mit Waffengewalt zu unterstĂŒtzen. Als im Mai 2013 schließlich syrische Truppen und Hisbollah-Milizen die Stadt Kusair an der libanesischen Grenze weitgehend unter ihre Kontrolle brachten, kehrten sunnitische Freiwillige aus dem Libanon in ihre Heimatorte zurĂŒck und wendeten sich gegen Angehörige der alawitischen Minderheiten im Libanon, denen sie vorwarfen im Auftrag von Assad sunnitische Familien im Libanon zu bedrohen.cite-ref-409[409] Schwere Gefechte entwickelten sich Ende Juni 2013, als salafistische AnhĂ€nger von Prediger Ahmed al-Assir, unter ihnen der SĂ€nger Fadel Shaker, in Sidon die libanesische Armee angriffen. 12 Soldaten wurden bis zum 23. Juni getötet und 50 weitere verletzt.cite-ref-410[410]

Im FrĂŒhjahr 2013 kam es im Irak vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen der sunnitischen Minderheit und dem vornehmlich schiitisch dominierten Regierungsapparat. Die Sunniten im Irak sollen von den Erfolgen sunnitischer Rebellen in Syrien motiviert worden sein, einen Teil des Einflusses, den sie nach dem Sturz von Saddam Hussein durch die Amerikaner und die dann folgenden Wahlen verloren hatten, wieder zurĂŒckzugewinnen. Nach zunĂ€chst friedlichen Protesten kam es im April 2013, angestachelt durch religiöse FĂŒhrer beider Seiten, zu mehreren BombenanschlĂ€gen mit zahlreichen Todesopfern.cite-ref-411[411] Ende Mai 2013 wurde bekannt, dass FreiwilligenverbĂ€nde irakischer Schiiten in unbekannter StĂ€rke in Syrien auf Seiten der regierungstreuen VerbĂ€nde kĂ€mpfen.cite-ref-412[412]

GelĂ€ndegewinne kurdischer Gruppen auf syrischem Boden, die sie nach KĂ€mpfen mit islamistischen Rebellen an der tĂŒrkischen Grenze gemacht hatten, lösten Bedenken bei der tĂŒrkischen Regierung aus. Ihr stellvertretender MinisterprĂ€sident sagte, man werde ein faktisch autonomes Kurdengebiet auf syrischem Boden nicht tolerieren.cite-ref-413[413]

Am 2. August 2014 flammte im Libanon der Aufstand in Arsal auf, weil die libanesischen StreitkrĂ€fte einen syrischen RebellenfĂŒhrer in der NĂ€he von Arsal verhafteten. Damit entglitt dem libanesischen Staat das erste Mal seit dem BĂŒrgerkrieg die Kontrolle ĂŒber eine Stadt. Ab dem 9. August kamen die SicherheitskrĂ€fte wieder in die Stadt und brachten Ruhe in die Region.

Völkerrecht

Ohne einen Beschluss des UNO-Sicherheitsrates fĂŒr ein militĂ€risches Eingreifen wurden von auslĂ€ndischen MĂ€chten verschiedene völkerrechtliche AnsĂ€tze zum Eingreifen in Syrien benutzt. Die UnterstĂŒtzung einer legitimen Regierung ist beispielsweise zulĂ€ssig, wenn man von ihr dazu eingeladen wird. So wĂ€hlte die Arabische Liga die Regierung der Syrischen Nationalkoalition als rechtmĂ€ĂŸige Vertretung des syrischen Volkes und unterstĂŒtzte sie. Andere Staaten beriefen sich auf das Recht zur HumanitĂ€ren Intervention, wie etwa das Vereinigte Königreich nach den Giftgasangriffen von Ghuta im Sommer 2013.cite-ref-414[414]

Der Völkerrechtler Pierre Thielbörger vertrat in einem Interview im MĂ€rz 2018 die Position, der Staat dĂŒrfe in gewisser Weise gegen AufstĂ€ndische wehrhaft sein, mĂŒsse aber die Menschenrechte sowie das humanitĂ€re Völkerrecht einhalten. Auch die UnterstĂŒtzung der syrischen Regierungstruppen durch Russland sei, aufgrund der Einladung der syrischen Regierung, legitim, mĂŒsse sich aber ebenfalls an das Völkerrecht halten, woran große Zweifel bestĂŒnden. Der Einsatz der internationalen Koalition in Syrien, die angibt, unter Berufung auf das Recht zur Selbstverteidigung gegen den IS zu kĂ€mpfen, sei dagegen völkerrechtlich problematisch, weil der Einsatz von deren Truppen in Syrien ohne Einladung zugleich ein Verstoß gegen das Gewaltverbot sei. Die finanzielle UnterstĂŒtzung von nicht-staatlichen Gruppen ohne Erlaubnis der syrischen Regierung sei ein Verstoß gegen das Interventionsverbot.cite-ref-415[415]

Zum dokumentierten Vorgehen der Luftwaffen der syrischen Regierung und der Russischen Föderation gehört es, nach EinschĂ€tzung von Journalisten von 2019, gezielt KrankenhĂ€user in gegnerischen Gebieten zu bombardieren, was gegen internationales Recht verstĂ¶ĂŸt.cite-ref-nzz070519-86-1[86]

Internationale Reaktionen

Vor dem Hintergrund der Debatten ĂŒber eine militĂ€rische Intervention in Syrien befĂŒrchten Politiker verschiedener LĂ€nder eine Internationalisierung des Konflikts, die zu einem offenen, regionalen Krieg fĂŒhren könnte;cite-ref-westerwelle-flaechenbrand-395-1[395]cite-ref-medwedew-flaechenbrand-396-1[396]cite-ref-assad-flaechenbrand-397-1[397] am meisten sorgen sich die NachbarlĂ€nder Libanon und Irak.

Wegen des diplomatischen Patts auf Ebene der Vereinten Nationen als Konsequenz aus den fĂŒr die Region drohenden Folgen erwĂ€gen die USA seit dem G8-Gipfel in Camp David im Mai 2012 eine Lösung der Krise durch eine „jemenitische Lösung“, d. h. eine Stabilisierung des bestehenden politischen Systems in Syrien unter der Voraussetzung, dass Baschar al-Assad abdankt und ins Ausland geht, um einer anderen Person das PrĂ€sidentenamt zu ĂŒberlassen. Eine solche Lösung wird dann fĂŒr umsetzbar gehalten, wenn Russland und China dafĂŒr gewonnen werden können.cite-ref-416[416] Aufgrund anhaltender Gewalt der Regierung gegen Oppositionelle, die unter anderem zum Massaker von Hula fĂŒhrte, wiesen diverse Staaten, darunter die USA und Großbritannien, im Mai 2012 syrische Diplomaten aus.

Vereinte Nationen

UNO-Sicherheitsrat

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unter dem Vorsitz Indiens verurteilte am 3. August 2011 in einer ErklĂ€rung die Menschenrechtsverletzungen und Gewaltanwendung gegen Zivilisten in Syrien und „rief alle Seiten zum sofortigen Ende der Gewalt auf und fordern von allen Seiten grĂ¶ĂŸtmögliche ZurĂŒckhaltung und Abstand von Repressalien, einschließlich der Angriffe auf staatliche Institutionen“. Im Vorfeld der ErklĂ€rung hatten sich die VetomĂ€chte China und Russland sowie 10 andere Staaten in der UNO-Generalversammlung (Kuba, Iran, Nordkorea, Myanmar, Belarus, Simbabwe, Venezuela, Nicaragua sowie Syrien.)cite-ref-417[417] gegen schĂ€rfere Formulierungen oder eine Resolution ausgesprochen. ErklĂ€rungen (statements) des Sicherheitsrates haben geringeres Gewicht als Resolutionen.cite-ref-418[418]

Am 4. Februar 2012 scheiterte eine von Marokko in den UNO-Sicherheitsrat eingebrachte Resolution am Veto von Russland und China. Nach Auffassung des russischen Außenpolitik-Experten Dmitrij Trenin empfand Russland „die EntwĂŒrfe als unausgewogen. Russlands GrundsĂ€tze sind: kein Regime-Wechsel unter Druck von außen, keine militĂ€rische Intervention, keine einseitige Verurteilung der FĂŒhrung in Damaskus. Was Russland beim letzten Mal zu dem Veto bewog, war die Forderung, Assads Truppen sollten die StĂ€dte verlassen, ohne dass es eine entsprechende Forderung an die Adresse der OppositionskrĂ€fte gab.“cite-ref-419[419] Die anderen 13 Mitgliedsstaaten unterstĂŒtzten die zuvor wegen des angedrohten Vetos bereits mehrmals abgeschwĂ€chte Resolution.cite-ref-420[420]

Am 5. Juli 2013 kam keine Resolution des Sicherheitsrates zustande, die Zugang zu rund 2500 Zivilisten im umkĂ€mpften Homs erzwingen sollte, die in Ortsteilen festsitzen, die von Regierungstruppen und regierungstreuen Milizen belagert werden. Weil Russland den Text als einseitig ablehnte und Zugang zu den seit Monaten von Rebellen belagerten Dörfern Nubul und Zahra ebenfalls in den Resolutionstext aufnehmen wollte, was andere Sicherheitsratsmitglieder ablehnten, scheiterte die Resolution. Eine Seite bestand auf der Wichtigkeit von Homs als Großstadt, wĂ€hrend Russland auf die weit grĂ¶ĂŸere Zahl von Menschen verwies, die in den Dörfern unter der Belagerung zu leiden hĂ€tte. Die 2500 Zivilisten in Homs seien dagegen Geiseln der Rebellen, die es ihnen nicht erlauben wĂŒrden ein Angebot der syrischen Regierung zum Verlassen der Stadt unter dem Schutz des Roten Halbmondes/Kreuzes anzunehmen.cite-ref-421[421]

Am 26. Juli 2013 trafen sich Oppositionsvertreter mit den Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrates. Die Oppositionellen wiederholten unter anderem ihre Forderung, dass PrĂ€sident Assad seinen RĂŒcktritt ankĂŒndigen mĂŒsse, bevor sie an einer Friedenskonferenz in Genf teilnehmen wĂŒrden. Der britische Vertreter im Sicherheitsrat wertete die Aussagen als starke Hingabe der Oppositionellen und folgerte, dass es nun an der Regierung sei die gleiche Hingabe zu zeigen.cite-ref-422[422] Die syrische Regierung hatte bereits in der Woche vor dem Treffen ihre Bereitschaft bekrĂ€ftigt, an einer Friedenskonferenz teilzunehmen, allerdings ohne Vorbedingungen.cite-ref-nytimes-com-110-1[110]

Am 27. September 2013 verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 2118, mit der die Zerstörung der ChemiewaffenbestĂ€nde der syrischen Regierungstruppen geregelt wird. Der strittige Punkt zwischen Russland und den USA, wie bei Zuwiderhandlungen der Regierung zu reagieren sei, wurde gelöst, indem eine weitere Sicherheitsratsresolution fĂŒr den Fall angekĂŒndigt wurde.cite-ref-423[423]

Am 18. Dezember 2015 verabschiedete der Sicherheitsrat einstimmig Resolution 2258,cite-ref-424[424] die einen Waffenstillstand, die Einleitung eines Friedensprozesses und die Wahl einer zukĂŒnftigen, nicht-religiösen Regierung des Landes unter Einbeziehung aller Syrer, auch derer im Ausland, unter der Kontrolle der Vereinten Nationen innerhalb von 18 Monaten vorsieht. Das Schicksal von PrĂ€sident Assad und die Beteiligung von verschiedenen Gruppierungen der AufstĂ€ndischen, die auch als Terroristen gelten, wurde im Resolutionstext ausgeklammert. GeneralsekretĂ€r Ban Ki-moon sollte innerhalb eines Monats einen Plan fĂŒr einen Waffenstillstand und dessen Überwachung vorstellen.cite-ref-425[425]

In einer Sondersitzung des Rates am 25. September 2016 versuchten die Vertreter der USA, Großbritanniens und Frankreichs das Leiden der Bevölkerung im belagerten Teil Aleppos zu thematisieren und Druck auf das Ratsmitglied Russland auszuĂŒben. In der turbulenten Sitzung beschimpften die westlichen Staatenvertreter Russland als internationalen Außenseiter, US Vertreterin Power bezichtigte Russland der „Barbarei“ und verließ, wie auch der britische und der französische Vertreter, demonstrativ den Saal, als der syrische Regierungsvertreter mit seinem Vortrag beginnen sollte. Russlands Vertreter Tschurkin verwies dagegen auf die zunehmende KomplexitĂ€t des Konfliktes durch von den USA unterstĂŒtzte Terrorgruppen in der gesamten Region und lobte die Regierung Assads fĂŒr ihre „ZurĂŒckhaltung“.cite-ref-426[426]

Aussagen hoher UNO-FunktionÀre

Im Juni 2012 bezeichnete der Chef der Friedenstruppen der Vereinten Nationen, HervĂ© Ladsous, den Konflikt erstmals offiziell als BĂŒrgerkrieg.cite-ref-427[427]

Vom 14. bis 16. August 2012 besuchte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Ann Amos Syrien zur Beurteilung der humanitĂ€ren Situation und diskutierte vor Ort ĂŒber Möglichkeiten fĂŒr den Zugang fĂŒr humanitĂ€re Hilfsmaßnahmen. Amos gab an, dass mittlerweile rund 2,5 Millionen Syrer auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen sind.

Am 5. September 2012 kritisierte UNO-GeneralsekretĂ€r Ban Ki-moon den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die „LĂ€hmung des Rats schadet dem syrischen Volk; sie schadet zudem seiner eigenen GlaubwĂŒrdigkeit“, erklĂ€rte Ban vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.cite-ref-428[428]

Am 27. Mai 2013 Ă€ußerte sich die Hohe Kommissarin fĂŒr Menschenrechte Navanethem Pillay entsetzt ĂŒber das Leiden der syrischen Bevölkerung. Sie verwies auf Berichte, nach denen bei den KĂ€mpfen um Kusair Regierungstruppen mit ihrer Luftwaffe und Artillerie unterschiedslose Angriffe durchfĂŒhrten, Rebellentruppen dagegen Zivilisten als Schutzschild benutzten, Frauen und MĂ€dchen mit RebellenkĂ€mpfern zwangsverheiratet wĂŒrden und es immer wieder Berichte ĂŒber Folter und Hinrichtungen durch Rebellentruppen gebe.cite-ref-429[429]

Am 4. Juni 2013 teilte der Leiter der UNO-Untersuchungskommission Paulo Pinheiro dem UN-Menschenrechtsrat in seinem Bericht zur Lage in Syrien mit, dass niemand diesen Krieg gewinnen wird und dass weitere Waffen nur zu mehr toten und verwundeten Zivilisten fĂŒhren wĂŒrden.cite-ref-430[430]

Das UNO-WelternĂ€hrungsprogramm unterstĂŒtzte im Sommer 2016 jeden Monat vier bis viereinhalb Millionen Menschen in Syrien. 70 Prozent der Hilfe gehen dabei via Damaskus, der Rest ĂŒber DrittlĂ€nder. Gebernationen sind insbesondere Deutschland (mit fast der HĂ€lfte des Betrags im 2017) und die EU sowie die USA.cite-ref-echo1318-431-0[431] Hilfskonvois wĂŒrden schikaniert im offensichtlichen BemĂŒhen zu sehen, ob die Hilfsverantwortlichen nicht aufgĂ€ben. Der Leiter des Programms, Jakob Kern, sagte, die Armee hĂ€tte kein Interesse an Hilfslieferungen, da es sich bei eingekesselten Gebieten um „mittelalterliche Belagerung“ handle mit dem Ziel, die Leute auszuhungern. Ebenso wĂŒrde das völkerrechtliche Recht von Verletzten verletzt, wenn es um Erste-Hilfe-AusrĂŒstung gehe, die nicht durchgelassen werde. In besonderen FĂ€llen wie dem damals vom IS umzingelten Deir ez-Zor wurde als letzte Option auch Hilfe aus der Luft abgeworfen.cite-ref-432[432] Anfang 2018 erreichte die stĂ€ndige Versorgung 3 Millionen Menschen. FĂŒr eine komplexe Operation, wie die Versorgung ĂŒber Frontlinien hinweg, nĂŒtze nach Jakob Kern eine fĂŒnfstĂŒndige Waffenruhe, wie sie von Russland fĂŒr Ghouta im Februar 2018 verkĂŒndet wurde nichts.cite-ref-echo1318-431-1[431]

UNO-Beobachtermission (2012)

Vom 21. April bis 19. August 2012 wurde eine Beobachtermission der Vereinten Nationen in Syrien (UNSMIS), basierend auf den Sicherheitsratsresolutionen 2042 (14. April), 2043 (21. April) und 2059 (20. Juli), durchgefĂŒhrt. Der Auftrag von UNSMIS lautete, mit 300 unbewaffneten UN-MilitĂ€rbeobachtern die „Einstellung der bewaffneten Gewalt in allen ihren Formen durch sĂ€mtliche Parteien zu ĂŒberwachen sowie die vollstĂ€ndige Umsetzung des Sechs-Punkte-Vorschlags des Gesandten zu ĂŒberwachen und zu unterstĂŒtzen“. Die seit dem 12. April 2012 geltende Waffenruhe beruhte auch auf dem Sechs-Punkte-Vorschlag von Kofi Annan (gemeinsamer Sonderbeauftragter fĂŒr die Vereinten Nationen und der Arabischen Liga), dem die syrische FĂŒhrung unter PrĂ€sident Baschar al-Assad am 25. MĂ€rz 2012 zustimmte.cite-ref-sc-res-10609-433-0[433]cite-ref-434[434]

Die AusfĂŒhrung der Mission war seit dem 16. Juni 2012 aufgrund eskalierender Gewalt gegenĂŒber den Beobachtern unterbrochen.cite-ref-suspended-201206-435-0[435]cite-ref-436[436] Am 16. August 2012 hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Ende der Beobachtermission UNSMIS angeordnet, da die Bedingungen fĂŒr eine Fortsetzung nicht gegeben gewesen seien. Am 19. August 2012 um Mitternacht endete das Mandat fĂŒr die UNO-Friedensmission.cite-ref-437[437]

UNO-Generalversammlung

Am 15. Mai 2013 beschloss die UNO-Generalversammlung eine nichtbindende Resolution, die von Katar eingebracht worden war und Menschenrechtsverletzungen durch Regierungstruppen in Syrien scharf verurteilte.cite-ref-438[438] WĂ€hrend die Zahl der Gegenstimmen mit 12, gegenĂŒber der letzten Resolution dieser Art vom August 2012, gleich blieb, wird eine erhöhte Zahl an Enthaltungen von 33 auf 55 bei der Abstimmung von Beobachtern als zunehmende Ablehnung der syrischen Opposition durch Mitglieder der Generalversammlung gewertet.cite-ref-439[439]

UNO-Menschenrechtsrat

Am 22. August 2011 richtete der UN-Menschenrechtsrat eine unabhĂ€ngige Untersuchungskommission ein, die alle Berichte ĂŒber Menschenrechtsverletzungen in Syrien seit MĂ€rz 2011 sammeln und die Verantwortlichen ausfindig machen soll. Die Kommission veröffentlicht regelmĂ€ĂŸige Berichte.cite-ref-440[440]

Der Menschenrechtsrat verurteilte am 29. Mai 2013 in einer (nichtbindenden) Resolution, die von Katar, der TĂŒrkei und den USA eingebracht worden war, den Einsatz auslĂ€ndischer Milizen auf Seiten der Regierung bei der Schlacht um Kusair.cite-ref-zeit-de-322-1[322]cite-ref-441[441]

Arabische Liga

Am 7. August 2011 gab die Arabische Liga erstmals eine offizielle Stellungnahme zu den Protesten ab, in der sie ein Ende der Gewalt gegen die Zivilisten forderte.cite-ref-442[442]

Am 2. November 2011 stellte die Arabische Liga einen Friedensplan auf, der vorsah, nicht auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen, das MilitĂ€r aus den StĂ€dten abzuziehen, politische Gefangene freizulassen. Die syrische Regierung stimmte dem Plan zu,cite-ref-443[443] am Tag darauf kam es aber wieder zu Toten, als auf Demonstranten geschossen wurde.cite-ref-444[444]

Am 12. November 2011 beschloss die Arabische Liga vier Punkte:cite-ref-445[445]

1. Ab dem 16. November wird die Mitgliedschaft Syriens ausgesetzt, und seine Delegation wird von den Verhandlungen ausgeschlossen.
2. Die Mitglieder werden zum Abzug ihrer Botschafter aufgefordert.
3. Es werden Wirtschaftssanktionen verhÀngt.
4. Die UNO ist zum Schutz der syrischen Bevölkerung aufgerufen.

Die am 12. November angekĂŒndigten Sanktionen wurden am 27. November verhĂ€ngt. Sie umfassen neben einem Stopp des Handels mit der syrischen Regierung und Zentralbank ein Reiseverbot fĂŒr die Mitglieder der syrischen Regierung sowie das Einfrieren von Konten.cite-ref-446[446]cite-ref-447[447]

Im Januar 2012 stimmte die Liga einem von Saudi-Arabien und Katar vorgelegten Friedensplan zu, demzufolge Assad die Macht an den sunnitischen VizeprĂ€sidenten Faruk al-Scharaa ĂŒbergeben sollte. Syrien lehnte den Vorschlag ab; auch Algerien, Irak und Libanon hatten sich gegen den Plan ausgesprochen. Am 22. Januar 2012 zog Saudi-Arabien seine Beobachter zurĂŒck.cite-ref-448[448] Zwei Tage danach hatten die anderen Golfstaaten angekĂŒndigt, dass sie ebenfalls ihre Beobachter zurĂŒckziehen.cite-ref-449[449]

Am 12. Februar 2012 bat die Arabische Liga den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Friedenstruppen der Vereinten Nationen nach Syrien zu entsenden. Zudem wurden der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur syrischen Regierung und die Intensivierung des Kontakts zum Syrischen Nationalrat beschlossen. Dem Vorschlag einiger Golfstaaten, den Rat als «einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes» anzuerkennen, folgten sie jedoch nicht. Irak erklĂ€rte, dafĂŒr sei es noch zu frĂŒh, der Libanon lehnte die Resolution insgesamt ab, auch Algerien meldete Bedenken an.cite-ref-450[450]

Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit

Am 15. August 2012 hat die Organisation fĂŒr islamische Zusammenarbeit (OIC) auf ihrem Gipfeltreffen in Mekka Syrien die Mitgliedschaft in der OIC suspendiert. Iran und Algerien stimmten vergeblich dagegen, Pakistan und Kasachstan forderten zumindest auch eine Verurteilung der Gewaltakte durch die Rebellen.

EuropÀische Union

Am 9. Mai 2011 beschloss der Rat der EuropĂ€ischen Union Sanktionen gegen Personen, die fĂŒr die gewaltsame Repression gegen die Zivilbevölkerung in Syrien verantwortlich sind. Diesen wird die Einreise in die EU verboten und entsprechende Gelder und Finanzeinlagen werden gesperrt.cite-ref-eu-sanktionen-1-451-0[451] Die Liste der betroffenen Personen wurde mehrfach ergĂ€nzt.cite-ref-452[452]cite-ref-453[453]cite-ref-454[454] Außerdem wurde ein Embargo ausgesprochen,cite-ref-eu-sanktionen-1-451-1[451] das „den Verkauf, die Lieferung, die DurchfĂŒhrung und den Export von RĂŒstungsgĂŒtern und dazugehörigen Materialien aller Arten, darunter Waffen, Munition, MilitĂ€rfahrzeuge und -ausrĂŒstung, paramilitĂ€rische AusrĂŒstung und Ersatzteile fĂŒr die erwĂ€hnten GegenstĂ€nde“ untersagt.cite-ref-world-socialist-web-site-455-0[455] Es gibt mittlerweile allerdings auch wieder Bestrebungen, das Embargo zumindest bezĂŒglich nicht-tödlicher Waffen aufzulösen – insbesondere von Frankreich und Großbritannien.cite-ref-world-socialist-web-site-455-1[455]

Am 13. September 2012 nahm das EuropĂ€ische Parlament eine Resolution an, in der es den stĂ€ndig zunehmenden Einsatz willkĂŒrlicher Gewalt durch die Regierung von PrĂ€sident Assad gegen die syrische Zivilbevölkerung, insbesondere gezielte Tötungen von Kindern und Frauen und Massenexekutionen in Dörfern, auf das SchĂ€rfste verurteilte. Es forderte ein unverzĂŒgliches Ende der Gewalt und rief zu verstĂ€rkten humanitĂ€ren Maßnahmen seitens der EU auf sowie zur Zulassung dieser Maßnahmen seitens der syrischen Regierung. Es Ă€ußerte sein Bedauern darĂŒber, dass der UNO-Sicherheitsrat noch keine Resolution angenommen hatte, um die Gewalt in Syrien zu beenden. Es wiederholte zugleich seine Forderung nach einem RĂŒcktritt des syrischen PrĂ€sidenten.cite-ref-456[456]

Auf DrĂ€ngen Frankreichs und Großbritanniens hob die EuropĂ€ische Union im Mai 2013 das Waffenembargo fĂŒr die syrischen Rebellen auf.cite-ref-faz-290513-457-0[457] Jeder Mitgliedsstaat der Union kann demnach selbst ĂŒber Waffenlieferungen an Regierungsgegner entscheiden.cite-ref-458[458]

Deutschland

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Hauptartikel

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Bundeswehreinsatz in Syrien

Die deutsche Bundesregierung (Kabinett Merkel II) verurteilte die syrische Regierung fĂŒr ihre Angriffe auf die Rebellen. Nach syrischen Angriffen auf die TĂŒrkei im Oktober 2012 sprach Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) von „schwerwiegenden VorfĂ€llen“.cite-ref-welt-109640607-459-0[459] Im August 2012 bestĂ€tigte das Bundesministerium der Verteidigung den Einsatz des deutschen Flottendienstboots Oker der deutschen Marine „in internationalen GewĂ€ssern im östlichen Mittelmeer“.cite-ref-460[460]

Bild schrieb im August 2012, der Bundesnachrichtendienst (BND) gebe gewonnene Erkenntnisse an US-amerikanische und britische Partnerdienste weiter, von wo aus sie auch an die syrischen Rebellen gelangen sollen. Mitarbeiter des BND waren laut Bild auch auf dem NATO-StĂŒtzpunkt Adana (TĂŒrkei) stationiert, von wo aus sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien abhörten. „Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten“, Ă€ußerte laut BamS „ein BND-Mann“.cite-ref-461[461] Demnach spielte Deutschland eine grĂ¶ĂŸere Rolle im Syrien-Konflikt als bis dato bekannt.cite-ref-462[462] Im Mai 2013 schĂ€tzte der BND die Lage der Rebellen als prekĂ€r ein und sah das Assad-Regime auf dem Vormarsch. Ein Jahr zuvor hatte er den Rebellen einen baldigen Sieg prophezeit.cite-ref-463[463]

Im Dezember 2012 beschloss der Deutsche Bundestag die Beteiligung der Bundeswehr an der NATO-Operation Active Fence in der TĂŒrkei. Im Rahmen des Einsatzes von Januar 2013 bis Januar 2016 ĂŒberwachten und schĂŒtzten deutsche Soldaten den Luftraum ĂŒber dem Grenzgebiet zu Syrien.

2013 ließ die EU das Waffenembargo auf DrĂ€ngen Frankreichs und Großbritanniens fĂŒr syrische Rebellen auslaufen. Bundeskanzlerin Merkel schloss im Mai 2013, vier Monate vor der Bundestagswahl 2013, Waffenlieferungen Deutschlands nach Syrien kategorisch aus.cite-ref-faz-290513-457-1[457] Ab 2014 gab es auf Beschluss der Bundesregierung (das schwarz-rote Kabinett Merkel III) Waffenlieferungen an die autonome Region Kurdistans im Irak.cite-ref-464[464]

Im August 2015 erklĂ€rte das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf), die Anwendung des Dublin-Verfahrens fĂŒr Syrer auszusetzen. Die Deutsche Bundesregierung schickte seitdem syrische FlĂŒchtlinge nicht mehr in die EU-LĂ€nder zurĂŒck, in dem die Syrer zuerst registriert wurden – z. B. nach Italien, Ungarn oder Griechenland.cite-ref-465[465] Im November 2015 wurde diese Regelung allerdings wieder aufgehoben.cite-ref-466[466]

Nach den TerroranschlĂ€gen am 13. November 2015 in Paris, die dem IS zugerechnet werden, begann Frankreich seine LuftschlĂ€ge auf IS-Stellungen im BĂŒrgerkriegsland zu intensivieren, warb fĂŒr eine internationale Koalition gegen die Organisation und bat die EU-Mitgliedstaaten offiziell um Beistand nach Artikel 42. Absatz 7 des EU-Vertrages von Lissabon. Die deutsche Bundesregierung kĂŒndigte daraufhin Anfang Dezember 2015 an, sich mit einem Bundeswehreinsatz in Syrien zu beteiligen.

Am 4. Dezember 2015 beschloss der Deutsche Bundestag die Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen den Islamischen Staat (ISIS). Es war zunĂ€chst vorgesehen, die Bundeswehr mit bis zu 1.200 Soldaten außerhalb Syriens zur UnterstĂŒtzung einzusetzen.cite-ref-467[467]

2018 erwirkte der deutsche Generalbundesanwalt einen internationalen Haftbefehl gegen den syrischen Luftwaffen-Geheimdienstchef Jamil Hassan wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.cite-ref-468[468]

Im Februar 2019 wurden zwei frĂŒhere syrische Geheimdienstbeamte in Deutschland festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. 2011 und 2012 sollen die MĂ€nner an Misshandlungen beteiligt gewesen sein.cite-ref-469[469]

Im MĂ€rz 2019 wurde bekannt, dass in Deutschland regelmĂ€ĂŸig Mitglieder einer syrischen Friedensinitiative bestehend aus Vertretern zahlreicher syrischer Familien, StĂ€mme und Konfessionesgemeinschaften zusammenkommen. Die Gruppe bezeichnet sich als „Rat der syrischen Charta“, hat laut Medienberichten ĂŒber zweieinhalb Jahre lang geheim getagt und einen Entwurf fĂŒr einen neuen Gesellschaftsvertrag verabschiedet.cite-ref-470[470] Syrische FlĂŒchtlinge in Deutschland haben private Initiativen gegrĂŒndet, um Beweismaterial fĂŒr strafrechtliche Verfolgungen etwaiger syrischer Kriegsverbrecher, die nach Deutschland geflohen sind, zu sammeln.cite-ref-471[471]

China

Die Volksrepublik China legte wie Russland ihr Veto gegen Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein, die die syrische Regierung fĂŒr ihr Vorgehen gegen die Opposition bestrafen sollten. Chinas Vertreter im Sicherheitsrat erklĂ€rte die Entscheidung seines Landes mit der Unausgewogenheit der Resolution, die lediglich Druck auf eine Konfliktpartei in Syrien ausĂŒbe. Die Gefahr eines Übergreifens des Konflikts auf andere Staaten der Region wĂŒrde so vergrĂ¶ĂŸert.cite-ref-reu-190712-197-1[197] Weiterhin beklagten Chinas Vertreter in einer Verlautbarung die fehlende Zusammenarbeit bei der Erstellung der Resolution von Sommer 2012 und warfen einzelnen Staaten vor, kein Interesse an einer friedlichen Lösung zu haben. So sei die Mission des Sondergesandten Kofi Annan voreilig öffentlich fĂŒr gescheitert erklĂ€rt worden und eine Ausweitung von dessen Mission habe man durch das Stellen von Vorbedingungen und mit diversen Hindernissen sabotiert. Diese Staaten hĂ€tten weiterhin keinerlei ernsthaftes BemĂŒhen gezeigt, sondern seien mit einer „arroganten Haltung“ in die GesprĂ€che gestartet.cite-ref-472[472]

Anfang Juli 2013 machte China die Parteien im syrischen BĂŒrgerkrieg fĂŒr Auseinandersetzungen im Autonomen Gebiet Xinjiang verantwortlich. Islamistische Separatisten aus der Volksgruppe der Uiguren, die sich fĂŒr eine Abspaltung des Gebiets von China einsetzten, hĂ€tten sich zuvor bei KĂ€mpfen in Syrien auf Seiten der Opposition radikalisiert und tragen laut Behördenangaben die Verantwortung fĂŒr Unruhen mit 35 Toten in der letzten Juniwoche.cite-ref-473[473]

Katar

Katar unterstĂŒtzte die syrische Rebellen schon 2011 und begann sie mit Waffen zu versorgen, die von der katarischen Luftwaffe ĂŒber Esenboğa in der TĂŒrkei eingeflogen wurden.cite-ref-bbc-14062013-474-0[474] Offiziell gestand Katar Waffenlieferungen jedoch nie ein.cite-ref-nyt-29062013-475-0[475] ZunĂ€chst wurden eigene AltbestĂ€nde ĂŒber die TĂŒrkei nach Syrien geschickt, spĂ€ter auch moderne Waffen auf dem internationalen Markt aufgekauft und zu RebellenverbĂ€nden transportiert.cite-ref-nyt-29062013-475-1[475]

ZunĂ€chst weitgehend unbedeutend, benutzte Katar seinen Reichtum, um die Rolle des Landes als wichtige regionale Macht zu zementieren. Die Herrscherfamilie glaube an eine wichtige Rolle des Islams in der Politik und unterstĂŒtze gern „Gewinner“. Staaten wie Jordanien oder die Vereinigten Arabischen Emirate beschwerten sich 2013 bei den USA ĂŒber das unbedachte Vorgehen Katars und ein westlicher Diplomat sagte, das Land habe sich mit seinem Syrienengagement schlicht ĂŒbernommen.cite-ref-nyt-29062013-475-2[475]

So gelangten die von Katar 2013 beschafften modernen Flug- und Panzerabwehrraketen chinesischer Bauart (FN-6 und HJ-8) nach Beobachtungen von Analysten in die HĂ€nde von Islamisten.cite-ref-476[476] Nachdem das Herstellerland dieser Waffen zunĂ€chst unklar war, wurden sie nach Erkenntnissen vom Sommer 2013 von Katar im Sudan angekauft, wo mit iranischer und chinesischer UnterstĂŒtzung in den Jahren zuvor eine RĂŒstungsindustrie entstanden war. Offizielle Stellen im Sudan bestreiten diese Lieferungen und gaben an, nur 2011 im Libyschen BĂŒrgerkrieg Munition geliefert zu haben. Nachdem Herstellerstempel des Sudan von 2012 auf Munition von Rebellen gefunden wurden, bezweifeln Beobachter die Aussagen und stufen sie auf Basis vergangener Lieferungen in zahlreiche Krisengebiete und gleichzeitigen Dementies des Sudan als nicht glaubhaft ein. Die neuen Transporte seien nach Angaben von amerikanischen Offiziellen von ukrainischen Frachtflugzeugen in Sudans Hauptstadt abgeholt und wie zuvor in die TĂŒrkei geflogen worden, von wo aus sie Rebellengruppen zugespielt wurden.cite-ref-477[477]

Katar gehört offiziell zur amerikanisch gefĂŒhrten Koalition gegen den IS in Syrien,cite-ref-whitehouse-gov-242-1[242] und beherbergt rund 10.000 US-Soldaten. Aber Anfang Juni 2017 wurde Katar von US-PrĂ€sident Trump, Vertretern Saudi-Arabiens und denen anderer Staaten der Terrorfinanzierung in Syrien bezichtigt und anschließend von diesen Staaten isoliert. 12 Organisationen und 59 Personen aus Katar wurden auf Sanktionslisten gesetzt,cite-ref-478[478] die Überflugrechte fĂŒr Katarische Fluglinien wurden von den Saudis, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten gestrichen und DirektflĂŒge nach Katar eingestellt.cite-ref-479[479]

Saudi-Arabien

Saudi-Arabiens Regierung gehört zu den stĂ€rksten UnterstĂŒtzern der UmsturzplĂ€ne gegen PrĂ€sident Assad, weil sie den Einfluss Irans in der Region schwĂ€chen will, mit dem sie seit Jahrzehnten verfeindet ist. Begonnen hatte die Feindschaft mit der iranisch-islamischen Revolution, einer Bewegung, die die alten Eliten und so auch das saudische Herrscherhaus von unten bedrohte. Wegen der schiitisch geprĂ€gten Politik Irans wurde die RivalitĂ€t zu einem Glaubenskrieg stilisiert, der alte Vorurteile zwischen Sunniten und Schiiten bediente, die von den saudischen Wahhabiten als Ketzer angesehen werden.cite-ref-480[480]

Wie Katar ist auch Saudi-Arabien aktiv daran beteiligt, oppositionelle Milizen zu bezahlen, auszurĂŒsten und aufzustellen. So bieten die Golfstaaten KĂ€mpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) eine Bezahlung an, die in US-Dollar oder Euro ausgezahlt wird und im Vergleich zu anderen Löhnen in Syrien sehr hoch ist. So sollen vor allem Soldaten der syrischen Armee bewogen werden zu desertieren.cite-ref-481[481] Quellen aus den Reihen der FSA gaben außerdem an, mehrere Ladungen an Waffen von Golfstaaten erhalten zu haben, darunter Kalaschnikow-Sturmgewehre, Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen. Rebellen und westlichen Diplomatenkreisen zufolge sollen die Waffen ĂŒber die tĂŒrkische Grenze nach Syrien gelangt sein. Bei einem Treffen der Kontaktgruppe „Freunde Syriens“ im Februar soll der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal (1940–2015) die Bewaffnung der syrischen Opposition als „exzellente Idee“ bezeichnet haben.cite-ref-482[482] Auf saudische Rechnung wurden Infanteriewaffen, Mörser und rĂŒckstoßfreie GeschĂŒtze aus Kroatien beschafft und ĂŒber Jordanien nach Syrien geschmuggelt. Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Saudi-Arabien zudem rund 1200 zum Tode verurteilten Insassen seiner GefĂ€ngnisse anbot, ihre Strafe umzuwandeln, sollten sie in Syrien gegen die Regierungstruppen kĂ€mpfen.cite-ref-483[483] ZusĂ€tzlich wurde den Familien der Verurteilten, die Saudi-Arabien wĂ€hrend des Einsatzes ihrer Angehörigen in Syrien nicht verlassen dĂŒrfen, eine monatliche Zahlung zugesichert.cite-ref-484[484] Auf Druck Russlands, das drohte, diese Praxis öffentlich zu machen, versprachen die Saudis das Programm einzustellen. Durch desertierte Angehörige dieser Einheiten, die aus Syrien in ihre HeimatlĂ€nder Irak und Jemen geflohen waren, wurde die Existenz solcher Truppen bekannt.cite-ref-485[485]

Im August 2013 wurde bekannt, dass Saudi-Arabiens Geheimdienstchef, Bandar bin Sultan, Russlands PrĂ€sident Putin angeboten hatte, fĂŒr die saudischen StreitkrĂ€fte russische Waffen im Wert von 15 Milliarden US-Dollar kaufen zu wollen und Russlands Vormachtstellung bei der Gasversorgung Europas in Zukunft nicht zu bedrohen, sollte Russland seine UnterstĂŒtzung fĂŒr das Assad-Regime zurĂŒckfahren und keine Sicherheitsratsresolutionen gegen Syrien mehr blockieren.cite-ref-486[486] Im gleichen Monat begannen die Saudis, nun ĂŒber Jordanien, Panzerabwehrraketen russischer Bauart an Rebellen in SĂŒd-Syrien zu liefern, nach Analystenmeinung ein Versuch, moderate OppositionskĂ€mpfer zu stĂ€rken, um die islamistischen EinflĂŒsse zurĂŒckzudrĂ€ngen, die auch fĂŒr das Herrscherhaus in Riad bedrohlich warencite-ref-487[487] oder sind. So wurde Saudi-Arabien seit dem dritten Quartal 2013 die massive Förderung einer Gruppe mit der Bezeichnung „Liwa al-Islam“ (Armee des Islam) nachgesagt, die eine salafistische Wertebasis besitzt und sich von den al-Qaida-nahen Organisationen wie ISIL abgrenzt.cite-ref-488[488] Mit dem Nachlassen westlicher UnterstĂŒtzung fĂŒr die bewaffnete Opposition, Ende 2013, verkĂŒndete Saudi-Arabien, eine aktivere Rolle im Kampf gegen das Assad-Regime ĂŒbernehmen zu wollen, die vom saudischen Botschafter in Großbritannien in dem Zusammenhang als Gefahr fĂŒr die StabilitĂ€t in der Region bezeichnet wurde.cite-ref-489[489]

Trotz Ă€hnlich erscheinenden Positionen in religiösen Fragen geriet das saudi-arabische Herrscherhaus im Verlauf des Konfliktes zunehmend in Gegensatz zu den ISIS-Milizen. Nach AnschlĂ€gen in Saudi-Arabien verhaftete man im Sommer 2015 rund 400 Personen, die dem IS nahestehen sollen und beteiligte sich im Rahmen der von den USA gefĂŒhrten KoalitionskrĂ€fte an Luftangriffen auf Stellungen des IS in Syrien.cite-ref-490[490] Mit dem Eingreifen der Russischen Föderation zugunsten der Regierung in Syrien vermuteten Analysten eine verstĂ€rkte militĂ€rische UnterstĂŒtzung durch Saudi-Arabien und die sunnitisch dominierten Staaten Katar und TĂŒrkei zugunsten der Rebellen.cite-ref-491[491] Insbesondere TOW-Lenkflugkörper amerikanischer Bauart wurden seit Oktober 2015 in großer Zahl durch Saudi-Arabien angekauft und ĂŒber die TĂŒrkei auch religiösen Rebellengruppen im Nordwesten Syriens zugespielt, die die USA inzwischen als „gemĂ€ĂŸigt“ eingestuft hĂ€tten.cite-ref-492[492]

Saudi-Arabien drohte noch im September 2015, man werde ein russisches Engagement, mit dem Ziel PrÀsident Assad an der Macht zu halten, unter keinen UmstÀnden akzeptieren.cite-ref-493[493]

Jordanien

Jordanien hatte zunĂ€chst etwa 600.000 FlĂŒchtlinge aufgenommen und bei der Versorgung von Rebellentruppen geholfen. Mit zunehmender Radikalisierung des Konfliktes war Jordanien der Koalition gegen den IS beigetreten und flog nach den USA die grĂ¶ĂŸte Zahl an Luftangriffen gegen Stellungen der Terrororganisation. Das Land war zudem in den Fokus des IS gerĂŒckt, weil zum Tode verurteilte AnhĂ€nger des vom IS verehrten TerrorfĂŒhrers ZarqāwÄ« dort in GefĂ€ngnissen saßen, die der IS freipressen wollte. Nach der Ermordung des gefangenen jordanischen Piloten MuÊżÄdh al-Kasāsba im Januar 2015 durch den IS ließ der König Abdullah II. die inhaftierten Terroristen hinrichten.cite-ref-494[494]

Israel

Syriens sĂŒdwestlicher Nachbar Israel beobachtete den Aufstand der Opposition eher skeptisch, jedoch bekam die syrische Opposition mehrmals RĂŒckendeckung durch israelische Luftangriffe auf MilitĂ€rstellungen der syrischen Armee auf den Golanhöhen. Zudem befĂŒrchtet man aus israelischer Sicht weitere UnterstĂŒtzung und NachschĂŒbe fĂŒr die Hisbollah (siehe dazu Libanonkrieg 2006) und die Hamas durch die Assad-Regierung.cite-ref-495[495] Einzelne Stimmen forderten ein Eingreifen israelischer StreitkrĂ€fte in den Konflikt. Presseberichten zufolge wurden fĂŒr humanitĂ€re Zwecke Areale auf den Golanhöhen gerĂ€umt, um gegebenenfalls FlĂŒchtlinge aufzunehmen. Ebenso besteht die Sorge eines provozierten Übergreifens des Konfliktes, beispielsweise mit C-Waffen.cite-ref-496[496]

Nach der Ankunft von sieben schwerverletzten BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlingen auf den Golanhöhen im Februar 2013 wurde von der medizinischen Eingreiftruppe der israelischen Armee in unmittelbarer GrenznĂ€he ein Feldlazarett eingerichtet, um syrischen Verletzten des BĂŒrgerkriegs medizinisch zu helfen.cite-ref-497[497] Laut einem 2015 vorgelegten Bericht der United Nations Disengagement Observer Force leistet Israel ĂŒber die Grenze am Golan humanitĂ€re Hilfe. „Israel macht keinen Hehl daraus, dass es den Syrern auf dem Golan humanitĂ€r hilft – mit Nahrung, Decken, Medikamenten und medizinischer Versorgung – und dabei nicht nachfragt, ob es sich um KĂ€mpfer oder Zivilisten handelt.“cite-ref-498[498] Trotz des seit 1948 bestehenden Kriegszustand zwischen beiden LĂ€ndern wurden in dem Zeitraum von fĂŒnf Jahren seit Februar 2013 knapp 5.000 verwundete Syrer, davon mehr als 1.000 Kinder, in Israel behandelt.cite-ref-499[499]

Israelische LuftstreitkrĂ€fte fĂŒhrten seit 2013 bis zum Sommer 2017 mindestens 19 Angriffe auf Ziele in Syrien durch, die aber meist nicht unmittelbar und offiziell eingestanden wurden.cite-ref-spon130117-500-0[500] Der israelische Luftwaffenchef hatte im Sommer 2017 erwĂ€hnt, seine Truppen hĂ€tten bereits rund 100 Ziele in Syrien getroffen.cite-ref-501[501] Dazu zĂ€hlten Attacken am 31. Januar 2013, 14. Februar 2013, 3. Mai 2013, 5. Mai 2013, 31. Oktober 2013, 24. Februar 2014, 19. MĂ€rz 2014, 23. Juni 2014, 20. Dezember 2015, 10. Mai 2016, 13. September 2016, 13. Januar 2017, 17. MĂ€rz 2017, 27. April 2017, 24. Juni 2017, 7. September 2017, am 22. September 2017, am 16. Oktober 2017, am 9. Januar 2018, am 8. Februar 2018 und am 10. Februar 2018.

Die Ziele standen dabei nach EinschĂ€tzung von Beobachtern meist im Zusammenhang mit der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon, die auf Seiten der syrischen Regierungstruppen kĂ€mpft. Dennoch sieht man sich in Israel selbst nach Angaben von Beobachtern nicht als Kriegspartei im BĂŒrgerkrieg.cite-ref-spon130117-500-1[500]

Israelische Kommandoeinheiten sollen auch am Boden in Syrien im Einsatz gewesen sein. So soll im Winter 2016/2017 eine Einheit des israelischen Geheimdienstes mit Hubschraubern in Syrien abgesetzt worden sein, um eine Einheit des IS auszuschalten, die offenbar TerroranschlĂ€ge gegen Passagierflugzeuge plante. Details des Einsatzes gelangten spĂ€ter an die Öffentlichkeit, weil Teile der gesammelten Geheiminformation von US-PrĂ€sident Trump in einer Indiskretion dem russischen Botschafter verraten wurden.cite-ref-502[502]

Am frĂŒhen Morgen des 13. Januar 2021 kam es zu einem der bislang umfassendsten israelischen Luftangriffe auf iranische Stellungen in Syrien, darunter nach Angaben von libanesischen Medien offenbar ein 35 Minuten dauernder Angriff auf Stellungen um und in Deir ez-Zor und Bukamal. Ein in Deutschland ansĂ€ssiger syrischer NGO-Beobachter schrieb den Angriff auch der Tatsache zu, dass US-PrĂ€sident Donald Trump in wenigen Tagen abtritt und die israelische FĂŒhrung seine RĂŒckendeckung fĂŒr diesen Angriff noch ausnutzen wollte.cite-ref-503[503]

Ägypten

Im Zusammenhang mit den mutmaßlichen ChemiewaffeneinsĂ€tzen der Assad-Regierung gegen die eigene Bevölkerung kĂŒndigte der Ă€gyptische StaatsprĂ€sident Mohammed Mursi am 15. Juni 2013 auf einer Konferenz zur „UnterstĂŒtzung Syriens“ in Kairo an, alle Beziehungen zur syrischen Regierung „endgĂŒltig“ abzubrechen. Er lasse die syrische Botschaft in Ägypten schließen und ziehe Ă€gyptische Partner aus Damaskus ab. Mursi sprach sich auch fĂŒr eine Flugverbotszone der NATO ĂŒber Syrien aus und warnte die Hisbollah und die PalĂ€stinenser, Assad zu unterstĂŒtzen.cite-ref-504[504]

Nach dem Staatsstreich in Ägypten und den Giftgasangriffen von Ghuta sprach sich Ägyptens neuer Außenminister Nabil Fahmi gegen eine MilitĂ€rintervention in Syrien aus. Die Krise könne ausschließlich politisch gelöst werden. Er erklĂ€rte auch, dass Ägypten keine Dschihadisten in Syrien unterstĂŒtze, jedoch auch Assad reserviert gegenĂŒberstehe.cite-ref-505[505]

Algerien/Marokko

Die Behandlung syrischer FlĂŒchtlinge fĂŒhrte zu einer Eskalation der seit Jahrzehnten schwelenden Streitigkeiten zwischen Marokko und Algerien. Beide LĂ€nder werfen sich gegenseitig vor, im Grenzgebiet befindliche FlĂŒchtlinge, darunter viele Frauen und Kinder, zu vertreiben und am Besuch ihrer Verwandten im anderen Land zu hindern.cite-ref-506[506] Nach Angaben des marokkanischen Innenministers sind 77 Personen, darunter 43 Kinder und 18 Frauen, betroffen. Eine Menschenrechtsorganisation im nordostmarokkanischen Oujda sprach von mehreren hundert syrischen FlĂŒchtlingen, die sich seit Juni 2013 in der Stadt aufhalten, und kritisierte Marokkos Weigerung, ihnen den FlĂŒchtlingsstatus zu gewĂ€hren.cite-ref-507[507]

Libyen

Nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi hatte Libyens Regierung den Rebellen schon 2011 ihre Hilfe im Kampf gegen die Regierung in Syrien angeboten.cite-ref-508[508] Mehrere hundert KĂ€mpfer, oft Veteranen aus dem libyschen BĂŒrgerkrieg, schlossen sich der Rebellenbewegung 2012 an.cite-ref-509[509]

Nennenswerte BestĂ€nde aus dem Waffenarsenal Libyens, einschließlich Landminen und schultergestĂŒtzter Flugabwehrraketen, wurden nach UNO-Angaben ebenfalls den Rebellen zugefĂŒhrt, wobei die Initiatoren dieser Transporte nicht bekannt sind.cite-ref-bbc-14062013-474-1[474]

Sudan

Der Sudan gilt als enger VerbĂŒndeter Irans und mĂŒsste daher im BĂŒrgerkrieg in Syrien auf der Seite der Regierung stehen. Dennoch scheint der Sudan nach der Abspaltung des SĂŒdsudan 2011 (was den Verlust seiner meisten Ölfelder bedeutete) aufgrund seiner prekĂ€ren wirtschaftlichen Lage ĂŒber seine RĂŒstungswerke Military Industry Corporation beide Seiten mit Waffen zu beliefern.cite-ref-510[510] Als mutmaßlicher Waffenlieferant der StreitkrĂ€fte Syriens als auch der Freien Syrischen Armee muss der Sudan als klassischer Kriegsgewinnler gelten.

Venezuela

Zu Lebzeiten von Hugo ChĂĄvez wurde Syrien mit venezolanischem Öl beliefert, wahrscheinlich um das Energieembargo der Golfstaaten zu umgehen. Die Regierung Assad als VerbĂŒndeter Irans wird aus venezolanischer Sicht auch als VerbĂŒndeter in der Region betrachtet, da sie durch den gemeinsamen Gegner, die Vereinigten Staaten, zur Kooperation verpflichtet ist. Ob es bisher unter dem neuen venezolanischem PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro weitere Öl-Lieferungen an Syrien gab, ist nicht bekannt.

Belarus

Belarus und Syrien haben seit 1993 enge politische und wirtschaftliche Beziehungen.cite-ref-511[511] Daher trat Belarus bereits vor dem BĂŒrgerkrieg in Syrien als Waffenlieferant der syrischen StreitkrĂ€fte, insbesondere der syrischen LuftstreitkrĂ€fte, in Erscheinung. Auch nach Beginn des BĂŒrgerkrieges scheint die belarussische FĂŒhrung davon nicht abgerĂŒckt zu sein.cite-ref-512[512] 2012 haben daher die USA Sanktionen gegen das staatliche RĂŒstungsunternehmen Belwneschpromserwis erlassen.cite-ref-513[513] Den PrĂ€sidenten von Belarus Aljaksandr Lukaschenka scheint dies wenig beeindruckt zu haben, gelten gegen seine Regierung aufgrund seiner autokratischen Herrschaft ohnehin schon Sanktionen durch die EU.cite-ref-514[514]

Nordkorea

Das totalitĂ€r regierte Nordkorea unterstĂŒtzt offen PrĂ€sident Assad und dessen Baath-Partei und erklĂ€rt sich mit der Regierung solidarisch darin, „die SouverĂ€nitĂ€t, den Frieden und die StabilitĂ€t des Landes zu verteidigen“. Waffenlieferungen Nordkoreas an Syrien werden vermutet.cite-ref-515[515] Ebenso bedankte sich die Assad-Regierung bei der nordkoreanischen FĂŒhrung fĂŒr die „UnterstĂŒtzung und Ermutigung fĂŒr unsere gerechte Sache gegen die Einmischung der WeltmĂ€chte in unsere inneren Angelegenheiten“.cite-ref-516[516]

Mindestens zwei nordkoreanische Frachtschiffe mit Komponenten fĂŒr Waffen und dem Ziel Syrien wurden zwischen Februar und August 2017 von Mitgliedsstaaten des UNO-Sicherheitsrates aufgebracht. Die gelisteten EmpfĂ€nger standen auf Sanktionslisten der EuropĂ€ischen Union und der USA.cite-ref-517[517]

Desinformationen

Syrische und russische Medien, aber auch einzelne Wissenschaftler namhafter britischer UniversitĂ€ten, verbreiteten Desinformationen zu den Weißhelmen, Desinformationen zu Chemiewaffenangriffen sowie zur Organisation fĂŒr das Verbot chemischer Waffen. Sie leugneten den Massenmord und die Folter durch das syrische Regime von Baschar al-Assad oder erklĂ€rten, die Weißhelme seien bezahlte Schauspieler.cite-ref-518[518]

Siehe auch
Filme

Dokumentationen

‱ Die Weißhelme, 2016
‱ Schlachtfeld Syrien: Die Welt schaut zu auf YouTube, 2017
‱ Of God and Dogs, 2014
‱ Fi al-thawra (During Revolution), 2018
‱ FĂŒr Sama, 2019
‱ Töten fĂŒr Assad – Massenmord auf Video (Report Mainz)
‱ Syrien – Putins Testlabor?, 2022

Spielfilme

‱ 2017: Innen Leben
‱ 2021: Have a Nice Dog!
‱ 2021: Tala’vision

Literatur

Monographien:

‱ Christoph Leonhardt: Religion und Gewalt in Syrien. Legitimierung und Mobilisierung unter der Assad-Dynastie (1970–2020), in: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 19, MĂŒnster 2024, ISBN 978-3-643-25119-0.
‱ Garance Le Caisne: Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie. C.H.Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69211-6.
‱ Adam Baczko, Gilles Dorronsoro, Arthur Quesnay: Civil War in Syria. Mobilization and Competing Social Orders. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-108-43090-6, doi:10.1017/9781108355322 (englisch).
‱ Nikolaos Van Dam: Destroying a Nation: The Civil War in Syria. Verlag I.B.Tauris, 2017, ISBN 978-1-78672-248-5 (englisch).
‱ Jörg Armbruster: Brennpunkt Nahost. Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens. Westend, Frankfurt a. M. 2013, ISBN 978-3-86489-037-6.
‱ Larissa Bender (Hrsg.): Innenansichten aus Syrien. Edition Faust, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-9815893-7-5.
‱ Ben Bawey: Assads Kampf um die Macht. 100 Jahre Syrienkonflikt. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04241-7.
‱ Human Rights Watch: „By All Means Necessary“. Individual and Command Responsibility for Crimes against Humanity in Syria. Dezember 2011, New York 2011, ISBN 1-56432-842-2 (PDF; 787 kB) (PDF; 787 kB)
‱ Human Rights Watch: World Report 2012. Seven Stories Press, New York 2012, ISBN 978-1-60980-389-6, S. 624–631 u. a. (PDF; 4,2 MB) (PDF; 4,2 MB)
‱ Samar Yazbek: Schrei nach Freiheit. Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution. Nagel & Kimche, ZĂŒrich 2012, ISBN 978-3-312-00531-4.
‱ Daniel Gerlach: Herrschaft ĂŒber Syrien. Macht und Manipulation unter Assad. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89684-164-3.
‱ Sönke Neitzel und Bastian Matteo Scianna: Blutige Enthaltung. Deutschlands Rolle im Syrienkrieg. Herder, Freiburg, 2021, ISBN 978-3-451-82247-6

SammelbÀnde:

‱ Fritz Edlinger, Tyma Kraitt: Syrien. Ein Land im Krieg. HintergrĂŒnde, Analysen, Berichte. 2. ĂŒberarb. Aufl. Wien. Promedia 2015, ISBN 978-3-85371-398-3.

Artikel, Analysen und Studien:

‱ Muriel Asseburg, Heiko Wimmen: Der gewaltsame Machtkampf in Syrien. Szenarien und Einwirkungsmöglichkeiten der internationalen Gemeinschaft. (= SWP-Aktuell 2012/A 12). Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Februar 2012. PDF, 83 kB, 4 S.
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‱ Deutsch-Israelischer Arbeitskreis fĂŒr Frieden im Nahen Osten (diAk, Hrsg.): Themenheft Der syrische BĂŒrgerkrieg in der Region. In: Israel & PalĂ€stina, 2013, Nr. 4, ISBN 978-3-86575-352-6.
‱ Mamoun Fansa (Hrsg.): Aleppo – Ein Krieg zerstört Weltkulturerbe. Geschichte, Gegenwart, Perspektiven. NĂŒnnerich-Asmus, Mainz 2013, ISBN 978-3-943904-25-3.
‱ Roland Christian Hoffmann-Plesch: Syrien, Eurasien und die neue multipolare Weltordnung. (Teil 1, Teil 2 Der Syrienkrieg als Weltordnungskrieg.) In: Eurasisches Magazin Ausgabe August/September 2013.
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‱ Stephan Rosiny: Syrien: Vom BĂŒrgerkrieg zum regionalen FlĂ€chenbrand? (= GIGA Focus Nahost 2013/8). Hamburg: GIGA German Institute of Global and Area Studies, September 2013. PDF, 8 S., 446 kB
‱ Christine Schweitzer, Clemens Ronnefeldt, Karl Grobe-Hagel und Andreas Buro: Syrien zwischen gewaltfreiem Aufstand und BĂŒrgerkrieg. (= Dossier V). Monitoring-Projekt: Zivile Konfliktbearbeitung – Gewalt- und KriegsprĂ€vention. Bonn: Kooperation fĂŒr den Frieden, Februar 2012. PDF, 20 S., 530 kB
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‱ JĂŒrgen Wagner: Syrien: Die Militarisierung der Proteste und die strategische Unvernunft der Gewalt. (= IMI-Studie Nr. 07/2012). TĂŒbingen: Informationsstelle Militarisierung (IMI), 20. MĂ€rz 2012. ISSN 1611-2571, (PDF, 8 S., 327 kB).
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‱ Carsten Wieland: Syria. A Decade of Lost Chances. Repression and Revolution from Damascus Spring to Arab Spring. Cune Press, Seattle, Washington 2013, ISBN 978-1-61457-002-8 (Taschenbuch).
‱ Andreas Zumach und Norman Paech: Syrien: Soll die Staatengemeinschaft humanitĂ€r intervenieren? ZĂŒrich: WOZ – Die Wochenzeitung, 29. MĂ€rz 2012. PDF-Version (PDF) 4 S., 181 kB.
‱ John Borneman: Und nach den Tyrannen? Macht, Verwandtschaft und Gemeinschaft in der Arabellion. in: Lettre International Nr. 98, Berlin 2012.
‱ James Harkin: Neue Medien in Syrien. Mit Facebook, Skype und Smartphones unterwegs im BĂŒrgerkrieg, in: Lettre International Nr. 104, Berlin 2014.
‱ Seymour M. Hersh: Rote Linie, Rattenlinie. Giftgas, BĂŒrgerkrieg und Krieg – Obama, Erdoğan und Syriens Rebellen. in: Lettre International Nr. 105, Berlin 2014.
‱ Artikel-Serie zum Syrischen BĂŒrgerkrieg in: Truppendienst

Weblinks

Commons

: Syrischer BĂŒrgerkrieg

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikinews: Portal:Syrien

– in den Nachrichten

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‱ Isabelle Imhof: „Die Kinder haben die syrische Revolution gezĂŒndet“. Der syrische Schriftsteller Rafik Schami ĂŒber den Aufstand in seiner Heimat. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 28. MĂ€rz 2011, abgerufen am 1. April 2011 (Interview mit Rafik Schami ĂŒber die Proteste).
‱ BĂŒrgerkrieg in Syrien. Spiegel Online (Artikel und HintergrĂŒnde).
‱ Syria Liveblog. Sonderseite von Al Jazeera English
‱ Syrien-Dossier (Memento vom 17. Februar 2015 im Internet Archive) der Zeitschrift „inamo“
‱ BĂŒrgerkrieg in Syrien auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
‱ Robert F. Kennedy, Jr: Why the Arabs don’t want us in Syria, 23. Feb. 2016
‱ Aron Lund: Riyadh, Rumeilan, and Damascus: All You Need to Know About Syria’s Opposition Conferences, 9. Dez. 2015
‱ Frank Doll + Gerald Cesar: Waffen fĂŒr Nahost, FlĂŒchtlinge fĂŒr Deutschland, Wirtschaftswoche, 12. Sep. 2015
‱ Nafeez Ahmed: Syria intervention plan fueled by oil interests, not chemical weapon concern, The Guardian, 30. Aug. 2013
‱ Max Fischer: Syria’s Paradox: Why the War Only Ever Seems to Get Worse. Aufsatz mit den Ansichten von Forschern ĂŒber die GrĂŒnde fĂŒr die LĂ€nge des Konfliktes New York Times vom 26. August 2016
‱ Nur Gute und Böse in Syrien? In: dw.com. 26. Dezember 2016, abgerufen am 26. Dezember 2016.

Einzelnachweise

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cite-note-55. ↑ Syrien - aktuelle Situation - Ursache des Konflikts - Bundeszentrale fĂŒr Politische Bildung, 5. MĂ€rz 2025
cite-note-66. ↑ Warum in Syrien wieder gekĂ€mpft wird, Tagesschau, 8. MĂ€rz 2025
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